Der Bahnhof Ansbach ist „Bahnhof des Jahres 2026“. Die Allianz pro Schiene hat den mittelfränkischen Bahnhof ausgezeichnet. Ausschlaggebend war für die Jury das Gesamtkonzept der mehrjährigen Sanierungs- und Renovierungsarbeiten – nicht nur am Gebäude, sondern auch im Umfeld.

Der Bahnhof stammt aus den 1950er-Jahren und ist damit ein Nachkriegsbau. Heute empfängt er Reisende mit einer hellen, lichtdurchfluteten Wartehalle, großer Fensterfront, moderner Beleuchtung und einer gegenüberliegenden Uhrenwand. Statt der üblichen Metallbänke stehen dort geschwungene Holzbänke. An den Gleisen ergänzen teilweise begrünte Sitzplätze das Angebot. Die Atmosphäre, so die Jury, sei angenehm; die Gestaltung gehe über die reine Funktionalität hinaus.

Kurze Wege, viel Service

Auch die Verbindung mit der Stadt überzeugte die neunköpfige Jury. Der Busbahnhof liegt unmittelbar vor dem Bahnhofsgebäude, Infosäulen weisen zu den Bussteigen und zu Zielen in Ansbach. Pkw und Taxis können über die Seitenbereiche vorfahren, ohne die Fußwege zu kreuzen. Rund um den Bahnhof gibt es mehrere Parkmöglichkeiten, ein Park-and-Ride-Parkplatz ist über den Südausgang erreichbar.

Für Radfahrer wurden die Abstellanlagen auf beiden Bahnhofsseiten ausgebaut. Die modernen, überwiegend überdachten Plätze liegen mit kurzen Wegen an den Gleisen. Für hochwertige Fahrräder gibt es abschließbare Fahrradboxen beziehungsweise geschützte Bereiche. An Service-Säulen stehen Luftpumpen und Werkzeug für kleinere Reparaturen bereit. Wer zu Fuß unterwegs ist, kommt schnell zu den Bahnsteigen.

Im Gebäude befinden sich ein montags bis samstags geöffnetes Reisezentrum und ein Zeitschriftenladen. Hinzu kommen gastronomische Angebote von Subway und Yorma’s mit Sitzplätzen und Außer-Haus-Verkauf. In der Yorma’s-Filiale gibt es außerdem regionale Spezialitäten aus der Region Ansbach. Auf den Bahnsteigen stehen Gepäckschließfächer, im Bahnhof gibt es eine Packstation einschließlich eines anbieterübergreifenden Bereichs, eine Servicestelle mit Personal und in der Wartehalle einen Defibrillator.

Eine moderne öffentliche Toilette liegt auf dem Bahnhofsvorplatz. Dort sorgen auch Bäume für zusätzliches Grün und Schatten. Grünbereiche mit Sitzgelegenheiten neben dem überdachten Zugang zu den Bahnsteigen dienen zugleich als Lebensraum für Pflanzen und Insekten. Selbst die Farbgestaltung zieht sich durch: Der türkise Farbton des Außenbereichs taucht im Gebäude unter anderem bei Bodenbelägen, Bahnsteigaufgängen und Abfallbehältern wieder auf.

Geschichte an den Wänden, Nüchternheit im Tunnel

Fotografien und Informationen an den Wänden erläutern die Geschichte des Bahnhofs. In der Toilettenanlage erinnern Bilder an das im Krieg zerstörte frühere Bahnhofsgebäude und an das ehemalige Postamt. Ein kleines Detail, das man leicht übersieht – und dann doch länger hinschaut.

Ganz ohne Hausaufgaben entließ die Jury den Bahnhof allerdings nicht. Die saubere Unterführung zwischen den Bahnsteigen und dem Südausgang wirke nüchtern und steril. Farbakzente, türkise Elemente oder Motive aus Stadt und Region könnten sie freundlicher machen. Außerdem fehlt am Ausgang zum Busbahnhof eine Echtzeitanzeige für Busabfahrten. Der kurze Weg zwischen Bahnhofsgebäude und Busbahnhof könnte überdacht werden.

Wünschenswert wäre zudem ein flächendeckendes, bahnhofsweites WLAN. Derzeit müssen Fahrgäste ihr eigenes Internet nutzen. Ein kleiner Komfortmangel, gewiss – aber einer, den man spätestens dann bemerkt, wenn der Zug Verspätung hat und der Handy-Akku schon bedenklich rot blinkt.

