Abschied in Wiesbaden: Der Intercity 1 fährt zum letzten Mal
Heute, am 10. Oktober 2026, verabschiedet die Deutsche Bahn den klassischen Intercity 1 offiziell. Eine Sternfahrt führt Sonderzüge aus Hamburg und München nach Wiesbaden. Die Intercity-Züge bestehen dabei noch einmal aus den klassischen Reisezugwagen – ein Abschied mit ordentlich Eisenbahngefühl.
Über Jahrzehnte gehörte der Intercity 1 zum Bild des deutschen Fernverkehrs. Feste Abfahrtszeiten, später der Stundentakt, Korrespondenzanschlüsse am selben Bahnsteig und ein Bordrestaurant zwischen erster und zweiter Klasse machten ihn zu einem verlässlichen Begleiter. Nicht spektakulär, aber vertraut. Man wusste, wann es losging, wo der Anschluss wartete und wo es vielleicht noch einen Kaffee gab.
Die letzten Einsätze sind vorbei
Moderne ICE- und Intercity-2-Züge haben die klassischen Reisezugwagen inzwischen auf den meisten Strecken ersetzt. Zuletzt war der Intercity 1 nur noch auf wenigen, touristisch geprägten Verbindungen unterwegs, unter anderem nach Sylt und ins Allgäu. Dort übernahm der ICE L die Fahrten seit Mai beziehungsweise Juli 2026.
Die letzte reguläre Verbindung zwischen Köln und Gera wurde im September 2026 wegen Bauarbeiten eingestellt. Damit endet der planmäßige Einsatz des Intercity 1 endgültig. Ein Zugtyp, der den schnellen, vertakteten Bahnverkehr in Deutschland und Europa geprägt hat, verschwindet aus dem Alltag – nicht aus der Erinnerung.
Mehr ICE, mehr Doppelstockzüge
Die Deutsche Bahn verfügt nach eigenen Angaben heute über rund 400 ICE. Etwa die Hälfte dieser Flotte ist jünger als zehn Jahre; laut DB handelt es sich um die modernste ICE-Flotte ihrer Geschichte. Die Erneuerung läuft weiter: Für 2026 sind 16 ICE 3neo und neun ICE L vorgesehen, im Schnitt kommt damit ungefähr alle zwei Wochen ein neuer Zug hinzu – oder, wie die Bahn rechnet, durchschnittlich zwei neue ICE pro Monat.
Für kleinere Städte und Regionen bleiben die rund 70 doppelstöckigen Intercity-2-Züge wichtig. Sie bringen den Fernverkehr auch dorthin, wo kein ICE durchrauscht. Bei den jüngsten Zugtypen, darunter ICE 4 und ICE 3neo, liegt die Verfügbarkeit laut Bahn bei rund 90 Prozent. Verbesserte Wartungskonzepte senkten den Anteil von Antriebsstörungen bei der Erstbereitstellung zwischen 2019 und 2025 um 56 Prozent. Auch Störungen an Toiletten, Bordküchen und Klimaanlagen gingen bei der Erstbereitstellung in den vergangenen Jahren deutlich zurück – für Reisende klingt das weniger glamourös, ist aber spürbar.
Was der ICE L mitbringt
Der ICE L ist ein neuer Fernverkehrszug, den die Deutsche Bahn beim spanischen Hersteller Talgo bestellt hat. Das „L“ steht für „Low Floor“, also den Niederflureinstieg. Der stufenlose Zugang soll die Barrierefreiheit verbessern. Statt herkömmlicher Drehgestelle kommen Einzelradfahrwerke zum Einsatz. Sie sind leichter und reduzieren dadurch Gewicht und Energieverbrauch des Zuges.
Vorgesehen ist der ICE L für Direktverbindungen in touristische Regionen und für internationale Strecken. Er besteht aus einer Mehrsystemlokomotive und 17 Wagen. Auf nicht elektrifizierten Teilstrecken ziehen Zweikraft-Lokomotiven den Zug weiter – praktisch, wenn die Oberleitung irgendwo endet und die Reise trotzdem nicht gleich Schluss haben soll.
Im Zug gibt es 562 Sitzplätze: 85 in der ersten und 477 in der zweiten Klasse. WLAN, Bordrestaurant und Bordbistro gehören ebenso zur Ausstattung wie ein modernes Fahrgastinformationssystem. Familien bekommen einen abgetrennten Kleinkindbereich mit Spielfläche. Dort stehen 46 Plätze im Familienbereich und neun Plätze im Kleinkindbereich zur Verfügung, außerdem vier Stellplätze für Kinderwagen.
Für Rollstuhlfahrer sind drei spezielle Plätze mit elektrisch höhenverstellbaren Tischen vorgesehen. Acht Fahrräder können ebenfalls mitfahren. Gerade auf den touristischen Strecken, auf denen der ICE L den Intercity 1 ersetzt, dürfte das für manche Reiseplanung wichtiger sein als jede Hochglanzbroschüre.
Ausstellung in Wiesbaden
In Wiesbaden zeigt die Bahn Fahrzeuge aus 55 Jahren Intercity-Geschichte. Zu sehen sind Wagen aus den Anfangsjahren und eine Lokomotive der Baureihe 103, die lange als Symbol des Intercity-Verkehrs galt. Wer davorsteht, hört vielleicht kein Bordrestaurant klappern und keinen Lautsprecheranschluss am selben Bahnsteig – aber ein Stück Bahngeschichte steht dort tatsächlich zum Anfassen bereit.
Quelle: Wochenblatt Reporter
Quelle: Deutsche Bahn
Quelle: Deutsche Bahn – ICE L
