Seit Mitternacht gilt heute, am 1. Oktober 2026, der zweite Tankrabatt des Jahres. Die Energiesteuer auf Benzin und Diesel sinkt bis Ende Dezember um 14 Cent je Liter. Einschließlich Umsatzsteuer ergibt sich eine Entlastung von rund 17 Cent. Für Verbraucherinnen, Verbraucher und Unternehmen stehen damit insgesamt etwa 2,5 Milliarden Euro im Raum.

Die ersten Preise liegen nach Angaben von ZDFheute am ersten Tag deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen sieben Tage. Wer heute an der Zapfsäule steht, merkt den Unterschied womöglich sofort – trotzdem bleibt offen, wie viel von der Entlastung tatsächlich weitergereicht wird. Tankstellen sind nicht verpflichtet, die Steuerersparnis vollständig an ihre Kundschaft weiterzugeben.

Was an der Zapfsäule ankommt

Eine Live-Grafik von ZDFheute zeigt die bundesweiten Preise für Benzin und Diesel und wird alle paar Minuten aktualisiert. Für jede Kraftstoffsorte ist außerdem der durchschnittliche Tagespreis der sieben Tage vor Einführung des Rabatts angegeben. Eine weitere Grafik verfolgt die Entwicklung der bundesweiten Durchschnittspreise in den vergangenen Monaten und seit Beginn des Iran-Kriegs. Über Schaltflächen lässt sich die Preisentwicklung seit Anfang 2026 aufrufen und mit den aktuellen Literpreisen vergleichen.

Ein vergleichbarer Tankrabatt hatte bereits von Anfang Mai bis Ende Juni 2026 gegolten. Beschlossen worden war er am 12. April 2026; der Bund zahlte dafür 1,6 Milliarden Euro. Kurz nach Mitternacht sanken die Preise damals deutlich. Das Ifo-Institut, die Monopolkommission und das Bundeskartellamt kamen laut ZDFheute allerdings zu dem Schluss, dass die erste Entlastung nicht vollständig bei den Autofahrenden ankam. Die Mineralölwirtschaft widerspricht dieser Einschätzung. Nach Angaben von Monopolkommission und Bundeskartellamt kam die frühere Energiesteuersenkung hingegen weitgehend bei den Verbrauchern an und dämpfte Preisspitzen.

Die tatsächlichen Preise hängen weiterhin von Rohölpreisen, Transportkosten, regionalen Unterschieden sowie den Entscheidungen der Mineralölkonzerne und Tankstellenbetreiber ab. Seit Beginn des Iran-Kriegs Ende Februar 2026 ist Brent-Rohöl deutlich teurer geworden und lag wiederholt über 100 US-Dollar je Barrel. Ein Barrel entspricht etwa 159 Litern Rohöl. Das schlägt, mit Verzögerung und je nach Anbieter, auf den Literpreis durch.

Die 12-Uhr-Regel und ihre Tücken

Seit dem 1. April dürfen Tankstellen ihre Preise nur noch einmal täglich erhöhen – um 12 Uhr. Senkungen bleiben jederzeit möglich. Zuvor änderten Tankstellen ihre Preise durchschnittlich bis zu 22-mal täglich. Verstöße können mit Bußgeldern von bis zu 100.000 Euro geahndet werden. Nach einem Jahr will die Bundesregierung über die praktische Wirksamkeit der Regel berichten.

In der ZDFheute-Grafik können Preissteigerungen trotzdem außerhalb von 12 Uhr auftauchen. Der Grund: Sie bildet den Durchschnitt aller geöffneten Tankstellen ab. Schließen nachts günstigere Stationen, bleibt ein größerer Anteil teurer Tankstellen übrig – und der Durchschnitt steigt, obwohl keine einzelne Station außerhalb der erlaubten Zeit erhöht haben muss. Ein kleiner statistischer Haken, der an der Zapfsäule freilich wenig tröstet.

Die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe im Bundeskartellamt überwacht die Preisdaten von rund 15.000 Tankstellen. Betreiber müssen Preise für Diesel, Super E5 und Super E10 sofort beziehungsweise Preisänderungen innerhalb von fünf Minuten melden. Die Daten gehen unter anderem an zugelassene Preis-Apps, Serviceportale und Vergleichsportale. ZDFheute fasst die gemeldeten Werte zusammen und zeigt den jeweiligen mittleren Preis.

