Die Bahnstrecke zwischen Hamburg und Hannover soll zusätzlich zur geplanten Neubaustrecke saniert und ausgebaut werden. Spätestens 2034 sollen die zusätzlichen Arbeiten erledigt sein. Grundlage ist eine Beschlussempfehlung des Verkehrsausschusses; der Bundestag soll am Donnerstag, dem 8. Oktober 2026, darüber entscheiden. Die Zustimmung gilt als wahrscheinlich.

Die Arbeiten an der bestehenden Strecke können nicht mehr vollständig in die für 2029 geplante Generalsanierung hineingepackt werden. Sie sollen deshalb anschließend folgen. Veranschlagt sind insgesamt 250 Millionen Euro, deren Finanzierung der Bund sicherstellen soll. Die Neubaustrecke bleibt von diesen Maßnahmen unberührt.

Lärmschutz, Weichen und mehr Spielraum im Betrieb

An stark belasteten Abschnitten sollen kurzfristig Lärmschutzwände mit einer Gesamtlänge von mehr als acht Kilometern entstehen. Vorgesehen sind sie in Unterlüß im Landkreis Celle, in Suderburg, Klein Bünstorf, Bad Bevensen und Bienenbüttel im Landkreis Uelzen sowie in Deutsch Evern und Lüneburg im Landkreis Lüneburg.

Zusätzliche Überleitstellen sollen flexiblere Gleiswechsel ermöglichen, unter anderem in Großburgwedel und Radbruch. Weitere Weichen sollen vor allem bei Baustellen und Störungen helfen, Zugausfälle zu vermeiden. Die Strecke war nach Angaben der Deutschen Bahn zuletzt zu 147 Prozent ausgelastet. Viel los also, Tag für Tag.

Mehr Kapazität verspricht sich die Bahn außerdem von einer verbesserten Gleisanordnung im Bahnhof Winsen, schnelleren Gleiswechseln im Bahnhof Stelle und dem Wiedereinbau von Weichen im Rangierbahnhof Maschen. Die bestehenden Fernverkehrshalte sollen erhalten bleiben.

Ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen ist zunächst nicht vorgesehen. Der Verkehrsausschuss begründet das damit, dass der Engpass dadurch nicht gelöst und der Deutschlandtakt nicht ermöglicht werde. Die jetzt geplanten Arbeiten sollen einen späteren dreigleisigen Ausbau allerdings nicht verhindern. Die Option bleibt also auf dem Tisch.

Was 2029 auf der Strecke passieren soll

Für die Generalsanierung 2029 ist eine sechsmonatige vollständige Streckensperrung vorgesehen. Die Sanierung war ursprünglich für 2026 geplant und sollte etwa ein halbes Jahr dauern. Auf Vorschlag des niedersächsischen Verkehrsministers Olaf Lies wurde sie auf 2029 verschoben. Die zusätzliche Zeit sollte für Planungen erster Alpha-E-Ausbaumaßnahmen zwischen Lehrte und Hamburg-Harburg genutzt werden.

Während der Generalsanierung sind zahlreiche Arbeiten vorgesehen: der zweigleisige Ausbau am Nordkopf beziehungsweise auf der Westseite des Bahnhofs Lüneburg, die Reaktivierung von Gleis 141 in Lüneburg, der dreigleisige Ausbau der Eisenbahnüberführung Altenbrückertorstraße, die Verlängerung des Ausziehgleises und ein Überholgleis in Bienenbüttel.

Hinzu kommen eine Überleitstelle in Lüneburg West einschließlich eines neuen Bahnsteigs, ein neuer Bahnsteig an Gleis 105 in Uelzen, eine Überleitstelle in Emmendorf, neue Weichen in Bardowick und die Elektrifizierung von Weichen in Uelzen. Geplant sind außerdem eine Überleitstelle in Lüneburg samt Bahnsteigverlängerung sowie weitere betriebliche Verbesserungen im Bahnhof Lüneburg, die DB InfraGO noch prüfen soll.

Ein Bahnsprecher bestätigte, dass ein Großteil der Arbeiten 2029 umgesetzt werden soll. Was in der Sperrpause nicht fertig wird, soll anschließend nachgeholt werden. Nach Angaben der DB könnten die Maßnahmen bis zu 15 zusätzliche Zugverbindungen zwischen 6 und 22 Uhr ermöglichen. Ende 2023 war die Finanzierung der vorgesehenen Arbeiten – mit Ausnahme der Lärmschutzwände – gesichert.

Bei der Generalsanierung soll außerdem das digitale Zugsteuerungssystem ETCS eingeplant werden. Es kann klassische Lichtsignale ersetzen und dichtere Zugfolgen ermöglichen. Für Eisenbahnunternehmen soll der Auftrag Planungssicherheit schaffen, damit sie ihre Züge entsprechend mit ETCS ausstatten können.

