Bundeskanzler Friedrich Merz ist heute, am 7. Oktober 2026, nach Kiew gereist. Am Rand des Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforums haben deutsche und ukrainische Unternehmen 15 Kooperationsdokumente unterzeichnet. Der mögliche Gesamtwert: bis zu 8,5 Milliarden Euro. Für ein Treffen unter Kriegsbedingungen ist das eine ziemlich große Hausnummer.

Zusätzlich kündigte die Bundesregierung ein Hilfspaket über 1,3 Milliarden Euro an. Eine Milliarde Euro ist für Militärtechnik vorgesehen, weitere 350 Millionen Euro für die Energieinfrastruktur. Geplant sind langfristige Co-Produktionen, Technologietransfers und gemeinsame Entwicklungen. Mit dabei sind unter anderem Diehl Defence, Hensoldt, Quantum Systems sowie ukrainische Rüstungsunternehmen.

Mehr Startgeräte, neue Raketen und ein Werk im Saarland

Im Mittelpunkt steht der Ausbau des Flugabwehrsystems IRIS-T. Diehl Defence erhält dafür 182 Millionen Euro für zusätzliche Startgeräte. Drei Absichtserklärungen sehen außerdem die Lieferung von mehreren Tausend Lenkflugkörpern vor. Eine einzelne Rakete kostet laut Artikel rund 400.000 Euro.

Damit die Produktion überhaupt Schritt halten kann, will Diehl rund 1,5 Milliarden Euro in zusätzliche Kapazitäten investieren. Geplant ist unter anderem ein neuer Werksstandort im saarländischen Nonnweiler. Zwischen Planung, Maschinen und Genehmigungen liegen meist einige dicke Ordner – diesmal geht es um sehr konkrete Stückzahlen.

Auch das Raketenabwehrprojekt FREYJA nimmt Gestalt an. Fire Point integriert den Abfangflugkörper FP-7.x, Hensoldt liefert das Multifunktionsradar TRML-4D. Die angestrebten Stückkosten liegen unter einer Million US-Dollar. Zum Vergleich: Ein Patriot-Lenkflugkörper kostet laut Artikel rund vier Millionen US-Dollar.

Der Hintergrund ist der zunehmende Einsatz von Jet-Drohnen der Geran-Serie durch Russland. Sie sollen Geschwindigkeiten von bis zu 600 km/h erreichen. Quantum Systems entwickelt deshalb gemeinsam mit den ukrainischen Partnern WIY Drones und Frontline Robotics die Abfangdrohnen „Spys“ und „Strila“.

Als technische Grundlage dient das Experimentalgerät „Apex Recordhunter“, das gemeinsam mit der Porsche-Tochter V4Smart eine Geschwindigkeit von 699 km/h erreicht haben soll. Berlin finanziert den Bau von bis zu 1.000 Abfangdrohnen. Sensible Produktionsschritte sollen zum Schutz vor Spionage und Raketenangriffen nach Deutschland verlagert werden.

Stromnetz, Bodenrobotik und Artilleriemunition

Die 350 Millionen Euro für die Energieversorgung sollen unter anderem Siemens Energy, 50Hertz und Amprion zugutekommen. Sie sollen das Stromnetz ertüchtigen. Vorgesehen sind dezentrale Gasturbinen und geschützte Umspannwerke – also Anlagen, die auch dann weiterarbeiten sollen, wenn die nächste Nacht wieder unruhig wird.

Weitere Vereinbarungen betreffen autonome Bodenrobotik von ARX Robotics und Roboneers sowie 155-Millimeter-Artilleriemunition. Im Rahmen der neuen Kooperationen soll Deutschland erstmals auch ukrainische Marschflugkörper direkt fertigen.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz hat zudem die Investitionsgarantien über die Sonderdeckung Ukraine ausgeweitet. Die Garantien sollen kriegsbedingte Vermögensverluste absichern. Bis Ende 2027 übernimmt der Bund außerdem sämtliche Antragsgebühren für Investitionen in der Ukraine.

Das Wirtschaftsforum geht im November in Berlin weiter

Der heutige Termin in Kiew steht im größeren Zusammenhang mit dem 9. Deutsch-Ukrainischen Wirtschaftsforum. Es findet am 20. November 2026 von 10:00 bis 17:00 Uhr MEZ im Haus der Deutschen Wirtschaft, Breite Straße 29, 10178 Berlin, statt. Das Motto lautet „Key Sectors. Shared Future“.

