Bei der Deutschen Bahn wird das Homeoffice zurückgedreht. Für Beschäftigte mit mobiler Arbeit sollen künftig regelmäßig mindestens drei Präsenztage pro Woche gelten. Laut einer Mail des Konzernvorstands soll die Regelung spätestens bis Ende 2027 im gesamten Unternehmen umgesetzt sein. Heute ist der 7.10.2026 – die Richtung ist damit klar, auch wenn die praktische Umsetzung noch nicht überall gleich aussehen wird.

Wie viele Tage konkret vorgeschrieben werden und wie die Vorgabe im Detail aussieht, kann je nach Gesellschaft unterschiedlich geregelt werden. Zuständig sind die jeweiligen Unternehmensteile. Betroffen ist laut Bahn rund ein Drittel der Belegschaft. Die übrigen Beschäftigten arbeiten schon jetzt täglich vor Ort, vor allem im operativen Eisenbahngeschäft.

Mehr Büro, weniger Spielraum

Bislang galt konzernweit eine Präsenzpflicht von einem Tag pro Woche. Die Regionaltochter DB Regio hat ihre Vorgabe bereits auf drei Präsenztage erhöht. Außerhalb des operativen Zugbetriebs war mobiles Arbeiten seit der Corona-Krise dagegen weit verbreitet.

Die Bahn betont, mehr Präsenz sei kein Instrument zum Personalabbau. Das ist nicht ganz nebensächlich, denn im Zusammenhang mit dem laufenden Konzernumbau unter Bahn-Chefin Evelyn Palla waren zuvor Befürchtungen aufgekommen, die neue Regel könne damit verbunden sein.

Am 25. August befasste sich der Vorstand mit dem Vorhaben, fasste zunächst aber keinen Beschluss. Als möglicher Grund für die Verzögerung gelten erhebliche interne Widerstände. Eine Betriebsratsumfrage bei DB InfraGO fiel jedenfalls deutlich aus: 87 Prozent der Befragten bewerteten eine angeordnete Präsenzpflicht negativ. Genannt wurden unter anderem Nachteile für die persönliche Produktivität und eine schlechtere Planbarkeit des Arbeitsalltags. Das sitzt.

Auch der SPIEGEL berichtet unter Berufung auf eigene Informationen von einer künftigen Präsenzpflicht von drei Tagen pro Woche. Die interne Umfrage zeige demnach erheblichen Widerstand unter den Beschäftigten. Die Regelung betrifft laut dem Bericht außerdem mehr als nur den jeweiligen Arbeitsort.

Die Bahn folgt einem breiteren Trend

Der Schritt kommt nicht aus dem Nichts. In Deutschland arbeiten rund 24 bis 24,5 Prozent der Beschäftigten zumindest teilweise von zuhause. Seit 2021 bewegt sich die Quote relativ stabil zwischen etwa 23 und 25 Prozent. 2019 waren es erst 13 Prozent, der aktuelle Anteil liegt also fast doppelt so hoch. Während der Pandemie erreichte die Quote 2021 rund 27 Prozent; inzwischen wird Homeoffice allerdings an weniger Tagen genutzt.

54 Prozent arbeiten hybrid – zehn Prozentpunkte weniger als im Vorjahr. 43 Prozent sitzen ausschließlich im Büro, gegenüber 2024 ein Anstieg um 13 Prozentpunkte. Vollständig remote arbeiten 3 Prozent. Im Schnitt werden 3,6 Bürotage pro Woche angegeben.

Viele Unternehmen verschärfen ihre Regeln. Amazon verlangte ab Januar 2025 fünf Bürotage pro Woche, JP Morgan Chase ab April 2025 ebenfalls fünf. Deutsche Bank und SAP setzten 2024/2025 auf drei bis vier Bürotage. Bei Meta/Instagram gelten ab Februar 2026 fünf Bürotage, Microsoft verlangt seit Februar 2026 drei.

Der Anteil der Unternehmen, die Anwesenheit kontrollieren, stieg laut dem Bericht von 17 Prozent im Jahr 2024 auf 37 Prozent. 30 Prozent der Unternehmen planten bis 2026 eine Reduzierung von Fernarbeit. Vollzeit-Homeoffice geht demnach in allen Bundesländern zurück.

Regional bleibt die Landkarte ziemlich bunt: Hamburg kommt auf eine Homeoffice-Quote von 35,6 Prozent, Berlin auf 31,2 Prozent, Hessen auf 27,4 Prozent und Bayern auf 24,5 Prozent. Deutschland insgesamt liegt laut Mikrozensus 2024 bei 22,7 Prozent. Thüringen erreicht 13,5 Prozent, Sachsen-Anhalt 10,9 Prozent. Stadtstaaten und Regionen mit vielen Dienstleistungsarbeitsplätzen liegen damit klar vor ostdeutschen Flächenländern, in denen der Produktionsanteil höher ist.

Produktivität, Pendeln und ein bisschen Bürotheater

Die Argumente liegen auf beiden Seiten. 87 Prozent bewerten ihre Produktivität im Homeoffice als gleich oder höher. Eine weitere Angabe nennt 87 Prozent der Arbeitgeber und 89 Prozent der Beschäftigten, die das so sehen. Unter den Hybrid-Beschäftigten fühlen sich 50 Prozent produktiver als Menschen, die ausschließlich im Büro arbeiten; bei den reinen Bürokräften beträgt der Vergleichswert 27 Prozent.

