USA oder Deutschland: Wo Wohnen und Alltag wirklich weniger kosten
Wer in den USA einkauft, kann beim Blick auf den Kassenbon ordentlich schlucken. Vivien und ihr Mann wanderten 2022 nach Alabama aus und bauten sich dort ein neues Leben auf. Nach knapp fünf Jahren kehrten sie nach Deutschland zurück. Als der Artikel erschien, waren sie seit etwa zwei Wochen wieder hier.
Die hohen Supermarktpreise in den Vereinigten Staaten, sagt Vivien, werde sie jedenfalls nicht vermissen. Beim Einkauf in Deutschland staunte sie über Dinge, die hier fast nebensächlich wirken: Toilettenpapier kostete etwa 3 Euro, eine große Packung 4,85 Euro. In den USA hatten sie dafür nach ihrer Aussage 17 bis 20 US-Dollar bezahlt. Ein großes Glas Nutella schlug dort mit 15 US-Dollar zu Buche, während es in Deutschland etwa 5 Euro kostete. „Paradies“ nannte Vivien Deutschland deshalb – trotz gestiegener Preise – im Vergleich zu den USA.
Beim Einkauf zählt nicht nur das Gehalt
Als Gründe für die höheren US-Preise werden seit der Pandemie gestiegene Transport- und Rohstoffkosten sowie Importzölle genannt. Laut ETIAS liegen die Preise in den USA ungefähr 25 bis 33 Prozent über dem deutschen Niveau. Auch Follower bestätigten die Unterschiede. Einer berichtete, Deutschland sei weiterhin deutlich günstiger als Kalifornien.
In den Kommentaren kam allerdings auch der Einwand, dass die Einkommen in den USA höher seien. Laut Western Union liegt das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommen in den USA bei etwa 4.320 US-Dollar, in Deutschland bei rund 3.504 US-Dollar. Wegen höherer Wohn- und anderer Lebenshaltungskosten bleibt in den Vereinigten Staaten trotzdem nicht zwangsläufig mehr Geld übrig.
Ein weiterer Vergleich, der sich auf Berlin und New York bezieht, kommt auf ein durchschnittliches Monatsgehalt nach Steuern von 3.022 Euro in Deutschland und 4.593 Euro in den USA. Das deutsche Durchschnittsgehalt liegt demnach 34,2 Prozent unter dem US-amerikanischen; das US-Gehalt ist etwa 1,52-mal höher.
Bei Lebensmitteln fällt der Abstand oft deutlicher aus. Deutschland ist laut diesem Vergleich durchschnittlich 1,57-mal günstiger. Äpfel kosten hier 2,91 Euro je Kilogramm, in den USA 6,61 Euro – Deutschland liegt damit 56 Prozent niedriger. Bananen werden mit 1,79 gegenüber 2,25 Euro je Kilogramm angegeben, Eier mit 3,46 gegenüber 6,42 Euro pro zwölf Stück. Beim Mittelklassewein stehen 6 Euro gegen 16,07 Euro, beim Hühnerfilet 10,16 gegen 14,35 Euro je Kilogramm.
- Importiertes Bier: 1,59 Euro gegenüber 3,40 Euro; Deutschland ist 53,2 Prozent günstiger.
- Inländisches Bier: 1 Euro gegenüber 2,98 Euro; Deutschland ist 66,4 Prozent günstiger.
- Johnnie Walker Red Label: 12,42 Euro gegenüber 22,31 Euro; Deutschland ist 44,3 Prozent günstiger.
- Kartoffeln: 1,74 Euro gegenüber 3,34 Euro je Kilogramm; Deutschland ist 47,9 Prozent günstiger.
- Lokaler Käse: 12,65 Euro gegenüber 15,32 Euro je Kilogramm; Deutschland ist 17,4 Prozent günstiger.
- Kopfsalat: 1,40 Euro gegenüber 2,62 Euro; Deutschland ist 46,6 Prozent günstiger.
- Weißbrot: 1,78 Euro gegenüber 4,47 Euro pro 0,5 Kilogramm; Deutschland ist 60,2 Prozent günstiger.
- Milch: 1,15 Euro gegenüber 1,42 Euro je Liter; Deutschland ist 19 Prozent günstiger.
- Orangen: 2,26 Euro gegenüber 5,11 Euro je Kilogramm; Deutschland ist 55,8 Prozent günstiger.
- Marlboro-Zigaretten: 8,70 Euro gegenüber 16,96 Euro pro Packung; Deutschland ist 48,7 Prozent günstiger.
- Rindfleisch: 16,43 Euro gegenüber 17,80 Euro je Kilogramm; Deutschland ist 7,7 Prozent günstiger.
