Für private Haushalte in Deutschland sind Strom und Gas im ersten Halbjahr 2026 günstiger geworden. Eine Kilowattstunde Strom kostete durchschnittlich 37,97 Cent, Erdgas 11,58 Cent. Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 sanken die Strompreise um 6,4 Prozent, die Gaspreise um 5,3 Prozent. Auch im Jahresvergleich ging es nach unten: Strom wurde gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 4,9 Prozent billiger, Gas um 4,5 Prozent.

Das geht aus der Pressemitteilung des Statistischen Bundesamtes vom 30. September 2026 hervor. Für Strom spielten vor allem gesunkene Netzentgelte infolge der Bundesbezuschussung der Netzbetreiber eine Rolle. Beim Erdgas wirkte sich außerdem die Abschaffung der Gasspeicherumlage aus. Für den Geldbeutel ist das erfreulich – an die Preise aus der Zeit vor der Energiekrise reicht die Entlastung aber längst nicht heran.

Weniger Verbrauch, höherer Kilowattstundenpreis

Wie viel tatsächlich auf der Rechnung steht, hängt stark vom Verbrauch ab. Haushalte mit weniger als 1.000 Kilowattstunden Stromverbrauch im Jahr zahlten im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 57,99 Cent je Kilowattstunde. Das waren 2,5 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025. Bei einem Jahresverbrauch von mehr als 15.000 Kilowattstunden lag der Preis dagegen bei 30,55 Cent je Kilowattstunde – ein Rückgang um 6,9 Prozent.

Beim Gas zeigte sich ein ähnliches Bild. Für weniger als 20 Gigajoule Jahresverbrauch wurden 15,17 Cent je Kilowattstunde berechnet, 6,1 Prozent weniger als zuvor. Wer mehr als 200 Gigajoule verbrauchte, zahlte 10,92 Cent je Kilowattstunde; hier betrug der Rückgang 3,5 Prozent. Kleine Verbrauchsmengen sind also pro Kilowattstunde deutlich teurer. Das fühlt sich auf der Abrechnung schnell ziemlich happig an.

Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 lagen die Haushaltsstrompreise dennoch um 16,4 Prozent höher, bei Erdgas sogar um 80,7 Prozent. Die Bundesnetzagentur teilte zudem mit, dass der Iran-Krieg bislang keine unmittelbaren Auswirkungen auf die Strom- und Gaspreise für Haushalte hatte. Die Strompreise seien seit mehr als zweieinhalb Jahren stabil gewesen, nach einem Rückgang aber Anfang 2026 wieder gestiegen. Kundinnen und Kunden mit Festverträgen blieben von kurzfristigen Preisspitzen verschont.

Tarife für Neukunden und Pläne der Versorger

Für Neukunden lag der günstigste Stromtarif laut Verivox zuletzt im Sieben-Tage-Mittel bei 30,9 Cent je Kilowattstunde. Grundlage war eine Musterfamilie mit 4.000 Kilowattstunden Jahresverbrauch. In die Auswertung kamen Verträge außerhalb der Grundversorgung mit einer Preisgarantie von zwölf Monaten.

Für die Heizperiode 2026/2027 rechnen viele kommunale Versorger allerdings mit höheren Tarifen. Eine VKU-Umfrage unter 225 Stadtwerken, durchgeführt von Anfang August bis Anfang September, ergab beim Strom ein geteiltes Bild: 49 Prozent der Stadtwerke planten Erhöhungen, 45 Prozent stabile Preise und 6 Prozent Senkungen. Beim Gas wollten 65 Prozent die Preise anheben, bei der Fernwärme 54 Prozent.

Als Gründe nannten die Versorger höhere Netzentgelte, gestiegene Großhandelspreise und bürokratische Vorgaben. Fernwärme spielt im Wohnungsbau eine nicht ganz kleine Rolle: Rund ein Viertel der Wohnungsneubauten in Deutschland wird damit versorgt. Der Fernwärmepreis lag 2024 bei rund 142 Euro je Megawattstunde, nach einem historischen Höchststand von rund 147 Euro im Vorjahr. Anfang 2026 sank der Verbraucherpreisindex für Fernwärme leicht – die nächste Tarifrunde steht trotzdem vor der Tür.

Unternehmen zahlen andere Preise

Auch Unternehmen und Behörden wurden von Destatis betrachtet. Für Nicht-Haushalte kostete Erdgas im Durchschnitt 6,29 Cent je Kilowattstunde, jeweils ohne Mehrwertsteuer und andere abzugsfähige Steuern. Das waren 1,8 Prozent mehr als im zweiten Halbjahr 2025, zugleich aber 6,8 Prozent weniger als im ersten Halbjahr 2025. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2021 lagen die Gaspreise für diese Gruppe um 106,2 Prozent höher.

