Durchschlag im Cornberger Bahntunnel: Neue Röhre erreicht das westliche Portal
Im neuen Cornberger Bahntunnel ist Licht am Ende der Röhre zu sehen: DB InfraGO hat bei Cornberg nach rund fünf Monaten Vortriebsarbeiten den Durchschlag geschafft. Die 681 Meter lange, zweigleisige Tunnelröhre verläuft parallel zum bestehenden Cornberger Tunnel und wurde seit April 2026 vom östlichen zum westlichen Portal vorgetrieben – mit Tunnelbagger und Sprengungen.
Beim Durchschlag trug das Tunnelbauteam die Statue der heiligen Barbara aus dem Bauwerk. Sie war beim Tunnelanschlag geweiht worden und gilt als Schutzpatronin der Bergleute und Tunnelbauer. Für die weiteren Arbeiten wird sie wieder in die Röhre gebracht. Mit dabei war Tunnelpatin Katja Gonzalez Contreras, die Bürgermeisterin von Cornberg.
Ein Neubau neben dem historischen Tunnel
Der alte Cornberger Tunnel wurde zwischen 1872 und 1875 gebaut und 1875 in Betrieb genommen. Nach mehr als 150 Jahren ist seine Geschichte als reguläre Bahnverbindung allerdings vorbei: Wegen zahlreicher Bauschäden sei eine wirtschaftliche Sanierung laut DB nicht mehr möglich, der Tunnel habe das Ende seiner Nutzungsdauer erreicht.
Der Abschnitt zwischen Bebra und Sontra gehört zur Strecke zwischen Frankfurt und Göttingen und wird von Fern- und Regionalverkehr genutzt. Der Neubau soll die langfristige Leistungsfähigkeit der Verbindung sichern und den Fahrkomfort verbessern. Ab Ende 2028 soll der Zugverkehr zwischen Frankfurt und Göttingen durch die neue Röhre laufen.
Ganz verschwinden wird der historische Tunnel trotzdem nicht. Der denkmalgeschützte Bestand bleibt erhalten und sichtbar, ebenso die historischen neuromanischen Portale. Gleise, Oberleitung und technische Ausrüstung werden aus der alten Röhre entfernt. Danach wird sie mit Ausbruchsmaterial aus dem Neubau verfüllt.
Jetzt geht es unter der Sohle weiter
Nach dem Durchschlag ist im Tunnel längst nicht Schluss. In den kommenden Wochen wird im unteren Bereich weiteres Gestein abgetragen, zunächst im sogenannten Strossen- und Sohlvortrieb. Anschließend sichern die Bauteams die Tunnelwände mit Ausbaubögen, Ankern und bewehrtem Spritzbeton. Eine Trennfolie und eine wasserundurchlässige Innenschale folgen danach.
Der Rohbau soll bis Ende 2027 fertig sein. Ab 2028 kommen Schienen, Signale, Oberleitung und weitere technische Sicherheitsanlagen hinzu. Für den Anschluss an die bestehende Strecke baut die Bahn auf knapp vier Kilometern neue Gleise und Weichen – im Tunnelbereich ebenso wie am Bahnhof Cornberg.
Auch außerhalb der Röhre verändert sich einiges. Wegen der neuen Gleislage wird ein Forstweg am Westportal auf rund 60 Metern seitlich verlegt. Zusätzlich erneuert die DB zwei Eisenbahnbrücken aus dem Jahr 1875, eine in Cornberg und eine in Bebra-Rautenhausen. Die Brücke über die Kreisstraße in Cornberg wird verbreitert und künftig für drei Gleise ausgelegt.
Was bei Tunnelsanierungen sonst dazugehört
Der Neubau in Cornberg ist ein eigenes Projekt. Ein Blick auf die Arbeit der Rhomberg Sersa Rail Group zeigt aber, wie breit das Feld bei Bahnprojekten unter schwierigen Rahmenbedingungen ist. Das Unternehmen setzt dafür einen modular einsetzbaren Maschinenpark ein und arbeitet in Österreich, der Schweiz, Deutschland, Dänemark sowie auf internationalen Märkten.
Bei der Modernisierung von Bahntunneln kann etwa eine Schotterfahrbahn durch eine Feste Fahrbahn ersetzt werden. Zum Leistungsspektrum zählen außerdem die Instandsetzung, der Ersatz und die Verstärkung von Gewölben, Gewölbeentwässerung und Drainagierung, die Aufweitung des Lichtraumprofils sowie die Absenkung der Tunnensohle.
Hinzu kommen die Erneuerung der Tunnelentwässerung und der Kabelwege, die Erneuerung oder der Ersatz der Fahrbahn, der Einbau einer Festen Fahrbahn, einer Sicherheitsbeleuchtung und eines beleuchteten Handlaufs. Für solche Aufgaben nennt Rhomberg Sersa Lukas Herburger, Leiter Tunnelsanierung der Rhomberg Sersa Rail Group Schweiz, unter +41 43 322 23 23 als Ansprechpartner. Kai Ziegler, Geschäftsführer der Rhomberg Sersa Bahntechnik GmbH, ist unter +49 201 946851 0 erreichbar, Philipp Nachbaur unter +43 5574 403-0. Geschäftsführer Gernot Gassner wird ebenfalls genannt; eine Telefonnummer ist für ihn nicht angegeben.