- Smirnoff Red Label: Deutschland 13,48 Euro, USA 8,02 Euro; in den USA ist das Produkt 40,5 Prozent günstiger.
- Tomaten: 3,32 Euro gegenüber 5,69 Euro je Kilogramm; Deutschland ist 41,7 Prozent günstiger.
- Wasser: 0,93 Euro gegenüber 2,22 Euro pro 1,5 Liter; Deutschland ist 58,1 Prozent günstiger.
- Weißer Reis: 2,78 Euro gegenüber 7,38 Euro je Kilogramm; Deutschland ist 62,3 Prozent günstiger.
- Zwiebeln: 1,47 Euro gegenüber 3,58 Euro je Kilogramm; Deutschland ist 58,9 Prozent günstiger.
Auch im Restaurant zeigt sich ein gemischtes Bild. Restaurantbesuche sind in Deutschland durchschnittlich 1,63-mal günstiger. Ein Cappuccino kostet 3,86 Euro statt 5,23 Euro, ein Drei-Gänge-Menü für zwei Personen 70 statt 124,97 Euro. Die Mahlzeit im preiswerten Restaurant wird mit 15 gegenüber 23,21 Euro angesetzt. Importiertes Bier kostet 4 statt 10,71 Euro, inländisches Bier 4,50 statt 7,14 Euro.
Ein paar Ausnahmen gibt es: Coca-Cola oder Pepsi werden mit 3,02 Euro in Deutschland und 2,95 Euro in den USA angegeben. Ein McMeal kostet hier 11,99 Euro, dort 10,71 Euro. Wasser im Restaurant liegt bei 2,59 gegenüber 2,28 Euro – in den USA ist es 12 Prozent günstiger.
Wohnen macht den Unterschied
Beim Tanken dreht sich das Preisbild um. Kraftstoffe sind in Deutschland laut Vergleich durchschnittlich 2,02-mal teurer. Benzin kostet 1,76 Euro je Liter, in den USA 0,83 Euro; dort ist es 52,8 Prozent günstiger. Diesel wird mit 1,69 gegenüber 0,88 Euro angegeben und ist in den USA 47,9 Prozent günstiger. Für Autogas nennt der Vergleich in Deutschland 1,10 Euro je Liter, einen US-Preis gibt es dort nicht.
Bei den Verkehrskosten wird es knifflig: Eine einfache Nahverkehrsfahrt kostet in Deutschland 3,50 Euro und in den USA 2,59 Euro, also 26 Prozent weniger. Die Monatskarte ist hier mit 59 gegenüber 117,83 Euro deutlich günstiger. Eine Stunde Taxiwarten kostet 36,75 gegenüber 37,49 Euro, während der Kilometer im Taxi in Deutschland 2,30 und in den USA 1,94 Euro kostet. Die Taxi-Grundgebühr liegt bei 5 beziehungsweise 4,45 Euro.
Transportkosten sind im Vergleich durchschnittlich 1,54-mal niedriger in Deutschland. Bei Sport und Unterhaltung geht die Schere ebenfalls weit auseinander: Das Fitnessstudio kostet monatlich 33,13 statt 140,83 Euro – Deutschland ist 76,5 Prozent günstiger. Die Kinokarte wird mit 12,75 gegenüber 17,85 Euro angegeben, der Tennisplatz am Wochenende mit 24,42 gegenüber 58,02 Euro pro Stunde.
Richtig schwer wiegt der Wohnungsmarkt. Wohnungsmieten sind in Deutschland laut Vergleich etwa 2,87-mal niedriger. Eine Einzimmerwohnung außerhalb des Zentrums kostet 938,38 Euro gegenüber 2.270 Euro, eine Dreizimmerwohnung 1.689 gegenüber 4.665 Euro. Im Zentrum stehen 1.256 gegenüber 3.622 Euro für eine Einzimmerwohnung und 2.363 gegenüber 7.339 Euro für eine Dreizimmerwohnung. Die deutschen Preise liegen damit je nach Wohnung zwischen 58,7 und 67,8 Prozent niedriger.
Ähnlich beim Kauf: Wohnungskaufpreise sind in Deutschland etwa 2,08-mal niedriger. Der Quadratmeter außerhalb des Zentrums kostet 5.287 statt 10.869 Euro, im Zentrum 7.365 statt 15.492 Euro. Das entspricht einem deutschen Preisvorteil von 51,4 beziehungsweise 52,5 Prozent.
Bei Hotels ist der Abstand kleiner, aber noch sichtbar. Für eine Übernachtung von zwei Personen werden bei einem Stern 88 Euro in Deutschland und 92,60 Euro in den USA genannt. Bei zwei Sternen sind es 86,50 gegenüber 131 Euro, bei drei Sternen 100 gegenüber 174 Euro, bei vier Sternen 118 gegenüber 225 Euro und bei fünf Sternen 384 gegenüber 536 Euro.