Neubaustrecke mit langer Vorgeschichte

Die Aus- und Neubaustrecke Hannover–Hamburg soll die Kapazität erhöhen und die Fahrzeit zwischen beiden Städten verkürzen. Das Vorhaben wurde 2016 als Teil des „optimierten Alpha-E mit Bremen“ in den Bundesverkehrswegeplan 2030 und den Bedarfsplan für die Bundesschienenwege aufgenommen. Anfang 2018 begannen Grundlagenermittlung und Vorplanung; seit 2023 ist die ABS/NBS Hannover–Hamburg ein eigenständiges Projekt im Bedarfsplan.

Erste Überlegungen für eine schnelle zusätzliche Verbindung gab es bereits in den 1960er-Jahren. Eine damals zwischen Celle und Hamburg geplante Strecke wurde nicht umgesetzt. Frühere Bundesverkehrswegepläne sahen Ausbauten zwischen Maschen, Lüneburg, Uelzen und Lehrte vor.

1992 stellte die Deutsche Bahn wegen der hohen Belastung der Bestandsstrecke die „Y-Trasse“ vor: eine neue Hauptstrecke mit Ästen nach Hamburg, Hannover und Bremen. Ursprünglich war sie für bis zu 300 km/h gedacht, später wurden 250 km/h angesetzt. Dazu kamen der zweigleisige Ausbau der Strecke Langwedel–Visselhövede für 160 km/h und eine später ergänzte, 17 Kilometer lange Neubaustrecke zwischen Isernhagen und Lehrte für den Güterverkehr. Anwohner, der Verkehrsclub Deutschland und Pro Bahn protestierten gegen das Vorhaben.

Das 2015 tagende Dialogforum Schiene Nord empfahl stattdessen „Alpha-E“: den Ausbau mehrerer Bestandsstrecken, die Verteilung des Güterverkehrs auf verschiedene Strecken und ein drittes Gleis zwischen Lüneburg und Uelzen. Das ursprüngliche Alpha-E kam allerdings nur auf ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von 0,6. Wegen mangelnder Wirtschaftlichkeit und unzureichender Wirkung für Nord-Süd- und Personenverkehr wurde es nicht in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen.

Es folgte das „optimierte Alpha-E mit Bremen“ mit einem Nutzen-Kosten-Verhältnis von 1,0, das in den vordringlichen Bedarf aufgenommen wurde. Im Dezember 2016 übernahmen Bundestag und Bundesrat die Projekte des Bundesverkehrswegeplans in den Bedarfsplan des Bundesschienenwegeausbaugesetzes. Die Finanzierungszusage des Bundes für die ABS/NBS Hannover–Hamburg erfolgte im Dezember 2017.

Später teilte das Genehmigungsbeschleunigungsgesetz das Vorhaben auf: in Projektbündel 2, die ABS/NBS Hannover–Hamburg, und Projektbündel 3 mit den übrigen Alpha-E-Maßnahmen und weiteren Projekten. Der Name „Optimiertes Alpha-E mit Bremen“ wurde aus dem Gesetz gestrichen. Beide Projektbündel erhielten den Status eines „überragenden öffentlichen Interesses“.

Im September 2022 stellte die Deutsche Bahn vier Varianten zur Untersuchung vor. Blau stand für einen durchgehenden Ausbau der Bestandsstrecke auf vier Gleise. Gelb sah weitgehend einen Bestandsausbau mit einer Neubaustrecke als Ortsumfahrung von Uelzen bis hinter Lüneburg vor. Weinrot beschrieb eine nahezu vollständige Neubaustrecke ab Burgwedel entlang der A7, mit abschnittsweisen Abweichungen über Walsrode, Soltau, Bispingen und Garlstorf sowie einer Umfahrung des Horster Dreiecks und des Maschener Kreuzes. Pink führte östlich der Strecke Hannover–Celle über Winsen (Aller), Bergen und Soltau und verlief anschließend wie die weinrote Variante; zusätzlich war eine nördliche Anbindung von Celle vorgesehen.

Für die beiden autobahnparallelen Varianten sind im Norden zwei Anschlüsse an das Hamburger Bahnnetz geplant: entlang der Strecke 2200 für den Personenverkehr und südlich des Rangierbahnhofs Maschen über die Strecke 1280. Der dritte Gutachterentwurf des Deutschlandtakts sieht außerdem mindestens zwei Überholbahnhöfe für 740 Meter lange Güterzüge vor. Pro Bahnhof wurden rund 18 Millionen Euro angesetzt.

Nach Darstellung der DB erfüllt nur eine bestandsferne, überwiegend autobahnparallele Variante gleichzeitig die Anforderungen an Engpassfreiheit, Betriebsqualität, Wirtschaftlichkeit und Deutschlandtakt. Einen Deutschlandtakt-kompatiblen, bestandsnahen Ausbau bewertete die Bundesregierung wegen der hohen Kosten als nicht wirtschaftlich. Die beiden bestandsnahen Varianten kamen auf Nutzen-Kosten-Verhältnisse von unter 0,3.

Im Juni 2025 stellte die Deutsche Bahn ihre Vorplanung vor und erklärte die pinke Variante zur Vorzugsvariante. Sie kam als einzige auf ein Nutzen-Kosten-Verhältnis über 1, nämlich 1,02, erfüllte die betrieblichen und verkehrlichen Anforderungen