Baustellenherbst am Bahnknoten Mainz: S-Bahnen und Regionalzüge auf Umwegen
Am Bahnknoten Mainz wird auch im Herbst 2026 gebaut. Für Pendler im Rhein-Main-Gebiet bedeutet das: keine längerfristigen Streckensperrungen mehr, zumindest voraussichtlich. Die meisten Arbeiten in den kommenden Wochen laufen nachts. Die seit Ende 2025 laufende Sanierung und Modernisierung liegt nach Angaben der Deutschen Bahn im Zeitplan – kleinere Einschränkungen bleiben bis zum Jahresende trotzdem nicht aus.
Heute, am 8.10.2026, lohnt deshalb ein genauer Blick auf die Verbindung. Gerade spätabends und frühmorgens können sich Fahrzeiten ändern, Züge ausfallen oder Busse übernehmen. Und weil mehrere Sperrungen ineinandergreifen, können sich Ausfälle und Ersatzkonzepte zeitlich noch ändern.
S-Bahnen: Umleitungen und Ersatzbusse in der Nacht
Bei der S8 wird vom 9. bis 14. November jeweils zwischen 22 und 4 Uhr über den Fernbahnhof des Frankfurter Flughafens umgeleitet. Zwischen Raunheim und Gateway Gardens fahren Ersatzbusse. In den Nächten vom 12. auf den 13. sowie vom 13. auf den 14. November verkehren außerdem keine S8-Züge zwischen Frankfurt-Flughafen-Fernbahnhof und Wiesbaden Hauptbahnhof. Ersatzbusse verbinden dann Mainz und Wiesbaden sowie Mainz und Frankfurt-Gateway Gardens.
Die S9 ist bereits vom 9. Oktober bis 2. November betroffen: Nachts zwischen 21 und 5 Uhr kommt es zu Teilausfällen zwischen Kelsterbach und Wiesbaden Hauptbahnhof. Vom 9. bis 14. November fällt die Linie nachts zwischen 22 und 4 Uhr zwischen Frankfurt-Stadion und Wiesbaden Hauptbahnhof aus.
Auch bei der S-Bahn Rhein-Neckar wird es ungemütlich. Bei den Linien S5 und S6 Richtung Mainz endet vom Abend des 23. bis zum Abend des 30. Oktober jede zweite Fahrt bereits in Bodenheim. Ab dem 6. November, 21 Uhr, entfallen beide Linien vollständig; ein Bus-Ersatzverkehr ist vorgesehen.
Regionalzüge fahren auf Umwegen
Für die Regionalzüge beginnt die nächste Baustellenrunde am 16. Oktober: Bei RE4 und RE14 kommt es bis zum 26. November zu unterschiedlich terminierten Teilausfällen zwischen Worms beziehungsweise Mainz und Frankfurt.
RE2 und RE3 werden vom 23. Oktober, 21 Uhr, bis zum Morgen des 26. Oktober zwischen Frankfurt und Mainz über Frankfurt-Höchst umgeleitet. Rüsselsheim und der Flughafen liegen dann nicht auf dem Laufweg. Beim RE3 entfällt vom 9. bis 14. November außerdem in den Nachtstunden der Halt am Flughafen.
Beim RB75 entfallen zwischen dem 23. Oktober und 6. November in Randzeiten zahlreiche Fahrten zwischen Groß-Gerau und Wiesbaden Hauptbahnhof. Am 7. November fallen abends Züge zwischen Darmstadt und Wiesbaden aus. Wer da mit Koffer, Werkzeugtasche oder müdem Kopf am Bahnsteig steht, sollte lieber zweimal auf die Anzeige schauen.
Großes Projekt bis 2030
Die Deutsche Bahn saniert und modernisiert den Eisenbahnknoten Mainz schrittweise bis 2030. Betroffen sind Strecken von Mainz in Richtung Frankfurt, nach Groß-Gerau, nach Worms, nach Alzey, an den Mittelrhein und nach Wiesbaden. Ein Schwerpunkt ist der Bau des digitalen Stellwerks Mainz, kurz DSTW Mainz.
Die Baumaßnahmen führen zu Einschränkungen im Zugverkehr. Der RMV fasst die laufenden Einschränkungen und Anpassungen rund um Mainz fortlaufend zusammen. Detaillierte Angaben stehen in den Fahrgastinformationen und in der elektronischen Fahrplanauskunft. Vor der Abfahrt sollten Fahrgäste die möglichen Verbindungen in der RMV-Fahrplanauskunft prüfen; für mobilitätseingeschränkte Personen wird dort ausdrücklich die Suche nach barrierefreien Fahrten empfohlen.
