Bei der Deutschen Bahn steht eine neue Homeoffice-Regelung bevor. Nach Informationen des SPIEGEL plant der Konzern, für viele Mitarbeitende wieder eine Präsenzpflicht von drei Tagen pro Woche einzuführen. Der entsprechende Artikel wurde am 7. Oktober 2026 veröffentlicht. In Bahnbau sorgt der Vorstoß bereits für Gesprächsstoff – und innerhalb des Unternehmens für erheblichen Widerstand.

Eine interne Umfrage belegt die Kritik an der geplanten Einschränkung des Homeoffice. Für Beschäftigte in Bürojobs würde sich damit der Arbeitsalltag spürbar verändern: Statt flexibel mobil zu arbeiten, sollen sie künftig regelmäßig mindestens drei Tage pro Woche vor Ort sein.

Neue Vorgabe soll bis Ende 2027 gelten

Die Deutsche Bahn will die verschärfte Regelung bis Ende 2027 im gesamten Konzern umsetzen. Wie die konkrete Ausgestaltung aussieht, entscheiden die jeweiligen Konzerngesellschaften selbst. Wegen der unterschiedlichen Strukturen soll die Regelung nicht überall identisch sein.

Bisher war für mobil arbeitende Bahnmitarbeiter mindestens ein Präsenztag pro Woche vorgeschrieben. Der Vorstand um DB-Vorsitzende Evelyn Palla begründet die Änderung mit dem laufenden Konzernumbau und einer umfassenden Neuausrichtung. Es entstünden neue Strukturen, Teams und Verantwortlichkeiten, heißt es. Regelmäßige persönliche Begegnungen und der direkte Austausch sollten die Zusammenarbeit und den Zusammenhalt stärken.

Rund zwei Drittel der mehr als 200.000 Bahnmitarbeiter arbeiten ohnehin in Bereichen mit Präsenzpflicht – etwa in Zügen, Bussen, Werkstätten, Bahnhöfen oder Leitstellen. Für die übrigen Beschäftigten dürfte die Sache trotzdem nicht geräuschlos über die Bühne gehen. Der „Spiegel“ hatte bereits Mitte September über Widerstand gegen entsprechende Pläne berichtet.

Homeoffice wird auch anderswo zurückgefahren

Die Bahn ist mit dem Kurs nicht allein. Mercedes-Benz will künftig nur noch einen Homeoffice-Tag pro Woche erlauben. Auch Telekom, SAP, Otto und Volkswagen haben ihre Regelungen verschärft. Das Büro ruft also wieder lauter – wobei längst nicht alle gern ans Telefon gehen.

Arbeitspsychologe Hannes Zacher hält grundsätzlich zwei bis drei mögliche Homeoffice-Tage pro Woche für ideal. In diesem Rahmen seien Produktivität und Mitarbeiterzufriedenheit am höchsten. Eine starke Einschränkung des Homeoffice als Reaktion auf eine wirtschaftliche Krise könne dagegen das Gefühl verstärkter Kontrolle auslösen und Widerstand fördern. Am Ende, so Zacher, könne dadurch sogar die Produktivität sinken.

Alte Bürofrage, neue Spannungen

Die Debatte über Homeoffice und Präsenzpflicht ist damit weiterhin aktuell. Unternehmen, Politik und Medien diskutieren darüber, wie eine mögliche Rückkehr der Mitarbeitenden ins Büro gestaltet werden kann. Viele Beschäftigte wünschen sich Flexibilität und Autonomie. Führungskräfte betonen dagegen die Bedeutung direkter Kommunikation, verlässlicher Koordination und des Teamzusammenhalts – besonders dort, wo physische Präsenz den Austausch erleichtert.

Ein Beitrag aus der empirischen Organisationsforschung betrachtet genau diese Spannungsfelder. Untersucht wird, wie sich hybride Arbeit in Deutschland seit Beginn der COVID-19-Pandemie im Jahr 2020 entwickelt hat, aus welchen Gründen Führungskräfte eine Rückkehr ins Büro fordern und warum solche Forderungen bestehen, obwohl Forschungsergebnisse auf weitgehend stabile Produktivität und Zufriedenheit im Homeoffice hinweisen.

Auch die praktischen Folgen für Personalmanagement und Führungsverhalten stehen dabei im Mittelpunkt. Für die Bahn beginnt die nächste Runde nun mit einer klaren Vorgabe – und mit vielen offenen Fragen, die sich vermutlich nicht an jedem Schreibtisch gleich beantworten lassen.