Am 7. Oktober 2026 zeigt sich im europäischen Getränkeregal ein leiser, aber deutlicher Umbruch. In Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien und dem Vereinigten Königreich stieg der Getränkeumsatz von Juni 2025 bis Juni 2026 um 2,9 Prozent auf rund 180 Milliarden Euro. Der Zuwachs kam dabei vor allem von alkoholfreien sowie alkoholreduzierten Alternativen.

Für alkoholische Getränke gaben die Konsumenten 0,8 Prozent weniger aus. Der Absatz alkoholreduzierter oder alkoholfreier Alternativen legte dagegen um 7,3 Prozent zu. Wein verlor im Lebensmitteleinzelhandel 1,5 Prozent, Bier 0,9 Prozent, Cider 1,2 Prozent und Spirituosen 2,2 Prozent. Das ist kein kleiner Kratzer in der Statistik, sondern eine Veränderung, die man im Einkaufswagen inzwischen ziemlich gut erkennt.

Wasser, Kaffee und Drinks ohne Alkohol

Sportgetränke, Energy-Drinks und Joghurtgetränke trugen dazu bei, dass der Umsatz mit alkoholfreien Getränken um 5,4 Prozent auf 109 Milliarden Euro kletterte. Auch einzelne Segmente wuchsen trotz höherer Preise: Joghurtgetränke kamen bei den Mengen auf plus 12,3 Prozent, trinkfertige Spirituosen auf plus 12,9 Prozent. Stilles Wasser und pflanzliche Getränke legten jeweils um 5,2 Prozent zu.

In der Verbraucherumfrage nannten 44 Prozent Flaschenwasser als gekauftes Getränk, 31 Prozent Säfte und Smoothies sowie 29 Prozent Tee und Kaffee. 43 Prozent erklärten, ihren Alkoholkonsum reduziert zu haben – durch geringere Käufe, aufgeschobene Einkäufe oder vollständigen Verzicht. Bei den 25- bis 39-Jährigen waren es sogar 50 Prozent. Nur 15 Prozent kauften mehr alkoholische Getränke.

Selbst Sonderangebote brachten den Alkoholmarkt nicht zurück auf die alte Spur. Bier machte 41 Prozent der Verkäufe im Aktionszeitraum aus, alkoholische Getränke insgesamt 37 Prozent, während alle Getränke zusammen auf 25 Prozent kamen. Laut Circana ist Alkohol seit der Pandemie weniger beliebt; jüngere Verbraucher trinken weniger als frühere Generationen. Als Gründe werden veränderte Konsumgewohnheiten und eine stärkere Orientierung an einem gesünderen Lebensstil genannt.

Deutschland kauft weniger Menge

Der Umsatzanstieg darf allerdings nicht mit einem kräftigen Mehrkonsum verwechselt werden. Die verkauften Getränkemengen stiegen insgesamt nur um 0,5 Prozent, die Durchschnittspreise hingegen um 2,3 Prozent. Der größere Teil des Umsatzplus entstand also an der Kasse. Im zweiten Quartal 2026 drehte sich das Bild etwas: Die Durchschnittspreise sanken um 0,2 Prozent, während die Mengen um 1,6 Prozent zunahmen.

Beim Blick auf die Länder fällt Deutschland aus dem Rahmen. Die Mengen gingen um 2,7 Prozent zurück, gleichzeitig stiegen die Preise um 4 Prozent. Deutschland war damit das einzige der betrachteten Länder mit rückläufigen Getränkemengen. Im Vereinigten Königreich kletterten die Ausgaben um 3,2 Prozent auf 54 Milliarden Euro. Das entsprach 30 Prozent der Gesamtausgaben, aber nur 19 Prozent der verkauften Mengen.

Italien verzeichnete bei den Ausgaben ein Plus von 2,9 Prozent, während die Mengen unverändert blieben. In den Niederlanden stiegen die Ausgaben um 2 Prozent, ebenfalls ohne Mengenwachstum. Spanien meldete ein Preisplus von 2,4 Prozent und ein Mengenplus von 2,6 Prozent. Frankreich kam bei den Mengen auf plus 3,3 Prozent, bei den Preisen aber nur auf plus 0,4 Prozent.

Handelsmarken haben ihren Anteil am Getränkemarkt auf 35 Prozent der Ausgaben ausgebaut. Zuwächse gab es unter anderem bei Kaffee, Wein, Champagner und milchbasierten Getränken. Im Regal verschieben sich damit nicht nur die Alkoholanteile, sondern auch die Machtverhältnisse zwischen Marken und Eigenmarken – eine Entwicklung, die beim täglichen Einkauf schnell untergeht.

Ein Wandel, der tiefer reicht

Aktuelle Circana-Daten, vorgestellt beim ersten Beverage Forum Europe in London, beschreiben den Trend als langfristigen Wandel des europäischen Getränkemarkts. In einer Analyse von August 2025 erklärten 71 Prozent der europäischen Verbraucher, weniger Alkohol zu kaufen, zu lagern oder zu konsumieren. Fast jeder vierte Verbraucher im Alter von 25 bis 35 Jahren hatte den Alkoholkonsum vollständig eingestellt.

Diese Auswertung beziffert den europäischen Getränkemarkt auf 166 Milliarden Euro. Er entspricht knapp 23 Prozent der FMCG-Gesamtnachfrage in Frankreich, Deutschland, Italien, den Niederlanden, Spanien und Großbritannien. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Gesamtmarktwert um 2,1 Prozent, das Absatzvolumen um 0,6 Prozent.

Alkoholische Getränke kamen dabei auf 68 Milliarden Euro Umsatz, ein Rückgang von 1,8 Prozent. Alkoholfreie Getränke wuchsen um 5,1 Prozent auf 97 Milliarden Euro. Alkoholfreie und alkoholarme Produkte machen inzwischen fast 60 Prozent des Umsatzes der Getränkekategorie aus.

Warum greifen die Leute danach? 55 Prozent empfinden alkoholfreie Getränke als erfrischender. Für 27 Prozent sind pflanzliche Zutaten und ein besserer Geschmack Gründe, sie als gesünder zu betrachten; 22 Prozent nennen sie insgesamt gesünder. Weitere 21 Prozent sagen, die Getränke passten besser zum eigenen Lebensstil. Gesundheitsbewusstsein, funktionale Vorteile und persönliche Identität spielen laut Circana zusammen.

Auch die Anlässe verändern sich. Getränke sollen beim Sport funktionieren, unterwegs unkompliziert sein, zum Essen passen oder einfach den Feierabend markieren, ohne dass am nächsten Morgen der Kopf brummt. Das Innovationstempo bei alkoholfreien Getränken liegt laut Studie über dem der alkoholischen Getränke. Nachhaltigkeit wird dabei als Wachstumstreiber und Geschäftschance beschrieben; alkoholfreie Marken verbinden umweltbewusste Praktiken mit ihrer Markenidentität.

Für die Spirituosenindustrie bedeutet das Anpassungsbedarf bei Produktdesign, Preisgestaltung, Vertrieb und Kundenbindung. Der Markt läuft weiter – nur die Flaschen im Einkaufswagen sehen zunehmend anders aus.

Quellen: Vinetur und WineNews.