Wer nach Schwichtenberg fährt, einem Ortsteil der Gemeinde Galenbeck im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, landet nicht einfach an irgendeinem Bahnhof. Hier beginnt eine Reise in die Kaiserzeit – langsam, rumpelnd und mit höchstens 10 km/h. Die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn, kurz MPSB, führt heute über 2,6 Kilometer nach Uhlenhorst. Knapp 15 Minuten dauert die Fahrt.

Die Spurweite beträgt 600 Millimeter. Zum Vergleich: Der „Rasende Roland“ auf Rügen fährt auf 750 Millimetern. Im Zug übernimmt Vereinsvorsitzender Roland Milster in historischer Uniform die Rolle des Zugführers und erzählt, was links und rechts der Gleise passiert. Draußen liegen die Friedländer Wiesen: Niedermoorwiesen, Bruchwald, Vogelgeräusche und viel abgelegene Landschaft. Es ist still genug, dass man den Zug beinahe bei jedem Ruck neu hört.

Vom Güterverkehr zum Museumszug

Die Geschichte der MPSB begann mit einer 27 Kilometer langen Wirtschaftsbahn, die zwischen 1888 und 1891 vom Staatsbahnhof Ferdinandshof über Uhlenhorst und Heinrichshöh zur Zuckerfabrik Friedland entstand. Die Mecklenburg-Pommersche Schmalspurbahn AG wurde am 2. Mai 1892 von öffentlichen und privaten Anteilseignern gegründet, ihr Sitz war Friedland. Durch Kaufvertrag vom 23. Juli 1892 ging die Wirtschaftsbahn an die MPSB über.

Am 1. Oktober 1892 nahm die Bahn den öffentlichen Güterverkehr auf, am 1. August 1894 begann der planmäßige Personenverkehr. Die Strecke Friedland–Jarmen war 35 Kilometer lang; dort rollten Güterzüge ebenfalls ab dem 1. Oktober 1892, Personenzüge ab 1893. Die weiteren Strecken wurden zwischen 1892 und 1927 eröffnet.

Das Grundnetz verband Ferdinandshof, Uhlenhorst, Heinrichshöh und Friedland sowie Friedland über Bresewitz, Dennin und Klein Below mit Jarmen. Von Dennin führte eine etwa 21 Kilometer lange Verbindung über Thurow nach Anklam. Eine zweite, rund 19 Kilometer lange Strecke lief von Uhlenhorst über Dargibell nach Anklam; bei Ducherow zweigte eine sieben Kilometer lange Verbindung zur Staatsbahn ab. Beide Anklamer Strecken vereinigten sich vier Kilometer vor Anklam in Gellendin.

Seit 1895 fuhren Personenzüge nach Anklam, Güterzüge konnten dort teilweise schon 1892 verkehren. 1895/96 kamen die Stichbahnen Dennin–Janow mit sieben Kilometern und Anklam–Leopoldshagen mit 18 Kilometern hinzu. Zahlreiche kurze Gutslinien dienten ausschließlich dem Güterverkehr einzelner Rittergüter. Rund 80 Kilometer dieser Linien gehörten nicht der MPSB, sondern den Gutsbesitzern; meist wurden sie nur während der Erntezeit mit Pferden betrieben.

1892 umfasste das Netz 87 Kilometer, 1936 waren es 216 Kilometer. Nach 1900 kamen nochmals etwa 40 Kilometer hinzu. Von 1908 bis 1911 entstand die Strecke Heinrichshöh–Brohm mit Abzweigungen nach Jatzke und Rattey. 1926 wurde von Brohm eine Verbindung nach Groß Daberkow an der Strecke Strasburg–Neustrelitz eröffnet. Dafür nutzte man weitgehend die Trasse der 1917 stillgelegten Woldegker Kleinbahn, die 1893 in 750-mm-Spur von Brohm über Klein und Groß Daberkow nach Woldegk gebaut worden war. Die Abzweige von Klein Daberkow nach Matzdorf und Schönhausen gingen nicht wieder in Betrieb.

