99,99 Euro für die Familie, 80 Minuten mehr Fahrzeit: Die Deutsche Bahn macht das Familienticket dauerhaft
Berlin, 5. Oktober 2026. Für Familien wird Zugfahren wieder ein gutes Stück planbarer – zumindest beim Preis. Die Deutsche Bahn nimmt das Familienticket dauerhaft ins Angebot auf. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) begrüßt die Entscheidung ausdrücklich.
Der „Bild-Zeitung“ sagte Bilger, die dauerhafte Einführung freue ihn sowohl als Verkehrsminister als auch als Familienvater. Für viele Familien sei die Bahn das bevorzugte Verkehrsmittel, wenn es in den Urlaub oder zu den Großeltern gehe. Nach der Abschaffung der Familienreservierung habe er sich deshalb für ein attraktives Familienangebot der Bahn eingesetzt.
99,99 Euro inklusive ICE-Reservierung
Das Ticket gilt ab dem 1. November dauerhaft, der Verkauf startet am 26. Oktober. Eine Hin- und Rückfahrt für eine Familie kostet 99,99 Euro – die ICE-Reservierung ist bereits enthalten. Verkauft wird das Angebot zu denselben Konditionen wie in den Sommerferien.
Bahn-Chefin Evelyn Palla verweist auf die erste Bilanz des zunächst nur für die Sommerferien geplanten Tickets: Im Sommer seien 100.000 Familien mehr als im Vorjahr mit der Bahn gefahren. Das ist eine Zahl, die im Berliner Bahnbau-Alltag zwischen Baustellen, Umleitungen und Verspätungsanzeigen durchaus auffällt.
Bilger bezeichnete die dauerhafte Wiedereinführung als richtigen Schritt. Angesichts hoher Spritpreise sei das Familienticket zudem ein Signal für klimafreundliche Mobilität auf der Schiene. Für Eltern dürfte daneben vor allem zählen, dass die Rechnung vor der Abfahrt feststeht – und nicht erst nach mehreren Tankstellenbesuchen.
Bei der Pünktlichkeit bleibt Geduld gefragt
Eine schnelle Verbesserung der Pünktlichkeit erwartet Palla allerdings nicht. Viele Bahnanlagen seien veraltet, störanfällig und fielen häufig aus. Die Erneuerung könne nur schrittweise erfolgen; Versäumnisse aus vielen Jahren ließen sich nicht innerhalb von ein oder zwei Jahren aufholen.
Besonders heiße Sommer verschärften die Probleme. Viele Anlagen seien nicht für mehrere Tage mit Temperaturen über 35 Grad ausgelegt. Unter anderem könnten Weichenantriebe bei großer Hitze ausfallen. Was auf dem Bahnsteig dann wie ein kurzer technischer Hänger aussieht, kann sich für Reisende schnell zu einer langen Wartezeit entwickeln – mit quengelnden Kindern, warmen Getränken und der bangen Frage, ob der Anschluss noch erreichbar ist.
Die Vernachlässigung der Anlagen habe sich über viele Jahre entwickelt, sagte Palla. Deshalb werde es keinen schnellen Anstieg der Pünktlichkeit geben. Die Sanierung des Schienennetzes werde mindestens zehn Jahre dauern. Spürbare Verbesserungen seien erst zu erwarten, wenn ein großer Teil der Anlagen erneuert sei.
Baustellen verlängern die Reise
Wie groß die Geduldsprobe derzeit ist, zeigen die jüngsten Zahlen: Im September war fast jeder zweite Fernverkehrszug verspätet. Die Pünktlichkeitsquote verschlechterte sich gegenüber dem Vormonat.
Auf der Strecke zwischen Berlin und Hannover kommt noch ein kräftiger Zeitaufschlag hinzu. Wegen Bauarbeiten verlängert sich die Fahrzeit dort voraussichtlich für die kommenden 14 Monate um rund 80 Minuten. Wer mit der Familie unterwegs ist, sollte also nicht nur den Ticketpreis, sondern auch Snacks, Spiele und ein wenig Luft im Reiseplan einpacken.