Die Markttransparenzstelle wertet die Daten auch zur Einhaltung der 12-Uhr-Regel aus und meldet Verstöße an die zuständigen Landesbehörden. Nach Angaben des Bundeskartellamts vom 4. August war die Zahl der Abweichungen weiterhin hoch. Als zuständig bekannt sind Landesbehörden aus Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Bremen, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, dem Saarland, Sachsen, Schleswig-Holstein und Thüringen; mit den übrigen Ländern steht das Bundeskartellamt in Kontakt.

Preisdeckel für 2027 angekündigt

Spätestens am 1. Januar 2027 soll zusätzlich ein Spritpreisdeckel eingeführt werden. Der Bund will darüber mit der Mineralölwirtschaft verhandeln; als Vorbilder gelten Luxemburg und Belgien. Vorgesehen ist ein Höchstpreis für Benzin und Diesel, der sich unter anderem an der Ölpreisentwicklung, den Transport- und Vertriebskosten sowie der Händlermarge orientiert. Der Deckel soll die Versorgungssicherheit gewährleisten und missbräuchliche Preisaufschläge verhindern.

Die SPD fordert den Preisdeckel seit längerem, Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hatte sich dagegen ausgesprochen. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) bezeichnete die Entlastung angesichts angespannter Haushalte als erheblich und als Unterstützung für Menschen, die auf ihr Auto angewiesen sind. Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) erklärte, die hohen Preisaufschläge an Tankstellen sollten beendet werden. Die Bundesregierung prüft außerdem, wie zusätzliche Gewinne der Mineralölkonzerne an die Bürger zurückgegeben werden können; eine Übergewinnsteuer ist im Gespräch.

Vor der Einigung hatten Merz und Vertreter SPD- sowie CDU-geführter Länder verhandelt. Der niedersächsische Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) sagte, die Preise sollten kurzfristig sinken und durch einen Spritpreisdeckel weiter entlastet werden. Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) betonte, dass die Energiesteuersenkung auch mittelständische Unternehmen entlaste. Die Länder sollen sich mit 1,25 Milliarden Euro über einen Umsatzsteuerfestbetrag beteiligen.

Bei allen weiteren Schritten soll die Versorgungssicherheit besonders berücksichtigt werden. Die Bundesregierung unterstützt Gespräche auf EU-Ebene über mögliche Maßnahmen gegenüber der Mineralölwirtschaft nach dem Vorbild des EU-Energiekrisenbeitrags von 2022 – ebenfalls mit Blick auf eine mögliche Übergewinnsteuer. Falls sich die Lage nicht entspannt, behält sich die Bundesregierung weitere Maßnahmen vor.

Mehr Kontrolle, weitere Entlastungen

Das Kartellrecht wurde 2026 bereits verschärft. Das Bundeskartellamt hat Verfahren gegen alle Raffineriebetreiber in Deutschland eingeleitet. Bei Verdacht auf missbräuchlich überhöhte Kraftstoffpreise müssen Unternehmen Preiserhöhungen künftig begründen. Die verschärfte Missbrauchsaufsicht soll vor allem überhöhte Preise gegenüber freien Tankstellen verhindern und strukturelle Wettbewerbsstörungen schneller beheben. Kontrollen können Preisdämpfungen unterstützen, führen aber nicht unmittelbar zu niedrigeren Preisen.

Mit der 12. Novelle des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen sollen künftig auch Preiserhöhungen bei Super Plus gemeldet werden. Raffinerien und Kraftstoffgroßhandel sollen zusätzliche Daten an die Markttransparenzstelle übermitteln. So soll besser geprüft werden können, ob sinkende Rohstoffpreise zeitnah bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern ankommen.

Für Anfang 2027 sind weitere gezielte Entlastungen für besonders betroffene Menschen und Unternehmen vorgesehen. Der Bund schafft die Voraussetzungen für einen einkommensbezogenen Direktauszahlungsmechanismus. Die Regierungskoalition plant zum 1. Januar 2027 außerdem eine Einkommensteuerreform zur dauerhaften Entlastung kleinerer und mittlerer Einkommen.

Wie groß der Druck derzeit ist, zeigen die von der Tagesschau genannten ADAC-Werte: Diesel kostete am Donnerstag bundesweit im Tagesdurchschnitt 2,471 Euro pro Liter – knapp zwei Cent mehr als am Vortag. Super E10 verbilligte sich nach mehreren Rekordpreisen leicht auf 2,308 Euro pro Liter. An vielen Tankstellen riecht es also weiterhin nach Benzin, warmem Asphalt und ziemlich viel Rechenarbeit im Portemonnaie.