BMW steckt rund 2 Milliarden Euro in seine deutschen Produktionsstätten. Das Geld ist für den Bau der neuen BMW-3er-Reihe und den Ausbau der Batteriefertigung vorgesehen. Für die Werke ist das zunächst eine kräftige Ansage – gleichzeitig läuft im Konzern ein Sparprogramm an, das weltweit bis zu 8.000 Stellen kosten soll.

In Deutschland soll der Abbau über natürliche Fluktuation und ein freiwilliges Abfindungsprogramm erfolgen. Betroffen sind voraussichtlich vor allem Bürojobs, nicht die Produktion. Das Programm wurde im Juli mit dem Betriebsrat vereinbart und ist nach Angaben aus Unternehmenskreisen weitgehend mit den Arbeitnehmervertretern ausgehandelt. Erste Abgänge werden noch 2026 erwartet, 2027 soll das Abfindungsprogramm an Fahrt aufnehmen. 2028 soll es sich positiv in den Kennzahlen bemerkbar machen.

Milliarden für Werke, weniger Menschen in der Verwaltung

BMW beschäftigt weltweit rund 154.000 Menschen. Mehr als die Hälfte arbeitet in Deutschland, wo das Abfindungsprogramm angeboten wird. Die Kosten dafür dürften im dreistelligen Millionenbereich liegen; wie hoch sie tatsächlich ausfallen, hängt von der Zahl der Abfindungsnehmer ab.

Bis Mitte 2027 will BMW außerdem die Zahl der Unternehmensbereiche und der zugehörigen Managementfunktionen um 20 Prozent reduzieren. Führungsaufgaben sollen gebündelt, Entscheidungswege verkürzt und Verwaltungskosten gesenkt werden. Der Konzernchef Milan Nedeljković sagt, die Münchner Organisation sei zu groß. BMW müsse kleiner und schlagkräftiger werden.

Geplant ist eine Umstrukturierung des mittleren und oberen Managements. Zunächst trifft es vor allem die Bereichsleiterebene, Auswirkungen auf niedrigeren Managementebenen werden ebenfalls erwartet. Einen Stellenabbau in großem Umfang im Management schließt BMW allerdings aus. In Deutschland dürften vor allem Arbeitsplätze in Verwaltung und Entwicklung wegfallen. Ein freiwilliges Abbauprogramm für alle Unternehmensbereiche außer der Produktion hatte BMW bereits im Sommer angekündigt.

Der Autobauer war bislang der letzte große deutsche Hersteller ohne umfangreiches Sparprogramm. Volkswagen, Mercedes, Audi und Porsche hatten bereits im Vorjahr Stellenstreichungen angekündigt. Bei Volkswagen standen bis zu 100.000 Stellenstreichungen und mehrere Werksschließungen im Raum, bei Mercedes-Benz läuft ebenfalls ein Abfindungsprogramm.

China setzt BMW unter Druck

Auslöser für den verschärften Sparkurs ist auch der schwache Absatz in China. BMW hatte im vergangenen Monat wegen des Einbruchs auf dem weltweit größten Automobilmarkt eine Gewinnwarnung ausgegeben. Die Verkäufe entwickelten sich schlechter als erwartet. IG-Metall-Bezirksleiter Horst Ott sagte, BMW reagiere auf den einbrechenden chinesischen Markt und arbeite zugleich an der Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte.

Der Abbau erfolgt laut Ott mit den Instrumenten der Betriebsparteien. Tarifvertragliche Regelungen stünden nicht zur Disposition. Die Zahl der BMW-Beschäftigten war bereits von Mitte 2025 bis Mitte 2026 um rund 2.000 gesunken. Auch die Jahresprognose für 2026 sah einen leichten weiteren Rückgang der Belegschaft vor.

Eine ähnliche Runde gab es Anfang 2008 unter Konzernchef Norbert Reithofer. Bis Ende 2010 sank die Belegschaft um mehr als 10.000 auf damals 95.000 Beschäftigte. Danach wuchs sie wieder deutlich. Ob sich das wiederholt, gilt angesichts der aktuellen Prognosen für die deutsche Autoindustrie als unsicher.

BMW will am folgenden Tag mit den Halbjahreszahlen seine finanzielle Lage erläutern. Für 2028 strebt der Konzern im Automobilgeschäft eine operative Marge von 3 bis 5 Prozent an. Zu Beginn des nächsten Jahrzehnts soll sie wieder 8 bis 10 Prozent erreichen. Im Automobilsegment plant BMW außerdem einen Free Cashflow von mehr als 7 Milliarden Euro.

Mehr Regionalisierung, weniger Varianten

Um wieder wettbewerbsfähige Preise und entsprechende Deckungsbeiträge auf dem Weltmarkt zu ermöglichen, sollen die Kosten weiter sinken. In China will BMW stärker regionalisieren, günstiger produzieren und besser auf die Wünsche chinesischer Kunden eingehen. Der Konzern prüft außerdem Exporte aus China in südostasiatische Märkte.

Künstliche Intelligenz soll dabei helfen zu erkennen, wann Zuliefererteile statt eigener Lösungen verwendet werden können. Auch das Modellangebot will BMW vereinfachen. Der neue 3er soll unter anderem nicht mehr mit Dieselmotor angeboten werden. Für die deutschen Werke bleibt daneben der Ausbau der Batteriefertigung ein zentraler Teil der Investitionen.

An der Börse kam der Sparkurs am 3. Oktober 2026 nicht gut an: Die BMW-Aktie fiel um 1,1 Prozent auf 54,46 Euro. Seit Jahresbeginn hat sie 42 Prozent verloren. Eine Zahl, die im Werk vielleicht weniger laut klingt als eine laufende Produktionshalle – aber in München dürfte sie trotzdem ordentlich nachhallen.