Ein großes Netz, ein harter Einschnitt

In den 1940er-Jahren hatte das Netz rund 250 Kilometer und war damit das umfangreichste deutsche Streckennetz mit 600-Millimeter-Spurweite. 1939 besaß vor allem der Landkreis Anklam Aktien der Gesellschaft; weitere Anteilseigner waren das Land Mecklenburg und die Stadt Friedland. Die Zahlen aus dem Jahr 1935 zeigen, was diese Bahn leistete: 77.908 Personen und 390.536 Tonnen Güter. Damit hatte sie den größten Güterverkehr unter den vorpommerschen Kleinbahnen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde der Betrieb 1945 eingestellt, die meisten Strecken wurden als Reparationsleistung abgebaut. Erhalten blieb die 36 Kilometer lange Strecke Friedland–Dennin–Anklam, die von der Mecklenburg-Vorpommerschen Treuhandgesellschaft verwaltet wurde. Weil die Straßenversorgung nicht ausreichte, ordnete die sowjetische Militärregierung 1946 den Wiederaufbau wichtiger Strecken an. Nur ein Teil des Netzes kam zurück.

Am 7. November 1947 begann auf der Stammstrecke Friedland–Ferdinandshof erneut der Personen- und Güterverkehr. Nach dem Ausbau der Landstraßen verloren die Kleinbahnen jedoch an Bedeutung. Eigentümerin der Strecken wurde am 1. April 1949 die Deutsche Reichsbahn. In den 1960er-Jahren legte sie den verbliebenen, etwa 65 Kilometer langen Netzrest schrittweise still: Ferdinandshof–Uhlenhorst am 30. November 1960, der Personenverkehr Uhlenhorst–Friedland am 29. Mai 1965 und der Güterverkehr dort am 1. Juni 1966. Auf Anklam–Dennin–Friedland endete der Personenverkehr am 31. Mai 1969, der Güterverkehr am 29. September 1969.

Seit 1999 bauen Eisenbahninteressierte die Strecke Schwichtenberg–Uhlenhorst wieder auf. Der Verein „Freunde der MPSB e. V.“ wurde bereits 1996 gegründet. In Schwichtenberg liegen heute Depot und Werkstatt. Auf halber Strecke entstand ein Gleisdreieck mit einer Stichstrecke zum Findlingsgarten, die nur in Richtung Uhlenhorst bedient wird. Vorbild war eine private Anschlussbahn von Fleethof.

Loks, Wagen und viel Handarbeit

Mehr als 2,6 Kilometer Gleise gehören inzwischen zur Museumsbahn, regelmäßig fahren auch Dampflokomotiven. Seit Beginn des Museumsbetriebs 1999 wurden etwa 48.000 Fahrgäste befördert. Eine Erwachsenenfahrkarte kostet 3 Euro. Hinter dem kleinen Fahrpreis steckt allerdings eine Menge Arbeit: Ehrenamtliche halten Lokomotiven, Wagen, Gleise und die wiederaufgebaute Strecke instand.

Der Verein kämpft mit hohen Instandhaltungskosten und fehlendem Nachwuchs. Mitglieder kommen aus verschiedenen Teilen Deutschlands, unter anderem aus München. Der Lokführer reist für die Fahrten aus Brandenburg an. Ohne Menschen, die Freizeit und ehrenamtliches Engagement in den Erhalt der Schmalspurbahn stecken, bliebe der Zug wohl bald nur noch eine Erinnerung.

Im Laufe ihrer Geschichte besaß die MPSB insgesamt 44 Lokomotiven, gleichzeitig waren höchstens 24 Triebfahrzeuge im Einsatz. Dazu gehörten Maschinen von Henschel, Jung, Güstrow, Hagans, Vulcan, O&K und HFB, außerdem mehrere Lokomotiven, die später von der Deutschen Reichsbahn als Baureihe 99 geführt wurden. Die Lokomotiven 1II bis 7II erhielten später die Namen „Jacobi“, „Reuss“, „Freiherr von Troschke“, „Kayser“, „Graf Schwerin Löwitz“, „Katter“ und „Rat Voss“.

Nach 1945 wurden mehrere Lokomotiven in die Sowjetunion abgeführt. Die Lokomotive 99 3001 war bis 1958 auf der Strecke Jarmen–Schmarsow unterwegs. Als der Betrieb 1969 eingestellt wurde, waren noch sechs Dampflokomotiven vorhanden. 1938 hatte die MPSB außerdem eine dreifach gekuppelte Kleinlokomotive mit der Betriebsnummer 30 beschafft. Sie arbeitete in der Kiesgrube Heinrichsruh, bewährte sich dort aber nicht und wurde 1956 verkauft. Die Deutsche Reichsbahn setzte auf Jarmen–Schmarsow zusätzlich die Diesellokomotiven Kö 0405 und Kö 0408 ein.

