Schulte-Gruppe bündelt Kirchhoff und Ems-Bau am neuen Standort in Lingen
In der Lessingstraße 7 in Lingen ist ein neuer gemeinsamer Standort für zwei Bauunternehmen eröffnet worden. Unter einem Dach arbeiten künftig die Kirchhoff Straßen- und Landschaftsbau GmbH & Co. KG und die Ems-Bau GmbH & Co. KG, beide Unternehmen gehören inzwischen zur Schulte-Gruppe. Ralf Schulte verbindet damit kürzere Wege und eine gemeinsame Zukunftsausrichtung.
Zur Eröffnung kamen Oberbürgermeister Dieter Krone, Laxtens Ortsbürgermeister Klaus Goldschmidt sowie Vertreter aus Wirtschaft und Verwaltung. Krone und Goldschmidt gratulierten Ralf Schulte, Burkhard Kirchhoff und Jürgen Struckman zum Start des gemeinsamen Standorts. Die Stadt Lingen und ihre Wirtschaftsförderung unterstützten das Vorhaben bei Planung und Genehmigung; Politik und Verwaltung begleiteten es pragmatisch, die politischen Beschlüsse fielen einstimmig.
Nachfolge ohne Familienlösung
Burkhard Kirchhoff hatte seinen Lingener Straßen- und Landschaftsbaubetrieb 2024 mangels familieninterner Nachfolge an die Schulte-Gruppe übergeben. Oberbürgermeister Krone bezeichnete die Übernahme als mögliches Modell für Unternehmen, bei denen es keine familiären Erben gibt. Gerade im Mittelstand ist das keine kleine Randnotiz, sondern oft die Frage, ob ein Betrieb weiterarbeitet oder irgendwann die Türen schließt.
Die heutige Kirchhoff GmbH entstand 2011 als AK Straßen- und Landschaftsbau. Gegründet wurde das Unternehmen vom Diplom-Ingenieur Burkhard Kirchhoff und dem Kaufmann Heribert Aubreville. Nach Aubrevilles Ruhestand führte Kirchhoff den Betrieb ab Anfang 2020 allein als geschäftsführender Gesellschafter. Auch nach dem Einstieg der Schulte-Gruppe blieb er Geschäftsführer.
Die Ems-Bau GmbH & Co. KG wurde 2022 von den Lingenern Frank Exeler und Thomas Langer gegründet. Beide sind auch nach dem Einstieg der Schulte-Gruppe weiterhin als Gesellschafter beteiligt. Kirchhoff und Ems-Bau sind die jüngsten Übernahmen der Gruppe – und nun räumlich miteinander verbunden.
Ein Standort für Laxten und zwei Firmen
Ortsbürgermeister Klaus Goldschmidt ordnete die Investition dem Gewerbegebiet Ochsenbruch zu. Die Verkehrsanbindung biete gute Voraussetzungen für Unternehmen, sagte er. Vom neuen Standort erwartet Goldschmidt positive Effekte für Laxten: Er soll den Ort als Wirtschafts- und Arbeitsstandort stärken. Viel Verkehr, kurze Wege, Baustellenfahrzeuge – das Gewerbegebiet bringt dafür offenbar einiges mit.
Ralf Schulte will mit dem gemeinsamen Gebäude vor allem die Abstimmung zwischen den beiden Lingener Firmen erleichtern. Beide arbeiten künftig unter einem Dach, ohne dass ihre jeweiligen Aufgaben verschwimmen. Die Schulte-Gruppe ist deutschlandweit tätig. Zur Ralf Schulte GmbH & Co. KG gehören unter anderem schlüsselfertige Hochbauten und Spezial-Rohbauten.
Seit 2021 baut die Gruppe ihr regionales Netzwerk aus. Damals übernahm sie den Tiefbaubetrieb Nie-Tieke aus Emsbüren. Ende 2023 folgte Einhaus aus Geeste, ein Unternehmen für Tiefbau und Baustoffe. Mit Kirchhoff Straßen- und Landschaftsbau sowie Ems-Bau kamen anschließend die beiden Lingener Betriebe hinzu. Nach Angaben von Ralf Schulte beschäftigt die Schulte-Gruppe rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Ein bekanntes Problem im Mittelstand
Der DIHK-Report „Unternehmensnachfolge 2025“ beschreibt die Nachfolge als zentrale Strukturfrage des deutschen Mittelstands. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer wollen aus Alters- oder Belastungsgründen ausscheiden, geeignete Nachfolger fehlen jedoch häufig. Fachkräftemangel, hohe Kosten, eine schwache Konjunktur und umfangreiche Regulierung verschärfen die Lage.
Die Zahlen sind nüchtern und ziemlich deutlich: 2024 führten die IHKs fast 10.000 Beratungen mit abgabewilligen Unternehmen durch – 16 Prozent mehr als im Vorjahr und ein Rekordwert. Rund 5.620 Unternehmen standen keinem Nachfolgeinteressenten gegenüber. 27 Prozent der beratenen Betriebe erwogen eine Betriebsaufgabe; bei 92 Prozent dieser Unternehmen war der fehlende Nachfolger der wichtigste Grund. 72 Prozent der Alt-Inhaber wollten aus Altersgründen aufhören.
