In Zürich wächst das «Forum UZH» jetzt sichtbar in die Höhe. Am 25.09.2026 wurde der Grundstein für das neue Bildungs- und Forschungszentrum der Universität Zürich gelegt. Der Neubau entsteht in der Nähe des Hauptgebäudes und soll 2031 bezogen beziehungsweise fertiggestellt werden.

Bei der Zeremonie waren Baudirektor Martin Neukom, Bildungsdirektorin Silvia Steiner, Gabriele Siegert, Vize-Rektorin der Universität Zürich, und Pierre de Meuron, Gründungspartner von Herzog & de Meuron, dabei. Der Grundstein selbst ist keine schlichte Platte: Eine baumähnliche Skulptur wurde symbolisch in die Bodenplatte «eingepflanzt».

Vom Sportplatz zum akademischen Marktplatz

Der Rückbau und Aushub dauerten zwei Jahre. Dafür wurden eine Turnhalle abgerissen und Sportanlagen rückgebaut; die Arbeiten begannen im August 2024. Die Baugrube wurde in dieser Zeit vertieft. Nach der Grundsteinlegung starten nun die Hochbauarbeiten – der Moment, in dem das Projekt auch für Passanten langsam greifbar wird.

Herzog & de Meuron entwirft das Gebäude. Es soll dringend benötigten Raum für Lehre und Forschung schaffen und künftig Räume für Lehre, eine große Bibliothek, Sportmöglichkeiten, eine Mensa und Gewerbeflächen beherbergen. Einziehen werden die Rechtswissenschaftliche und Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät sowie die Neuen Sprach- und Literaturwissenschaften der Philosophischen Fakultät.

Im Zentrum steht eine große Halle, das «Forum». Als «akademischer Marktplatz» soll sie zum Herzstück des Hauses werden und Begegnungen zwischen Forschenden, Studierenden und der Bevölkerung ermöglichen. Viel Betrieb also, Stimmen, Schritte, vermutlich auch der eine oder andere hastig getrunkene Kaffee.

Holz, Beton, Bäume und Sonnenstrom

Das Gebäude wird als Holz-Beton-Hybrid errichtet. Die Bauweise soll helfen, CO2-Emissionen zu reduzieren. Auch oben geht es weiter mit dem Klimathema: Das Dach wird begrünt und mit Photovoltaikanlagen ausgestattet.

Vor dem Haus ist ein Stadtplatz geplant, der mit Großbäumen bepflanzt wird. Sie sollen den Hitzeinseleffekt im Sommer verringern. Gerade in dicht bebauten Städten merkt man den Unterschied zwischen aufgeheiztem Asphalt und einem schattigen Platz ziemlich schnell – an einem heißen Tag zählt jeder Baum.

Der Kantonsrat bewilligte im Frühjahr 2023 einen Objektkredit von rund 597 Millionen Franken. Ein fixes Kostendach legte der Regierungsrat für das Projekt nicht fest. Ursprünglich war die Fertigstellung für Anfang 2029 vorgesehen, allerdings nur bei einem idealen Planungs- und Realisierungsverlauf. Nun gilt 2031 als Termin für Fertigstellung und Bezug.

Bildungsbauten unter Veränderungsdruck

Der Bildungssektor und seine Immobilien müssen sich an eine schnell verändernde Welt anpassen. Viele bestehende Gebäude sind veraltet und entsprechen heutigen Nachhaltigkeitsstandards nicht mehr; entsprechend groß ist der Sanierungsbedarf. Neue Projekte müssen deshalb früh ansetzen: Europäische Standards und Nachhaltigkeit gehören bereits in die Planungsphase, nicht erst auf die Checkliste kurz vor der Eröffnung.

Gefragt sind flexible Grundrisse, integrierte Technologie und nachhaltiges Design. Genau dort berühren sich Bau und Alltag: Räume müssen sich verändern lassen, wenn sich Lehrformen, Forschung und Nutzergruppen verändern. Das «Forum UZH» verbindet diese Anforderungen mit einer zentralen Halle, gemeinschaftlich genutzten Einrichtungen und einem Stadtplatz.

Wie weit Bildungseinrichtungen diesen Weg bereits gehen, zeigte ein internationales Expertengespräch, das Drees & Sommer an der TU Delft organisierte. Im Mittelpunkt standen Nachhaltigkeit, Innovation und Campusentwicklung. Die TU Delft strebt bis 2030 einen klimaneutralen Campus an – mit ökologischem Anspruch und Augenmerk auf Lebensqualität.

Hubert Linssen von der TU Delft betonte, Nachhaltigkeit müsse im Immobilienmanagement verankert werden. Ein Beispiel ist ECHO, das energieerzeugende Fakultätsgebäude der Universität: anpassungsfähig und benutzerfreundlich geplant. In einer Podiumsdiskussion ging es außerdem um begrünte Dächer und Kohlenstoffemissionen.

Drees & Sommer fördert Innovationen im Green Bausektor und ermutigt Start-ups zur Forschung. Vier junge Unternehmen präsentierten Ideen, darunter modulare Grünflächen für Flachdächer und abfallfreie Systeme. Eine Expertenrunde diskutierte zudem, wie wichtig Raumgestaltung und die Zusammenarbeit verschiedener Disziplinen schon in frühen Projektphasen sind. Während in Zürich nun erst einmal Beton, Holz und Gerüste an die Reihe kommen, ist die Richtung damit ziemlich klar: Bildung braucht Räume, die mitlernen können.