Hochtief hebt Gewinnprognose an und baut Rechenzentren statt nur Beton
Die Hochtief-Aktie ist am 25.09.2026 im Xetra-Handel um 1,4 Prozent auf 402,60 Euro gestiegen. Damit gehörte sie zu den stärkeren Werten im MDAX. Der Handel begann bei 402,40 Euro, das Tageshoch lag bei 403,80 Euro. Um 09:28 Uhr notierte das Papier bei 402,60 Euro.
Hinter dem Kursplus stehen kräftige Geschäftszahlen und eine angehobene Gewinnprognose. Hochtief erwartet für 2026 nun einen operativen Konzerngewinn von 1,025 bis 1,100 Milliarden Euro. Zuvor hatte die Spanne bei 950 Millionen bis 1,025 Milliarden Euro gelegen. Das Unternehmen rechnet damit – vorbehaltlich der Marktbedingungen – mit einem Wachstum von 30 bis 40 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach zuvor erwarteten 20 bis 30 Prozent.
Mehr Gewinn, mehr Aufträge, mehr Luft
Im ersten Halbjahr 2026 stieg der operative Nettogewinn um 35 Prozent auf 480 Millionen Euro. In der Konzernrechnung werden 479,7 Millionen Euro ausgewiesen, ein Plus von 35,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Umsatz legte um 9,6 Prozent auf 20,14 Milliarden Euro zu. Das operative Ergebnis vor Steuern kletterte um 29,1 Prozent auf 759 Millionen Euro, die entsprechende Marge von 3,2 auf 3,8 Prozent.
Auch die bereinigten Ergebnisgrößen zogen an: Das bereinigte EBITDA erreichte 1,22 Milliarden Euro und lag damit 18,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Das bereinigte EBIT stieg um 30,8 Prozent auf 902,7 Millionen Euro. Der nominale Konzerngewinn entwickelte sich dagegen in die andere Richtung und sank um 2,8 Prozent auf 467,6 Millionen Euro.
Im zweiten Quartal erzielte Hochtief 10,74 Milliarden Euro Umsatz, nach 9,45 Milliarden Euro im Vorjahresquartal. Das entspricht einem Anstieg von 13,65 Prozent. Das Ergebnis je Aktie lag bei 3,42 Euro, verglichen mit 2,30 Euro im zweiten Quartal des Vorjahres.
Beim Auftragseingang ging es nominal um 20,6 Prozent auf 31,5 Milliarden Euro nach oben. Währungsbereinigt betrug der Zuwachs 25 Prozent. Der Auftragsbestand erreichte mit 84,8 Milliarden Euro einen Rekordwert und lag 22,9 beziehungsweise rund 23 Prozent über dem Vorjahr. Nach Angaben des Unternehmens reicht diese Pipeline für etwa zwei Jahre. Das Auftragseingangsvolumen entsprach dem 1,5-Fachen der Leistung im Berichtszeitraum.
Rechenzentren als Wachstumstreiber
Rund 60 Prozent der Neuaufträge entfielen auf strategische Wachstumsmärkte. Dazu zählen digitale Infrastruktur und Rechenzentren, Energie, Verteidigung sowie kritische Mineralien und Bergbau. Gerade bei Rechenzentren ist Bewegung drin: Das Auftragsvolumen in diesem Bereich hat sich innerhalb der vergangenen zwölf Monate mehr als verdoppelt.
Hochtief errichtet unter anderem mehrere große Rechenzentren für Meta in Kanada und den USA. Dazu kommt ein Projekt für NTT Global in Berlin. Auch die US-Tochter Turner spürt die starke Nachfrage im Rechenzentrumsmarkt. Ihre Prognose für das operative Ergebnis vor Steuern wurde auf 1,4 bis 1,46 Milliarden US-Dollar angehoben; erwartet wird ein Anstieg von 35 bis 40 Prozent.
Die Entwicklung passt zu einem Markt, in dem Serverfarmen, Stromversorgung und digitale Netze plötzlich mindestens so viel Aufmerksamkeit bekommen wie der klassische Hochbau. Hochtief ist dabei in den USA, Europa und Deutschland aktiv. Die Bauindustrie schaut also nicht nur auf Beton und Stahl, sondern zunehmend auf Kühlung, Energie und Datenströme – ein ziemlich nüchterner Boom, der trotzdem ordentlich Tempo macht.
Zu den jüngsten Aufträgen gehören außerdem Minendienstleistungen in Westaustralien sowie die Beteiligung am SMR-Programm von Rolls-Royce mit Erweiterungen in Schweden und Tschechien. Hochtief schloss zudem den Erwerb der verbleibenden Minderheitsanteile an Thiess ab und stärkte damit seine Position bei Bergbaudienstleistungen und kritischen Mineralien.
Cashflow dreht ins Plus
Auch finanziell hat sich die Lage deutlich verändert. Der operative Cashflow vor Factoring belief sich in den vergangenen zwölf Monaten auf 2,37 Milliarden Euro. Das waren 395,5 Millionen beziehungsweise rund 396 Millionen Euro mehr als im Vorjahr. Der operative Netto-Cashflow stieg von 1,26 Milliarden auf 1,66 Milliarden Euro.
Die Nettofinanzposition verbesserte sich im Jahresvergleich um rund 1,5 Milliarden Euro: Aus einer Nettofinanzverschuldung von 1,41 Milliarden Euro wurde ein Nettofinanzvermögen von 71,6 Millionen Euro. Das geschah trotz einer Dividendenauszahlung von 393 Millionen Euro. Zum Halbjahresstichtag beschäftigte Hochtief 63.483 Menschen, 2,2 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Das Unternehmen begründet die Prognoseanhebung mit dem Wachstum bei Gewinn, Cashflow und Auftragseingang sowie mit der anhaltenden Nachfrage nach Infrastrukturprojekten. Die positive Geschäftsentwicklung bei Turner spielt dabei eine wichtige Rolle. Hochtief wollte am Montag gegen 14.00 Uhr über die Entwicklung im ersten Halbjahr informieren; die nun vorliegenden Zahlen liefern jedenfalls reichlich Gesprächsstoff.
Für Anleger bleibt der nächste feste Termin der 05.11.2026. Dann dürfte sich zeigen, ob die vollen Auftragsbücher, der Rechenzentrumsboom und die verbesserte Finanzposition weiter so sauber zusammenspielen. Die Aktie gehört zum Unternehmen Hochtief AG, trägt den Ticker HOT und wird an der Xetra gehandelt. Branche: Bau und Infrastruktur. Index: MDAX.