Gleichzeitig meldeten sich 2024 insgesamt 4.016 Übernahmeinteressierte, deutlich mehr als im Vorjahr, aber weiterhin zu wenige. 36 Prozent der Alt-Inhaber sahen überhöhte Kaufpreisvorstellungen als Hürde, 38 Prozent bereiteten die Übergabe zu spät vor. Seit 2019 hat sich der Abstand zwischen verfügbaren Unternehmen und geeigneten Nachfolgeinteressierten nahezu verdoppelt.
Auch die weiteren Gründe für Betriebsaufgaben liegen nicht gerade auf der Straße: 63 Prozent nannten den Fachkräftemangel, 49 Prozent hohe Energie- und Materialkosten, 47 Prozent allgemeine Zukunftsunsicherheit und 40 Prozent steigende Bürokratielasten. Verzögerte Übergaben bremsen zudem Investitionen, weil Alt-Inhaber kurz vor dem Abschied oft weniger investieren und potenzielle neue Eigentümer durch langwierige Genehmigungen ausgebremst werden. Modernisierung, Innovation und Wettbewerbsfähigkeit können darunter leiden; Betriebsaufgaben oder Übernahmen durch größere Unternehmen werden wahrscheinlicher.
Verkaufen, vererben oder an Mitarbeitende übergeben
Etwa die Hälfte der Senior-Unternehmer möchte den Betrieb verkaufen. Rund ein Drittel plant eine familieninterne Übergabe, ein Fünftel möchte den Betrieb an Mitarbeitende weitergeben. Die IHKs empfehlen eine frühzeitige und transparente Kommunikation über den Wechsel. In der Praxis beginnen 38 Prozent die Vorbereitung erst ein bis zwei Jahre vor der Übergabe. Manche Nachfolger bringen außerdem unrealistische Erwartungen, unzureichende Qualifikationen oder nur ein lückenhaftes Verständnis der Anforderungen mit.
Geld bleibt ein eigener Brocken. Vier von zehn Übernahmeinteressierten berichteten von Finanzierungsproblemen. 31 Prozent der IHKs bewerteten Bürgschaften als verbessert, Bankkredite blieben anspruchsvoll. Mezzanine-Kapital und Eigenmittel waren weiterhin schwer zu mobilisieren. Nur etwa ein Viertel der Übernahmeinteressierten waren Frauen, obwohl Frauen inzwischen mehr als 40 Prozent der Gründungen ausmachen. Als mögliche Ursachen nennt der Report den späteren Einstieg in die Selbstständigkeit, weniger verfügbares Startkapital und eine geringere Einbindung in Netzwerke. Die IHKs setzen deshalb unter anderem auf Programme wie „Werde Unternehmerin“ und spezielle Frauennetzwerke.
Je nach Branche sieht die Lage nochmals anders aus. In Hotel- und Gastronomie gibt es in der IHK-Beratung fast 3,5-mal so viele abzugebende Unternehmen wie Interessenten. Fachkräftemangel, hohe Arbeitsbelastung, fehlende Bereitschaft zu langen Arbeitszeiten, Investitionsstaus sowie Hygiene-, Brandschutz- und Bauauflagen machen Übergaben schwer. Hohe Mieten oder zu finanzierende Immobilien, weniger Gäste, Kaufzurückhaltung und geringe Gewinnmargen drücken zusätzlich. In ländlichen Regionen fehlt teilweise das nötige Kundenaufkommen; Geld für neue Konzepte wie Nachhaltigkeit, Mehrwegangebote, Chatbots oder Online-Lieferdienste ist oft nicht vorhanden.
Aus dem Handel stammten fast 2.500 der von den IHKs beratenen Unternehmen – 25 Prozent der abzugebenden Betriebe. Unattraktive Innenstädte, Fachkräftemangel, Kaufzurückhaltung und die Konkurrenz durch den Online-Handel spielen hinein. Doch auch der Online-Handel kostet: Werbung und Marketing, Digitalisierung, Renovierungen und moderne Warenwirtschaft müssen finanziert werden. Veraltete Bezahlsysteme oder Prozesse mindern die Attraktivität, Bürokratie und wirtschaftliche Unsicherheit tun ihr Übriges. Werden Geschäfte nicht übernommen, drohen mehr Leerstände in den Innenstädten.
Im verarbeitenden Gewerbe suchen 32 Prozent der Übernahmeinteressierten einen Industriebetrieb. Auf einen potenziellen Nachfolger kommen durchschnittlich 1,3 abzugebende Betriebe. Zölle, Lieferengpässe und andere globale Unsicherheiten bremsen Entscheidungen. Häufig braucht es technisches Know-how sowie Kenntnisse zu Normen, Produktkennzeichnung, Emissionen, Qualitätssicherung und Beschaffung. Maschinen, Labore und Produktionsimmobilien treiben die Kaufpreise, hohe Energiekosten belasten energieintensive Branchen. Digitalisierung und Modernisierung erhöhen den Kapitalbedarf; eine starke Ausrichtung auf den bisherigen Inhaber oder wenige Kunden kann den Wechsel zusätzlich erschweren. Scheitert die Nachfolge, stehen im schlimmsten Fall Lieferketten und technisches Know-how auf dem Spiel.
In Logistik und Verkehr verzeichnen die IHKs viermal mehr abzugebende Unternehmen als potenzielle Nachfolger. Viele Berufskraftfahrer erreichen das Ruhestandsalter, neue Fachkräfte sind schwer zu gewinnen. Geringe Margen, hoher Wettbewerbs