Einige Linien werden über Mainz-Kastel umgeleitet. Der Bahnhof Mainz-Kastel ist allerdings nur eingeschränkt barrierefrei. Fahrtberechtigungen werden während der Bauarbeiten auch dann als gültige Tickets anerkannt, wenn sie wegen der Umleitungen in eigentlich nicht freigegebenen Tarifgebieten genutzt werden. Weitere Informationen gibt es auf der Projektseite zum DSTW Mainz.
Zwischen digitalem Stellwerk und altem Funk
Der Blick über Mainz hinaus zeigt, warum solche Projekte nicht mal eben erledigt sind. Eine Analyse mit Stand Juni 2026 weist selbst darauf hin, dass Rückmeldungen und Kennzahlen ihres Prototyps illustrative Beispiele und keine realen Betriebsdaten sind. Sie beschreibt zugleich eine Bahn-Infrastruktur, in der moderne Vorhaben und alte Abhängigkeiten dicht nebeneinanderliegen.
Der Bahnfunk GSM-R wurde um 2000 eingeführt und verfügt über kein redundantes Backup. Laut dem Artikel legte ein Ausfall am 24. Juni 2026 den gesamten Zugverkehr lahm; Folgeverspätungen dauerten bis Mittwoch, 6 Uhr, an. Der Nachfolger FRMCS auf 5G-Basis ist beschlossen, die Migration läuft. Eine vollständige Umstellung gilt jedoch nicht vor 2030 als realistisch. Für die Übergangszeit fehlt ein Backup-Funknetz.
Auch bei den Stellwerken ist die Lage nicht überall taufrisch: Zahlreiche Anlagen entsprechen technisch dem Standard der 1970er-Jahre. Digitale Stellwerke werden seit Jahren angekündigt, doch ein flächendeckender verbindlicher Zeitplan fehlt. Pilotprojekte laufen. Für den Rollout des Gesamtnetzes gibt es weiterhin keinen verbindlichen Terminplan.
Die Analyse führt mehrere frühere Entscheidungen und Versäumnisse an. In den 1990er- und 2000er-Jahren wurden im Zuge der Vorbereitung auf einen Börsengang Investitionen reduziert und Strecken stillgelegt; daraus entstand ein struktureller Instandhaltungsrückstand. Im Jahr 2000 wurde GSM-R als Ersatz für den Analogfunk ohne redundantes Backup-Design eingeführt – ein Single Point of Failure bis heute. Zwischen 2015 und 2022 wurde der FRMCS-Standard beschlossen, aber kein beschleunigter Migrationsplan festgelegt. Deutschland nutzt damit auch 2026 noch ein 26 Jahre altes System.
Stuttgart 21 wurde 2009 trotz Bürgerprotesten und einer ursprünglichen Kostenschätzung von 2,6 Milliarden Euro begonnen. Laut Artikel sind inzwischen mehr als 12 Milliarden Euro gebunden; die Eröffnung wird frühestens 2030 erwartet. Die seit 2009 gebundenen Mittel bezeichnet der Artikel als entgangene Investitionsmöglichkeiten für das übrige Netz.
Hinzu kommen laufende Genehmigungsverfahren von bis zu neun Monaten. Modernisierungsprojekte ziehen sich dadurch über etwa ein Jahrzehnt. Ein öffentliches Echtzeit-Dashboard für Streckenstörungen fehlt, ebenso ein öffentliches Infrastruktur-Reporting; eine gesetzliche Verpflichtung dafür gibt es nicht.
Der Bund plant laut Artikel bis 2029 Investitionen von 169 Milliarden Euro in die Schieneninfrastruktur, davon sollen mehr als 33 Milliarden Euro auf 2026 entfallen. Zwischen Investitionszusagen und tatsächlichen Ausgaben klafft im Infrastrukturbau allerdings regelmäßig eine Lücke. Verzögerungen entstehen insbesondere durch Genehmigungszeiten, begrenzte Planungskapazitäten bei Bund und Ländern sowie Priorisierungsentscheidungen. Als mögliche Engpässe nennt der Artikel Funknetze, Stellwerke und die Infrastruktur digitaler Leitstellen.
Im Kernnetz ist ETCS in Umsetzung, eine vollständige Netzabdeckung wird laut Artikel aber erst in Jahrzehnten erwartet. Eine automatische Fahrgastentschädigung gibt es ebenfalls nicht, obwohl sie technisch möglich wäre; der politische Wille fehle. In Mainz klingeln derweil nachts die Baustellenhandys, Busse übernehmen einzelne Abschnitte, und die nächste Abfahrtszeit steht vielleicht schon wieder anders in der App.