Die Hoteldaten stammen von Expedia, wurden am 15. Dezember 2024 aktualisiert und beziehen sich auf eine Nacht für zwei Personen am 29. Dezember 2024. Die Stichprobe umfasste 20 Städte und 588 Hotels in Deutschland sowie 20 Städte und 3.762 Hotels in den USA.
Deutschland ist teurer geworden – nur eben nicht überall gleich
Auch in Deutschland fühlt sich der Einkauf längst nicht mehr so leicht an wie früher. Die Inflation lag bei 6,9 Prozent im Jahr 2022, bei 5,9 Prozent 2023 und jeweils 2,2 Prozent 2024 und 2025. Im März 2026 stieg die Inflationsrate von 1,9 auf 2,7 Prozent.
Lebensmittel verteuerten sich von Januar 2020 bis Juni 2025 um 36,3 Prozent. Die Verbraucherpreise insgesamt stiegen im selben Zeitraum um rund 22 Prozent. Anfang 2026 lag der Anstieg der Lebensmittelpreise bei 2,1 Prozent im Januar, 1,1 Prozent im Februar und 0,9 Prozent im März.
Beim Wohnen und Bauen bleibt der Blick auf die Nebenkosten unangenehm. Energiepreise lagen im März 2026 um 7,2 Prozent über dem Vorjahreswert. Gas kostete im ersten Halbjahr 2026 durchschnittlich 11,58 Cent je Kilowattstunde und damit 80,7 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2021. Strom kostete 37,97 Cent je Kilowattstunde.
Am Ende wird im Artikel noch der Einkauf einer US-Amerikanerin bei Edeka für 79 Euro erwähnt. Ein Detail hatte sie dabei allerdings nicht berücksichtigt.
Der größere Rahmen
Die Vergleichsdaten von Trek.zone beziehen sich auf Berlin und New York und umfassen Lebensmittel, Restaurants, Kraftstoffe, Verkehr, Freizeit, Wohnen, Gehälter und Hotels. Für Bauherren und Mieter ist vor allem der Wohnkostenunterschied ein Brocken, der nicht einfach vom höheren US-Gehalt verschluckt wird.
Auch die amtlichen Vergleichsdaten von Destatis zeichnen ein breiteres Bild. 2025 lebten in den USA 342 Millionen Menschen, in Deutschland 83 Millionen. Das entsprach 4,2 Prozent beziehungsweise 1,0 Prozent der Weltbevölkerung. Das jährliche Bevölkerungswachstum lag in den USA bei 0,5 Prozent, in Deutschland bei 0,0 Prozent. Für 2050 werden 381 Millionen Einwohner in den USA und 78 Millionen in Deutschland prognostiziert.
Die Geburtenziffer lag 2024 in den USA bei 1,6 Kindern je Frau, in Deutschland bei 1,4. Der Anteil der Bevölkerung ab 65 Jahren betrug 2025 in den USA 18,4 Prozent und in Deutschland 19,2 Prozent. Die Lebenserwartung bei Geburt lag 2024 bei 79 Jahren in den USA und 81 Jahren in Deutschland. Als Quellen nennt Destatis die Weltbank WDI sowie UN DESA WPP; Stand der Angaben ist September 2026.
Bei den öffentlichen Finanzen weist der Vergleich für 2024 ein Staatsdefizit von 4,4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in den USA und 1,9 Prozent in Deutschland aus. Der Bruttoschuldenstand des Staates lag bei 122,3 beziehungsweise 62,2 Prozent des BIP. Für 2025 werden Inflationsraten von 2,9 Prozent in den USA und 2,2 Prozent in Deutschland genannt. Teilweise handelt es sich um Schätzungen, der Stand ist Oktober 2026; als Quellen dienen IWF-WEO und Weltbank WDI.
Beim Klima bleibt der Abstand ebenfalls groß: Die USA verursachten 2024 11,7 Prozent der weltweiten CO₂-Emissionen aus fossilen Brennstoffen, Deutschland 1,5 Prozent. Pro Einwohner waren es 13,6 Tonnen in den USA und 7,0 Tonnen in Deutschland. Gegenüber 1990 sanken die Emissionen in den USA um 7,1 Prozent, in Deutschland um 42,7 Prozent. Im Verhältnis zum BIP entfielen 180 Kilogramm je 1.000 internationale US-Dollar auf die USA und 111 Kilogramm auf Deutschland. Quelle ist der „GHG emissions of all world countries – 2025 Report“ von EDGAR/JRC, Stand September 2025.
