Dieselkrise verschärft den Druck auf Europas Baustellen und Lieferketten
Die Dieselkrise bekommt eine neue politische Schärfe. US-Präsident Donald Trump setzt Europa wegen der stark gestiegenen Dieselpreise in den USA unter Druck. In etwa einem Monat stehen in den Vereinigten Staaten Kongresswahlen an, im Wahlkampf verspricht Trump niedrigere Spritpreise.
Nach Angaben des Automobilclubs AAA kostet eine Gallone Diesel – rund 3,8 Liter – derzeit etwa 6,44 US-Dollar, umgerechnet ungefähr 5,68 Euro. Damit ist ein neuer Rekord erreicht. Vor etwa einem Jahr lag der Preis noch bei rund 3,71 US-Dollar je Gallone.
Washington verlangt zusätzliche Lieferungen
US-Finanzminister Scott Bessent forderte europäische Partner am 1. Oktober auf, bestehende Zusagen schneller umzusetzen und sofort zusätzliche Diesel-Lieferungen bereitzustellen. US-Landwirte, Lkw-Fahrer und Unternehmen dürften nicht allein mit den Folgen einer weltweiten Dieselknappheit belastet werden, erklärte Bessent.
Als Auslöser der Krise nennt der Artikel die Blockade der Straße von Hormus durch den Iran. Die Störungen im internationalen Handel haben auch in den USA zu deutlich höheren Dieselpreisen geführt. Bei einer Wahlkampfveranstaltung stellte sich Trump hinter Bessents Forderung und sagte mit Blick auf Europa: „Die haben einigen Diesel.“
Die EU-Kommission will am 2. Oktober mit Vertretern der Mitgliedstaaten über die Lage beraten. Zwischenzeitlich hatte Trump sogar mit einem Exportstopp für US-Diesel gedroht. EU-Handelskommissar Maroš Šefčovič warnte, ein solcher Schritt hätte „dramatische Folgen“ für die europäische Wirtschaftsleistung.
Europa hängt stark an US-Lieferungen
Nach Angaben des Artikels stammt derzeit etwa die Hälfte der europäischen Dieselimporte aus den USA. Fällt diese Quelle weg, könnte das die Dieselpreise in Deutschland weiter nach oben treiben. Für Autofahrer, Speditionen und Betriebe würde die Rechnung an der Tankstelle – oder gleich an mehreren Stellen der Lieferkette – noch schwerer.
Der Druck kommt nicht nur aus der Politik. Die weltweite Dieselversorgung gerät durch sinkende Lagerbestände und blockierte Exporte zunehmend unter Spannung. Kriege im Nahen Osten und in der Ukraine beeinträchtigen wichtige Exportmengen. Diesel wird für Lastwagen, Landmaschinen und Fabriken gebraucht; jeder Engpass erhöht die Betriebskosten und schlägt irgendwann auf Transporte und Warenpreise durch.
Leere Lager, teure Fässer
In den USA überschritten die Dieselpreise an Tankstellen im September erstmals 6 US-Dollar pro Gallone. Bis zum 11. September sanken die US-Dieselbestände auf 107,9 Millionen Barrel – der niedrigste Wert für diesen Zeitraum seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 1982. Transportunternehmen passen ihre Routen an, um zusätzliche Fahrten und Kilometer zu vermeiden. Das klingt nach einem kleinen Stellrad, ist im Alltag aber schnell eine mühsame Rechnerei.
Raffinerien und Händler lassen Verträge für Tanklager auslaufen, weil nicht genügend Diesel zum Einlagern vorhanden ist. Lagerbetreiber melden deshalb ungewöhnlich viele ungenutzte Kapazitäten. Viele Marktteilnehmer verlängern die üblichen Tankmietverträge über sechs oder zwölf Monate nicht, um Fixkosten zu sparen – obwohl leere Tanks in einer Versorgungskrise auf den ersten Blick ziemlich widersinnig wirken.
Auch Europa bleibt nicht außen vor: Im Handelszentrum Amsterdam-Rotterdam-Antwerpen lagen die Dieselbestände zuletzt 16 Prozent unter dem langjährigen Fünfjahresdurchschnitt. In asiatischen Märkten lagen die Vorräte ebenfalls unter dem Vorjahresniveau.
Hohe Margen, aber zu wenig Nachschub
Hohe Raffineriemargen setzen zwar Anreize für eine maximale Produktion. Die Prämie für US-Diesel gegenüber Rohöl stieg Mitte September dennoch auf 118,62 US-Dollar je Barrel – ein Höchststand. Russland verlängerte seine Diesel-Ausfuhrbeschränkungen bis Ende Oktober und verschärft damit den Druck auf den internationalen Markt.
Die US-Energiebehörde EIA erwartet niedrige Diesel- beziehungsweise Destillatbestände bis Ende 2026 und über weite Teile des Jahres 2027. Laut EIA dürften die US-Destillatbestände bis Ende 2026 und während großer Teile des Jahres 2027 unter den jeweiligen Fünfjahrestiefs bleiben.
Solange der Konflikt im Nahen Osten Förder- und Verarbeitungsanlagen beeinträchtigt, bleibt das weltweite Dieselangebot begrenzt. Für Deutschland heißt das am 7. Oktober 2026: Schon ein angekündigter Lieferstopp kann nervös machen – an der Zapfsäule zeigt sich die Nervosität dann oft sehr konkret.
