Auf deutschen Baustellen fehlen Fachkräfte, und das ist längst mehr als ein gelegentliches Ärgernis bei der Personalsuche. Gerade im Hochbau zeigt sich, wie eng Bau- und Handwerksberufe mit der Zuwanderung verbunden sind. 2025 hatten 27 Prozent aller abhängig Beschäftigten eine Einwanderungsgeschichte. Als Person mit Einwanderungsgeschichte gilt dabei, wer selbst oder wessen beide Elternteile seit 1950 nach Deutschland eingewandert sind.

In mehreren Engpassberufen liegt ihr Anteil deutlich über diesem Durchschnitt: Bei der Bodenverlegung sind es 54 Prozent, im Gerüstbau 51 Prozent. Auch Köchinnen und Köche kommen auf 56 Prozent, Beschäftigte in der Lebensmittelherstellung auf 55 Prozent und in der Fleischverarbeitung auf 51 Prozent. Dazu kommen Berufskraftfahrer mit 41 Prozent, Beschäftigte im Hotelservice mit 40 Prozent sowie Kranken- und Altenpflege mit 33 Prozent.

157 Engpassberufe, aber kein Mangel an allen Ecken

Die Fachkräfteengpassanalyse 2025 der Bundesagentur für Arbeit weist für Deutschland 157 Engpassberufe aus. Das sind weniger als in den Vorjahren: 2024 waren es 163, 2023 noch 183. Als Engpassberufe gelten Tätigkeiten, in denen laut Bundesagentur für Arbeit ein Fachkräftemangel herrscht oder droht.

Die meisten dieser Berufe liegen auf dem Anforderungsniveau „Fachkräfte“. Knapp ein Drittel entfällt auf das Niveau „Spezialist“, etwa ein Sechstel auf die „Experten“-Ebene. Besonders betroffen sind Pflegeberufe, medizinische Berufe, Bau- und Handwerksberufe, Köchinnen und Köche, Berufskraftfahrerinnen und Berufskraftfahrer sowie Erzieherinnen und Erzieher.

Weitere 161 Berufsgattungen stehen unter Beobachtung. Dort liegt zwar noch kein Engpass vor, der relevante Punktewert ist aber bereits erreicht. Im Vergleich zum Vorjahr bestehen in der spanenden Metallbearbeitung, im IT-Vertrieb und in der Softwareentwicklung keine Engpässe mehr. Neu hinzugekommen sind dagegen Berufe der Vermessungstechnik sowie Tätigkeiten in der Sozialarbeit und Sozialpädagogik.

Die Zahl der offenen Stellen ist gegenüber den Vorjahren gesunken. Der Bedarf an gut qualifizierten Fachkräften bleibt trotzdem hoch. Einen allgemeinen Arbeitskräftemangel belegen die Zahlen derzeit nicht; in mehreren Berufen übersteigt das verfügbare Arbeitskräfteangebot die Nachfrage sogar deutlich. Die jährliche Analyse unterstützt die Arbeitsmarktberichterstattung und die Fachkräfteplanung. Sie soll zeigen, wo Personal fehlt und wo gezielte Maßnahmen ansetzen können.

Auf den Baustellen ist Zuwanderung längst Alltag

Wie stark die Arbeitswelt von Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte getragen wird, hängt vom Beruf ab. Im Rettungsdienst liegt ihr Anteil bei 7 Prozent, im Polizeivollzugsdienst bei 8 Prozent, in der öffentlichen Verwaltung bei 9 Prozent. Bei Lehrkräften sind es 9 bis 10 Prozent, in der Landwirtschaft 15 Prozent. Das wirkt im Vergleich zu Gerüstbau oder Bodenverlegung fast wie eine andere Arbeitswelt.

Der Einstieg ist allerdings nicht überall gleich leicht. Laut Statistischem Bundesamt spielen Herkunftsregion und Aufenthaltsdauer eine wichtige Rolle. Bei Zugewanderten, die seit weniger als fünf Jahren in Deutschland leben, lag die Erwerbstätigenquote bei Männern aus der EU bei 89 Prozent und bei Frauen aus der EU bei 73 Prozent. Männer aus Afrika kamen auf 79 Prozent, Frauen aus Afrika auf 47 Prozent. Aus dem Nahen und Mittleren Osten waren 57 Prozent der Männer und 28 Prozent der Frauen erwerbstätig.