Zahlreiche Originalfahrzeuge blieben nach der Stilllegung erhalten. MPSB-Dampflokomotiven kamen unter anderem nach Frankreich, Güterwagen wurden nach Westdeutschland verkauft. Die Pioniereisenbahn Halle setzte bis 1993 offene „Cabrio-Wagen“ ein, die aus umgebauten MPSB-Güterwagen des späten 19. Jahrhunderts entstanden waren.

Friedland, Findlingsgarten und Fahrtermine

Auch im Museum der Stadt Friedland hat die Bahn ihren Platz. Eine eigene Abteilung zeigt Originalobjekte und Dokumente sowie eine Dampflokomotive. In der Ausstellungshalle am Bahnhof Friedland stehen unter anderem die Dampflokomotive Nr. 4 „KAYSER“, ehemals DR 99 3352, und ein Wismar-Personenwagen.

Für 2026 sind weitere Fahrten angekündigt: Halloween-Fahrten am 31. Oktober, Nikolausfahrten am 5. und 6. Dezember sowie Weihnachtsfahrten am 12. und 13. Dezember. Dann wird es im Zug vermutlich voller und lauter, vielleicht auch ein wenig klebrig von Kinderhänden und Süßigkeiten. Der eigentliche Zauber bleibt trotzdem derselbe: ein kurzer Weg, zehn Stundenkilometer, Waldgeräusche – und irgendwo darunter das alte Knarren der Strecke.

Die MPSB steht dabei nicht allein in Mecklenburg-Vorpommern. Zwischen Bad Doberan und Kühlungsborn-West fährt die Mecklenburgische Bäderbahn „Molli“ auf 900 Millimetern. Die dampfbetriebene Bahn läuft durch enge Straßen in Bad Doberan, an einer Lindenallee und an der ältesten Galopprennbahn Europas vorbei; teilweise ist die Ostsee zu sehen. Zum Fahrzeugbestand gehören 74 Schienenfahrzeuge, darunter fünf Dampflokomotiven der Baureihe 99 und 37 Reisezugwagen.

In Klütz fährt „De lütt Kaffeebrenner“ 6,5 Kilometer nach Reppenhagen auf 600-mm-Feldbahngleisen. Früher wurde Getreide zu Speichern und Mühlen gebracht, wo es unter anderem zu Malzkaffee, „Muckefuck“, verarbeitet wurde. Heute sind dort verschiedene Dampf- und Diesellokomotiven unterwegs, darunter „Krauss“ aus dem Jahr 1921 und „Riesa“ aus dem Jahr 1948. Am Bahnhof Klütz steht außerdem eine Segmentdrehscheibe: Ihr Brückenträger überstreicht nur ein Kreissegment, sodass Fahrzeuge platzsparend auf anschließende Gleise umgesetzt werden können – mit weniger Platzbedarf als bei einer Weiche.

Die Hafenbahn Neustrelitz ist dagegen eine rund fünf Kilometer lange Normalspurstrecke. Sie zweigt an der Abzweigstelle Bürgerhorst von der Strecke Neustrelitz–Groß Quassow ab und endet in der Zierker Nebenstraße. Der Verein Hafenbahn Neustrelitz fährt mit dem Triebwagen VT 772 001 und dem Beiwagen 972 601 auf der Hafenbahn sowie auf weiteren Strecken in Mecklenburg-Vorpommern. Nebenbei pflegen die Vereinsmitglieder das Bahnbetriebswerk Neustrelitz und den Ringlokschuppen.

Und dann ist da noch der „Rasende Roland“: 24 Kilometer Strecke in 750-mm-Spur, von Lauterbach Mole über Putbus, Binz und Sellin bis Göhren. Die Bahn erschließt die bekannten Seebäder im Südosten Rügens, fährt mit Dampflokomotiven und bietet Sonderzüge sowie Ausbildungsmöglichkeiten zum Ehrenlokführer.

Die MPSB wirkt daneben kleiner, beinahe bescheiden. 1888 begann sie als älteste 600-mm-Schmalspurbahn mit einer pferdegezogenen Feldbahn. Heute rumpelt sie wieder zwischen Schwichtenberg und Uhlenhorst, während in Friedland Fahrzeuge und Dokumente an das alte Netz erinnern. Drei Kilometer sind es nicht einmal. Für die ehrenamtlichen Helfer steckt darin trotzdem ein ganzes Stück Bahngeschichte.