Familienticket der Deutschen Bahn kehrt dauerhaft zurück – trotz jahrelanger Baustellen und Verspätungen
Berlin. Das Familienticket der Deutschen Bahn kommt dauerhaft zurück – und zwar zu den gleichen Konditionen wie während der Sommerferien. Für 99,99 Euro können bis zu zwei Erwachsene und drei Kinder gemeinsam hin- und zurückfahren, die Sitzplatzreservierung inklusive ICE-Reservierung ist bereits im Preis enthalten.
Der Verkauf startet nach Angaben von Bahn-Chefin Evelyn Palla am 26. Oktober. Ab dem 1. November soll das Ticket dauerhaft zum regulären Angebot gehören – unmittelbar nach dem Ende der Herbstferien in fast allen Bundesländern.
Mehr Familien in den Zügen
Ursprünglich war das Angebot nur für die Sommerferien gedacht. Es sei erfolgreich gewesen, sagte Palla. Nach Angaben der Deutschen Bahn nutzten in diesem Zeitraum 100.000 Familien mehr die Züge als im Vorjahreszeitraum. Das Unternehmen will das Familienticket deshalb dauerhaft ins Sortiment aufnehmen.
Der Schritt kommt auch vor dem Hintergrund der früheren Familienreservierung. Die Deutsche Bahn hatte die vergünstigte Reservierung im vergangenen Sommer abgeschafft. Sie kostete 10,40 Euro und galt für bis zu fünf Personen. Viele Menschen kritisierten das – auch Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU).
In die Entscheidung eingegriffen habe Bilger jedoch nicht, erklärte ein Sprecher des Ministeriums. Der Minister habe die Abschaffung zwar ebenso wie viele Menschen kritisiert, könne aber nicht in die autonomen Entscheidungen der Deutschen Bahn AG intervenieren. Der Bahn-Vorstand sei bei seinen Entscheidungen „sehr, sehr frei“. Nach Angaben des Sprechers zeigte sich Bilger nun „dankbar und erfreut“ über die dauerhafte Einführung.
Beim Fahrpreis hui, bei der Pünktlichkeit Geduld gefragt
Für Reisende bleibt allerdings ein dicker Wermutstropfen: Eine schnelle Verbesserung der Pünktlichkeit erwartet Palla nicht. Das Schienennetz sei über viele Jahre vernachlässigt worden, viele Anlagen seien zu alt, störanfällig und fielen häufig aus. Die Erneuerung könne nur Schritt für Schritt erfolgen.
Auch die Hitze hat dem System zugesetzt. Mehrere Tage mit Temperaturen über 35 Grad verschärften die Probleme, weil viele Anlagen dafür nicht ausgelegt seien. Unter anderem können dann Weichenantriebe ausfallen. Wer schon einmal auf einem aufgeheizten Bahnsteig gestanden und auf eine neue Anzeige gewartet hat, kann sich ungefähr vorstellen, wie zäh sich so etwas anfühlt.
Versäumnisse der vergangenen Jahre ließen sich nicht innerhalb von ein oder zwei Jahren aufholen. Die Sanierung des Schienennetzes werde mindestens zehn Jahre dauern, sagte Palla. Spürbare Verbesserungen seien erst zu erwarten, wenn ein großer Teil der Anlagen erneuert worden sei.
Baustellen verlängern die Reise
Die jüngsten Zahlen zeigen, wie groß der Druck ist: Im September war laut den aktuellen Angaben fast jeder zweite Fernverkehrszug verspätet. Die Pünktlichkeitsquote verschlechterte sich gegenüber dem Vormonat.
Zusätzlich bremsen laufende Bauarbeiten den Fernverkehr. Auf der Strecke zwischen Berlin und Hannover verlängert sich die Reisezeit voraussichtlich 14 Monate lang um rund 80 Minuten. Für Familien, die mit Gepäck, Kinderwagen und müden Kindern unterwegs sind, ist das keine Kleinigkeit – auch wenn das Ticket selbst nun wieder verlässlich kalkulierbar ist.