Der achte bayerische Bahnhof mit dem Titel

Die Allianz pro Schiene vergibt die Auszeichnung seit 2004 jährlich. Ansbach ist der 23. Gewinner insgesamt und der achte Bahnhof in Bayern. Vor ihm erhielten Oberstdorf (2006), Landsberg am Lech (2007), Aschaffenburg (2012), Murnau (2013), Bayerisch Eisenstein (2017), Altötting (2020) und Coburg (2022) den Titel.

Bewertet wird aus Sicht der Reisenden. Zu den Kriterien der neunköpfigen Jury gehören die Informationsverfügbarkeit, Verbindungen zu anderen Zügen und Verkehrsmitteln, Serviceeinrichtungen und Sehenswürdigkeiten, Sauberkeit, der bauliche Zustand sowie die Berücksichtigung unterschiedlicher Mobilitäts- und Reisebedürfnisse. Die Jury bezeichnete den neu gestalteten Ansbacher Bahnhof als gelungenes Beispiel für einen modernen, kundenorientierten Verkehrsknotenpunkt.

Von Hannover bis Ansbach

Ein Blick auf die komplette Reihe zeigt, wie breit die Auszeichnung angelegt ist. 2004 gingen die Titel an Hannover Hbf in Niedersachsen als Großstadtbahnhof und an Lübben (Spreewald) in Brandenburg als Kleinstadtbahnhof. 2005 folgten Mannheim Hbf in Baden-Württemberg und Weimar in Thüringen. 2006 wurden Hamburg Dammtor in Hamburg und Oberstdorf in Bayern ausgezeichnet, 2007 Berlin Hbf in Berlin und Landsberg (Lech) in Bayern.

2008 waren Karlsruhe Hbf in Baden-Württemberg und Schwerin Hbf in Mecklenburg-Vorpommern an der Reihe. 2009 kamen Erfurt Hbf in Thüringen und Uelzen in Niedersachsen hinzu. 2010 folgten Darmstadt Hbf in Hessen und Baden-Baden in Baden-Württemberg, 2011 Leipzig Hbf in Sachsen und Halberstadt in Sachsen-Anhalt.

Im Jahr 2012 erhielt Bremen Hbf in Bremen den Titel als Großstadtbahnhof, Aschaffenburg Hbf in Bayern als Kleinstadtbahnhof; der Sonderpreis Tourismus ging an Bad Schandau in Sachsen. 2013 wurden Göttingen in Niedersachsen und Oberursel (Taunus) in Hessen ausgezeichnet, Murnau in Bayern erhielt den Sonderpreis Tourismus. 2014 folgten Dresden Hbf in Sachsen und Hünfeld in Hessen.

2015 gab es den Titel „Bahnhof des Jahres“ für Marburg (Lahn) in Hessen sowie den „Tourismusbahnhof des Jahres“ für die Talstation Obstfelderschmiede und die Bergstation Lichtenhain der Oberweißbacher Bergbahn in Thüringen. 2016 wurden Stralsund Hbf in Mecklenburg-Vorpommern und Steinheim (Westf.) in Nordrhein-Westfalen ausgezeichnet. 2017 gingen die Titel an Lutherstadt Wittenberg Hbf in Sachsen-Anhalt und Bayerisch Eisenstein in Bayern als Tourismusbahnhof.

2018 erhielten Eppstein in Hessen und Winterberg (Westf.) in Nordrhein-Westfalen den Titel. 2019 folgten Bad Bentheim in Niedersachsen und Cuxhaven in Niedersachsen mit einem Sonderpreis. 2020 wurde Altötting in Bayern ausgezeichnet, Rottenbach in Thüringen bekam den Sonderpreis. 2021 kamen Cottbus Hbf in Brandenburg und Ostseebad Kühlungsborn West in Mecklenburg-Vorpommern hinzu.

2022 ging der Titel an Coburg in Bayern. 2023 wurden Halle (Saale) Hbf in Sachsen-Anhalt und Nordhorn in Niedersachsen ausgezeichnet. 2024 folgten Bautzen in Sachsen und Sörup in Schleswig-Holstein mit einem Sonderpreis. 2025 erhielt Magdeburg Hbf in Sachsen-Anhalt den Titel. Seit 2026 steht Ansbach in Bayern in dieser Liste.