Trockenheit und Grenzengpässe treiben Schweizer Strompreise nach oben
Am 7. Oktober 2026 zeigt der aktuelle Marktbericht der Eidgenössischen Elektrizitätskommission ElCom ein angespanntes, aber wechselhaftes Bild im europäischen Stromhandel. Der durchschnittliche Schweizer Spotpreis stieg gegenüber der Vorwoche um rund 6 Prozent. Die geringere Last bremste den Anstieg allerdings – sonst hätte es wohl noch kräftiger ausgeschlagen.
Für den Schweizer Strommarkt kamen mehrere Faktoren zusammen: Zeitweise stärkere Bewölkung ließ die Photovoltaik-Produktion deutlich zurückgehen. Wegen der anhaltenden Trockenheit nahm außerdem die Laufwasserproduktion weiter ab. Auch die Erzeugung aus Speicherwasserkraftwerken sank. Mehr Strom aus Pumpspeicherkraftwerken konnte diese Rückgänge nur teilweise auffangen.
Weniger Wind und Sonne in Deutschland
In Deutschland fiel die Windstromerzeugung um 20 Prozent, die PV-Produktion um 19 Prozent. Gleichzeitig stieg die Last, wodurch das Preisniveau zunahm. Die Preisspitzen erreichten bis zu 390 EUR/MWh, lagen damit aber deutlich unter dem Niveau der Vorwoche.
Frankreich meldete eine deutlich höhere Windstromproduktion. Dem standen ein Rückgang der PV-Produktion um 34 Prozent und eine um 9 Prozent niedrigere Kernenergieproduktion gegenüber. Unter dem Strich erhöhten diese Faktoren das Preisniveau.
Österreich wies niedrigere Preise auf. Auch einige osteuropäische Länder kamen in den Mittagsstunden auf ähnlich tiefe Werte. Der grenzüberschreitende Handel blieb dabei stark wechselhaft – mal lief mehr, mal deutlich weniger über die Leitungen.
Engpässe an den Grenzen, weniger Schweizer Exporte
Reduzierte österreichische Exportkapazitäten in die Schweiz verstärkten den Preiseffekt. Am Donnerstagmittag lagen die Preisdifferenzen bei mehr als 160 EUR/MWh. Auch an der Grenze zu Italien gab es zeitweise starke Einschränkungen. In der zweiten Wochenhälfte stiegen die Kapazitäten nach Deutschland wieder.
Die Schweizer Nettoexporte sanken auf rund 63 GWh, nachdem sie in der Vorwoche noch 98 GWh erreicht hatten. Bei der Regelenergie kam es am Freitag zu einem größeren Ausschlag: Die SRE-Abrufe zogen an, und die Ausgleichsenergiepreise lagen bei über −500 EUR/MWh.
Die Aktivierungskosten der TRE wurden vor allem durch Redispatch-Ereignisse und internationale Abrufe am Donnerstag verursacht. Das klingt nach trockener Tabellenkost, macht sich im Betrieb aber durchaus bemerkbar.
Gas teurer, CO₂ günstiger, Kohle legt zu
Am Terminmarkt stiegen die Gaspreise vor allem für das Frontjahr. Kurzfristige Produkte blieben ungefähr auf dem bisherigen Niveau. Die CO₂-Preise sanken, während die Kohlepreise deutlich zulegten. Das Frontquartal für den kommenden Winter ist nun das erste Quartal 2027.
Die Schweizer Speicherseen verharrten wegen des trockenen Wetters bei rund 74 Prozent. Das entspricht 11 Prozentpunkten beziehungsweise etwa 1 TWh unter dem Normwert. Gleichzeitig füllten sich die europäischen Gasspeicher weiter und verringerten ihren Abstand zur Norm.
Gemäss Transparenzmeldungen wird bei den Schweizer Kernkraftwerken derzeit eine volle Verfügbarkeit bis Ende März erwartet.
Was die ElCom-Marktberichte abdecken
Die Marktberichte informieren über Entwicklungen im Stromgroßhandel in der Schweiz und in den Nachbarländern. Sie behandeln Terminmärkte für Strom ebenso wie die Rohstoffmärkte für Gas, Kohle und CO₂-Zertifikate. Dazu kommen kurzfristige Entwicklungen im Spotmarkt und deren Einflussfaktoren sowie Angaben zu Stromproduktion, Stromverbrauch und Außenhandel.
Für die Versorgungssicherheit wichtig sind außerdem die Speicherstände und die Verfügbarkeiten von Kraftwerken. Ergänzend enthalten die Berichte Daten zu Systemdienstleistungen und Ungleichgewichten in der Regelzone.
Der Marktbericht ersetzt die bisher veröffentlichten Spot- und Terminmarktberichte. Frühere Ausgaben dieser bisherigen Berichte bleiben verfügbar. Für Leserinnen und Leser, die Preisbewegungen nachvollziehen wollen, ist das praktisch – gerade in einer Woche, in der Bewölkung, Trockenheit, Grenzkapazitäten und Kraftwerksdaten gemeinsam am Preisrad drehen.
Quelle: Marktbericht vom 6.10.2026
Weitere Informationen: ElCom-Marktberichte