Eine Studie der Universität Konstanz berichtet allerdings keine messbaren Produktivitätsgewinne durch verpflichtende Präsenz. Gleichzeitig stellt sie eine steigende psychische Belastung im Zusammenhang mit Return-to-Office-Regeln fest. Genau hier liegt der Knackpunkt: Anwesenheit lässt sich zählen, gute Zusammenarbeit nicht so leicht.

Durch den wegfallenden Arbeitsweg sparen Beschäftigte durchschnittlich 54 Minuten am Tag. Ein Homeoffice-Tag kostet nach den Angaben etwa 10 Euro, ein Bürotag für Pendeln und Verpflegung rund 30 Euro. Mehr Zeit für Familie und Freizeit sowie eine bessere Vereinbarkeit von Arbeit und Privatleben zählen zu den häufig genannten Vorteilen.

Ganz gemütlich ist die Sache trotzdem nicht. 61 Prozent fühlen sich zeitweise einsam. Dazu kommen die Vermischung von Arbeits- und Privatleben, technische Probleme und mögliche Nachteile durch geringere Sichtbarkeit im Unternehmen. 41 Prozent betreiben laut dem Bericht „Coffee Badging“ – sie schauen kurz im Büro vorbei, damit die Anwesenheit im System oder im Gedächtnis bleibt.

Zwischen Baucontainer und Bildschirm

Im Bahnbau ist Homeoffice naturgemäß nur für bestimmte Tätigkeiten möglich. Wer auf der Baustelle, an Gleisen oder im operativen Eisenbahngeschäft arbeitet, kann nicht einfach den Laptop aufklappen und die Schicht aus dem Wohnzimmer steuern. In der Baubranche arbeiten etwa 5 Prozent zumindest teilweise von zuhause; je nach Abgrenzung werden 4,6 bis 12,5 Prozent genannt. Tätigkeitsart und Baustellenbetrieb setzen hier enge Grenzen.

Ähnlich sieht es im Handel mit etwa 12,5 Prozent und im Gesundheitswesen mit rund 6 Prozent aus. Im verarbeitenden Gewerbe liegt der Anteil bei 16,9 Prozent; 48 Prozent der Unternehmen bieten Homeoffice an, 57 Prozent planen bis 2026 einen Ausbau. In IT-Dienstleistungen arbeiten dagegen 75 bis 80 Prozent zumindest teilweise von zuhause, 82 Prozent der Unternehmen bieten mindestens einen Homeoffice-Tag an und 88 Prozent planen einen Ausbau. Finanzdienstleistungen kommen auf 60 bis 80 Prozent, zugleich wächst dort der Druck zur Rückkehr ins Büro. Beratung und Consulting liegen bei 55 bis 70 Prozent, die öffentliche Verwaltung bei 25 bis 40 Prozent.

Für Arbeitgeber kann weniger Bürofläche Einsparungen von 30 bis 50 Prozent bringen. Hinzu kommen ein größerer, standortunabhängiger Talentpool, höhere Mitarbeiterzufriedenheit und laut den Angaben 23 Prozent weniger Fluktuation. Dem stehen Investitionen in IT-Infrastruktur, erschwerte Teamführung, mögliche geringere Teamkohäsion sowie Datenschutz- und Sicherheitsrisiken gegenüber.

Rechtlich gibt es in Deutschland keinen allgemeinen Anspruch auf Homeoffice. Ein Homeoffice-Gesetz wurde in seiner ursprünglichen Form nicht verabschiedet. Beschäftigte können Homeoffice beantragen; Arbeitgeber müssen den Antrag prüfen und eine Ablehnung mit sachlichen betrieblichen Gründen begründen.

Dabei ist die Unterscheidung wichtig: Homeoffice beziehungsweise Telearbeit meint einen festen häuslichen Arbeitsplatz mit Arbeitgeberpflichten. Mobiles Arbeiten ist ortsunabhängig und kommt ohne fest eingerichteten Arbeitsplatz zuhause aus. Remote Work dient als Sammelbegriff für Arbeit außerhalb des Büros. Für Homeoffice gelten Arbeitsschutz- und Ergonomieanforderungen, außerdem müssen auch zuhause die Datenschutzvorgaben der DSGVO eingehalten werden.

Steuerlich können 6 Euro pro Homeoffice-Tag geltend gemacht werden, höchstens 1.260 Euro für 210 Tage. Alternativ lassen sich tatsächliche Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer absetzen, wenn die gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind und der Raum ausschließlich beruflich genutzt wird.

Empfohlen werden ein fester ergonomischer Arbeitsplatz, klare Arbeitszeiten, bewusste Pausen und regelmäßige Kommunikation. Soziale Kontakte und gemeinsame Präsenztage sollen gezielt gepflegt werden. Arbeitgeber sollten transparente Homeoffice-Regeln und Erreichbarkeitszeiten festlegen sowie notwendige Arbeitsmittel wie Laptop, Monitor und Headset bereitstellen. Führung sollte stärker ergebnisorientiert erfolgen, nicht bloß anhand der Anwesenheit; gemeinsame Bürotage und Schulungen für Führungskräfte im Remote-Management gehören ebenfalls auf die Liste.