Baugewerbe hält Beschäftigung stabil – Aufbruch bleibt aus
Die Konjunkturbelebung in Deutschland kommt bislang nur langsam am Arbeitsmarkt an. Für die Bauwirtschaft heißt das: kein dramatischer Einbruch, aber auch kein kräftiger Schub. Das ifo-Beschäftigungsbarometer hat sich leicht stabilisiert.
Im September 2026 stieg der Wert auf 95,1 Punkte. Im August hatte er bei 94,8 Punkten gelegen. Unternehmen planen damit, etwas weniger Stellen abzubauen als bisher – eine kleine Bewegung, mehr nicht. Eine deutliche Erholung sei noch nicht erkennbar, sagt Klaus Wohlrabe, Leiter der ifo-Umfragen.
Industrie und Handel bleiben unter Druck
Für die Erhebung wurden Tausende Unternehmen aus Industrie, Dienstleistungssektor, Handel und Bauwirtschaft befragt. In der Industrie und im Handel werden weiterhin Stellen abgebaut. Die Mehrheit der Industrieunternehmen plant nach wie vor mit weniger Personal.
Etwas Bewegung gibt es dennoch: Neueinstellungen sind vor allem in der Nahrungsmittelindustrie sowie bei Herstellern von Datenverarbeitungsgeräten und elektronischen beziehungsweise optischen Erzeugnissen vorgesehen. In der übrigen Industrie verlangsamte sich der Stellenabbau, fast alle Branchen bauen jedoch weiterhin Arbeitsplätze ab. Besonders schwach bleiben die Beschäftigungspläne im Fahrzeugbau und im Maschinenbau.
Auch im Handel überwiegt der Personalabbau, wenngleich sich die Lage dort leicht verbessert hat. Im Dienstleistungssektor verschlechterte sich die Stimmung deutlich. Im Bereich Transport und Logistik wurden erste Entlassungen angekündigt. Viele Unternehmen stellen zurückhaltend ein und besetzen frei werdende Stellen nicht nach.
Keine Kündigungswelle, aber vorsichtige Personalplanung
Massenhafte Kündigungen gibt es laut Klaus Wohlrabe bislang nicht. Der Personalabbau erfolgt schrittweise. Das ifo Institut wertet die Zurückhaltung bei Neueinstellungen als Reaktion auf die unsichere Konjunktur – ein vorsichtiges Abwarten, das sich in vielen Betrieben inzwischen bemerkbar macht.
Ein Blick zurück zeigt, wie angespannt die Lage zeitweise war: Im September 2025 sank das Beschäftigungsbarometer auf 92,5 Punkte, nach 93,8 Punkten im August. Damit erreichte der Indikator den niedrigsten Stand seit Juni 2020. Wohlrabe sprach damals von einer angespannten Situation, weil ein konjunktureller Aufschwung ausblieb.
Im Baugewerbe bleibt die Beschäftigung weitgehend stabil. Das Verhältnis von geplanten Einstellungen und Stellenabbau ist nahezu ausgeglichen. Auf Baustellen ist das kein Grund für Jubel, aber immerhin auch kein zusätzlicher Dämpfer – zwischen Lieferengpässen, knappen Margen und vorsichtigen Auftraggebern zählt schon das.
Was der ifo-Wert tatsächlich misst
Das ifo-Beschäftigungsbarometer basiert auf rund 9.000 monatlichen Meldungen von Unternehmen aus dem verarbeitenden Gewerbe, dem Bauhauptgewerbe, dem Groß- und Einzelhandel sowie dem Dienstleistungssektor. Die Unternehmen geben an, wie sie ihre Beschäftigung in den jeweils folgenden drei Monaten planen.
Sie können melden, dass die Zahl der Beschäftigten zunehmen, gleich bleiben oder abnehmen soll. Der Saldowert ergibt sich aus dem Prozentanteil der Antworten „zunehmen“ abzüglich des Anteils der Antworten „abnehmen“. Für die Indexberechnung werden die Salden auf den Durchschnitt des Jahres 2015 normiert.
Im August 2026 hatte das Barometer bei 94,8 Punkten gelegen und damit gegenüber Juli 2026 um 1,8 Punkte zugelegt. Im September setzte sich diese vorsichtige Verbesserung fort. Unternehmen planen laut ifo weniger Stellenabbau als in den vergangenen Monaten, doch die Lage am Arbeitsmarkt bleibt angespannt.
Wie es weitergeht, wird in den kommenden Monaten maßgeblich von der wirtschaftlichen Gesamtlage abhängen. Gerade in Industrie und Handel kann sich die Zurückhaltung schnell wieder verschärfen; im Baugewerbe stehen die Zeichen derzeit eher auf Durchhalten als auf Aufbruch.