Veranstalter sind die Deutsch-Ukrainische Industrie- und Handelskammer (AHK Ukraine), die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) und der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft (OA). Deutsche und ukrainische Unternehmensvertretungen sowie politische Entscheidungsträger beraten über die bilaterale Zusammenarbeit. Auf der Tagesordnung stehen wirtschaftliche Resilienz, die Rolle des privaten Sektors beim Wiederaufbau, die Transformation der Verteidigungsindustrie und Zukunftssektoren der bilateralen Zusammenarbeit.

Los geht es laut Programm bereits um 08:30 Uhr mit Registrierung und Begrüßungskaffee. Um 10:00 Uhr folgen Grußworte von Peter Adrian, Präsident der DIHK, Dr. Christian Bruch, stellvertretender Vorsitzender des OA, und Oliver Gierlichs, Präsident der AHK Ukraine.

Für 10:20 Uhr ist die Eröffnung mit Sergii Koretskiy, Ministerpräsident der Ukraine, und Friedrich Merz, Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland, vorgesehen – noch mit dem Hinweis „tbc“. Um 10:45 Uhr folgt der Ministerdialog mit Katerina Reiche, Bundesministerin für Wirtschaft und Energie, sowie Oleksandr Kravchenko, Minister für Wirtschaft und Umwelt der Ukraine.

Panel I beginnt um 11:15 Uhr. Der Titel lautet „Wirtschaftliche Schlüsselsektoren: Partnerschaft im Fokus – Wo Zusammenarbeit Mehrwert schafft“. Vorgesehen sind Reem Alabali Radovan, Bundesministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (tbc), sowie Mykola Kalashnyk, ukrainischer Minister für Wiederaufbau, Infrastruktur und Verkehr (tbc).

Inhaltlich geht es dort um Energie, Landwirtschaft, Bauwirtschaft sowie Maschinenbau/Technologie. Laut Programm sind Energie und Landwirtschaft der Ukraine zugeordnet, Bauwirtschaft und Maschinenbau/Technologie Deutschland. Um 12:30 Uhr steht die Mittagspause an – ein kleiner, aber vermutlich nicht unwichtiger Terminblock in einem langen Konferenztag.

Um 13:45 Uhr folgt das Kamingespräch „Finanzierung“ mit Stefan Wintels, Vorstandsvorsitzender der KfW (tbc), Arvid Tuerkner, geschäftsführender Direktor für Ukraine und Moldau bei der EBRD, einem Vertreter der Deutschen Bank sowie einem Vertreter einer ukrainischen nationalen Entwicklungsinstitution (tbc).

Panel II widmet sich ab 14:30 Uhr der Verteidigungskooperation. Der Titel: „Verteidigung: Deutsch-ukrainische Verteidigungskooperation – Strategische Fähigkeiten für eine sichere Zukunft“. Auf dem Podium stehen sollen Serhii Boyev, stellvertretender Verteidigungsminister der Ukraine (tbc), ein Vertreter des Sonderstabs Ukraine im Bundesministerium der Verteidigung, ein deutsch-ukrainisches Gemeinschaftsunternehmen, ein deutsches Unternehmen und der ukrainische Verband der Verteidigungsindustrie.

Ab 15:45 Uhr ist Networking vorgesehen, um 17:00 Uhr endet die Konferenz. Am Vorabend findet in den Räumlichkeiten der Deutschen Bank ein Netzwerkempfang statt. Zusätzlich werden vier begleitende Frühstücksformate angeboten: Energie, Landwirtschaft, Gesundheitswirtschaft und ein URC27-Update. Ansprechpartnerin für Fragen zum Programm ist Nataliia Hryshchenko.

Die militärischen Vorhaben, die Energieprojekte und die geplanten Investitionshilfen greifen damit ineinander: Rüstungsproduktion soll wachsen, Netze sollen widerstandsfähiger werden, Unternehmen sollen trotz des Krieges investieren können. Die Quelle des Bundesministeriums der Verteidigung, die für weitere Einordnung herangezogen wurde, ist allerdings nicht lesbar beziehungsweise offenbar fehlerhaft kodiert. Verlässliche, überprüfbare Informationen lassen sich daraus nicht extrahieren.

Quelle 1: Frankfurter Rundschau
Quelle 2: AHK Ukraine – 9. Deutsch-Ukrainisches Wirtschaftsforum
Quelle 3: Bundesministerium der Verteidigung