Bei einem Jahresverbrauch zwischen 1.000 und 10.000 Gigajoule kostete Erdgas 8,11 Cent je Kilowattstunde. Das entspricht einem Rückgang von 5,7 Prozent gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025, 5,6 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 und dennoch einem Plus von 100,2 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2021. Großverbraucher mit mehr als 4 Millionen Gigajoule zahlten 4,61 Cent je Kilowattstunde: 2,0 Prozent mehr als im Halbjahr zuvor, 13,0 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und 83,7 Prozent mehr als 2021.

Destatis beobachtete bei Nicht-Haushalten bereits erste Auswirkungen der Krise in der Meerenge von Hormus. Beim Strom lag der vorläufige Durchschnittspreis für Unternehmen und Behörden bei 17,64 Cent je Kilowattstunde, ohne Mehrwertsteuer und andere abzugsfähige Steuern. Gegenüber dem zweiten Halbjahr 2025 sank er um 8,3 Prozent, gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 um 8,7 Prozent. Im Vergleich zum ersten Halbjahr 2021 blieb ein Plus von 18,4 Prozent.

Für Abnehmer mit 20 bis 500 Megawattstunden Jahresverbrauch wurden 23,66 Cent je Kilowattstunde ausgewiesen. Das waren 9,6 Prozent weniger als im zweiten Halbjahr 2025, aber 15,8 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2021. Großverbraucher mit mehr als 150.000 Megawattstunden zahlten 12,67 Cent je Kilowattstunde – 3,1 Prozent weniger als zuvor, aber 43,7 Prozent mehr als 2021.

Der geplante Industriestrompreis war in der Erhebung noch nicht berücksichtigt. Deshalb sind die Strompreise für Nicht-Haushalte vorläufig. Anträge auf die Entlastung können voraussichtlich von Ende 2026 bis Juli 2027 beim Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle gestellt werden. Sobald die gesamte Entlastung feststeht, sollen die durchschnittlichen Strompreise für Nicht-Haushalte revidiert werden.

Hormus, Heizöl und der Blick auf den Weltmarkt

Seit Beginn des Krieges zwischen den USA, Israel und Iran Ende Februar 2026 stehen die deutschen Energiepreise wieder stärker unter Druck. Durch die Schließung der Straße von Hormus, über die etwa 20 Prozent des weltweiten Rohölhandels laufen, stieg der Brent-Ölpreis im März 2026 im Durchschnitt auf rund 103 US-Dollar je Barrel. Zeitweise wurden knapp 120 US-Dollar erreicht. Der Dieselpreis kletterte 2026 auf rund 185,91 Cent je Liter, und auch Heizöl verteuerte sich nach einer zwischenzeitlichen Erholung vom Krisenhoch 2022 wieder.

Flüssiggas, das über den Persischen Golf transportiert wird, war ebenfalls von Versorgungsunterbrechungen und Preissteigerungen betroffen. An deutschen Tankstellen kostete Superbenzin im März 2026 durchschnittlich rund 188,9 Cent je Liter. Hauptursache waren die höheren Rohölpreise infolge des Iran-Konflikts. Holzpellets verteuerten sich 2025 auf rund 343 Euro je Tonne, blieben damit aber deutlich unter dem Krisenrekord von mehr als 519 Euro je Tonne aus dem Jahr 2022.

Beim Haushaltsstrom hatte sich die Lage zuletzt moderat entspannt. Im Grundversorgungstarif kostete die Kilowattstunde im April 2025 rund 44,93 Cent; 2023 waren zeitweise fast 48 Cent erreicht worden. Im EU-Vergleich lag Deutschland bei den Haushaltsstrompreisen auf Platz zwei hinter Irland. Neben den Beschaffungskosten treiben vor allem Netzentgelte und Steuern den Endpreis. Anfang 2026 wurden die Netzentgelte durch einen milliardenschweren Zuschuss aus dem Klima- und Transformationsfonds gesenkt.

Auch Gas wurde wieder etwas günstiger, blieb aber auf hohem Niveau: In der Grundversorgung lagen die Preise im April 2025 bei rund 13,57 Cent je Kilowattstunde. 2023 war der Gaspreis auf mehr als 16 Cent gestiegen. Bei Gewerbe- und Industriegas verlief die Entwicklung 2025 unterschiedlich: Für Gewerbekunden sanken die Preise, für Industriekunden stiegen sie. Komischerweise