Mit längerer Aufenthaltsdauer steigt die Erwerbstätigenquote. Nach 20 bis 25 Jahren in Deutschland waren aus dem Nahen und Mittleren Osten etwa 87 Prozent der Männer und 79 Prozent der Frauen erwerbstätig. Zum Vergleich: In der Gesamtbevölkerung zwischen 25 und 59 Jahren lag die Quote bei 88 Prozent für Männer und 81 Prozent für Frauen. Zahlen, die auf dem Papier nüchtern aussehen, auf einer Baustelle aber schnell etwas sehr Praktisches bedeuten: Wer morgens auf der Baustelle steht, muss nicht erst erklärt bekommen, wie der Tag läuft.

Viele offene Stellen, lange Wartezeiten

Der Fachkräftemangel blieb 2025 trotz schwächerer Konjunktur, steigender Arbeitslosigkeit und weniger offener Stellen als in den Vorjahren eine zentrale Herausforderung für Arbeitsmarkt und Wirtschaft. Im März 2025 konnten mehr als 387.000 Stellen für qualifizierte Arbeitskräfte nicht besetzt werden. Deutschland kam auf eine Mangelquote von 86 Prozent und lag damit über dem weltweiten Durchschnitt von 74 Prozent.

Besonders viele offene Stellen gab es in Verkaufsberufen, etwa im Einzelhandel, in medizinischen Gesundheitsberufen wie der Pflege und in zahlreichen Handwerksberufen. In Engpassberufen dauerte die Suche nach geeignetem Personal teilweise mehr als 280 Tage. Arbeitgeber warteten also durchschnittlich länger als drei Vierteljahre. Im Baugewerbe waren die Vakanzzeiten überdurchschnittlich lang – während auf der Baustelle weiter Material bewegt, betoniert, montiert und improvisiert wird.

Handwerksbetriebe melden seit Jahren einen Mangel an Auszubildenden. 2023 blieben in Deutschland mehr als 73.000 Ausbildungsplätze unbesetzt, die Zahl stieg weiter an. Das ist für Betriebe doppelt bitter: Es fehlt nicht nur heute jemand auf der Baustelle, sondern möglicherweise auch der Nachwuchs, der in ein paar Jahren Verantwortung übernehmen könnte.

Demografie, Qualifikation und die Frage nach den Reserven

Als zentrale Ursachen gelten der demografische Wandel, wachsende Qualifikationslücken, die begrenzte Erwerbsbeteiligung bestimmter Bevölkerungsgruppen und eine unzureichende Integration von Zuwandernden. Das Durchschnittsalter in Deutschland stieg 2024 auf 44,9 Jahre, während die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter sank. Nach einer Prognose des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung stehen bis 2035 durch das Ausscheiden der Babyboomer rund sieben Millionen Fachkräfte weniger zur Verfügung.

Arbeitslose könnten durch Umschulungen und Weiterbildungen für Engpassberufe qualifiziert werden. Auch eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie könnte die Erwerbsbeteiligung erhöhen. Die Erwerbstätigenquote lag zuletzt bei etwa 81 Prozent; Männer lagen über dem Durchschnitt, Frauen darunter. Als wesentlicher Grund für diesen Unterschied gilt die weiterhin vorherrschende Rollenverteilung bei der Kinderbetreuung. Eine höhere Erwerbstätigkeit von Frauen wird deshalb als wichtiger Ansatz zur Verringerung des Fachkräftemangels gesehen.

Einige Branchen werben bereits im Ausland um qualifiziertes Personal. Die Zuwanderung muss voraussichtlich auch künftig auf hohem Niveau bleiben, damit ausreichend Arbeitskräfte zur Verfügung stehen. Gleichzeitig betrifft der Fachkräftemangel nicht nur einzelne Branchen. Er entsteht aus dem Zusammenspiel demografischer, bildungs- und arbeitsmarktpolitischer Entwicklungen sowie der unvollständigen Integration inländischer und internationaler Arbeitskräftepotenziale.

Genannt werden vor allem Zuwanderung, bessere Bildung und Weiterbildung, bessere Rahmenbedingungen für die Erwerbstätigkeit von Frauen und älteren Menschen sowie eine innovative Arbeitskultur. Für den Hochbau heißt das: Es geht um Nachwuchs, Qualifizierung und Integration – und oft auch darum, dass der Bauleiter am Ende der Woche überhaupt noch jemanden für den nächsten Montag einteilen kann.

Die Einordnung zum Fachkräftemangel wurde vom Statista Research Department veröffentlicht und trägt das Datum 19. Januar 2026. Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit und die Angaben zu Beschäftigten mit Einwanderungsgeschichte stammen aus den jeweils genannten Quellen.