Sechs Wochen Baustelle: Schnellfahrstrecke Nürnberg–Ingolstadt wird komplett erneuert
Für sechs Wochen steht die Schnellfahrstrecke zwischen Nürnberg und Ingolstadt still. Die Deutsche Bahn sperrt die Verbindung wegen umfangreicher Modernisierungs- und Erneuerungsarbeiten der DB InfraGO für den durchgehenden Zugverkehr. Die Sperrzeit beginnt am Freitag, 30. Oktober, um 22 Uhr und dauert einschließlich 12. Dezember 2026. Die vollständige Sperrung zwischen Nürnberg und Ingolstadt-Nord ist dabei vom 31. Oktober bis 11. Dezember 2026 vorgesehen.
Schon im September 2026 beginnen Vorarbeiten. Das geänderte Fernverkehrsfahrplankonzept gilt ab 30. Oktober 2026. Für Reisende auf der Strecke München–Nürnberg wird das vor allem im Fernverkehr spürbar. Wer derzeit noch schnell eine Verbindung plant, sollte also nicht erst am Bahnsteig auf die Anzeige schauen.
160 Kilometer neue Schienen
Zwischen Allersberg, Kinding und Ingolstadt Nord werden mehr als 160 Kilometer neue Schienen eingebaut. Rund 10.000 Tonnen Material müssen dafür bewegt werden. Der Grund für den großen Austausch ist schlicht die Belastung: Auf der Schnellfahrstrecke sind hohe Geschwindigkeiten Alltag, deshalb müssen die Schienen ungefähr alle 20 Jahre erneuert werden.
Es bleibt aber nicht beim Schienenwechsel. Mehrere Weichen werden erneuert, neue Kabel verlegt, Tunnel inspiziert und Entwässerungsanlagen gereinigt. Eine Menge Arbeit, die im laufenden Zugbetrieb kaum möglich wäre – und nun binnen weniger Wochen über die Bühne gehen soll.
Regionalverkehr fährt mit Umleitungen und Bussen
Die Züge der Linie RE1 zwischen München, Ingolstadt und Nürnberg werden über Treuchtlingen oder Augsburg umgeleitet. Zwischen Nürnberg und Ingolstadt übernehmen Ersatzbusse den Verkehr. Haltepunkte sind unter anderem Allersberg, Allersberg (Rothsee), die Johannisbrücke, Kinding, Kinding Marktplatz und Ingolstadt Nord.
Das Ersatzverkehrskonzept für den Nahverkehr wird noch ausgearbeitet und soll später bekannt gegeben werden. Für die Fahrt kann das einen zusätzlichen Blick auf die konkrete Verbindung bedeuten – und ein wenig mehr Zeit für den Umstieg, gerade wenn Gepäck oder mehrere Fahrgäste im Bus sind.
Fernverkehr: Nürnberg wird zum Start- und Endpunkt
Zwischen München und Berlin bleiben mindestens stündliche Direktverbindungen bestehen. Die Reisezeit verlängert sich um etwa 45 Minuten auf knapp fünf Stunden. Zwischen Nürnberg und Berlin verkehren die Züge dagegen ohne Einschränkungen.
Für mehrere ICE-Verbindungen wird Nürnberg während der Bauarbeiten zum neuen Start- oder Endpunkt. Die ICE-Linie 28 München–Hamburg fährt nur zwischen Nürnberg und Hamburg; der Halt in München entfällt. Auch die ICE-Linie 41 München–Köln/Dortmund startet während der Sperrung in Nürnberg. Ein Teil der ICE-Linie 25 nach Hamburg beginnt ebenfalls erst dort.
Die ICE-Linie 18 München–Augsburg–Nürnberg–Hamburg soll unverändert verkehren. Die ICE-Linie 29 wird zwischen Ingolstadt und Nürnberg umgeleitet, wodurch sich die Fahrzeit um etwa 30 Minuten verlängert. Zwischen München und Hamburg fahren die Züge über Kassel nur noch alle zwei Stunden. In der jeweils anderen Stunde beginnen oder enden sie in Nürnberg.
Direkte ICE-Verbindungen zwischen München und Frankfurt über Nürnberg entfallen während der Bauarbeiten. Die Bahn empfiehlt dafür die Strecke über Stuttgart. Für manche Reisende ist das ein Umweg, für andere wird Nürnberg als Zwischenstation zum neuen Fixpunkt – und der Fahrplan schaut plötzlich ganz anders aus als gewohnt.
Fahrplan vor der Abfahrt prüfen
Informationen zur Verkehrslage und zu baustellenbedingten Fahrplanänderungen stehen auf der DB-Website zur Verkehrslage Bayern. Die geänderten Fahrpläne werden außerdem unter anderem auf bahn.de und im DB Navigator angezeigt. Fahrgäste sollten sich vor Reiseantritt über ihre aktuelle Verbindung informieren, weil sich Abfahrten, Umstiege und die eingesetzten Verkehrsmittel ändern können.
Die Bauarbeiten bündeln mehrere Aufgaben an einer stark belasteten Strecke: neue Schienen, Weichen, Kabel, Tunnelkontrollen und gereinigte Entwässerungsanlagen. Auf den Bahnsteigen in Nürnberg, Ingolstadt und entlang der Busstrecke dürfte deshalb einiges mehr los sein als sonst – besonders dann, wenn alle gleichzeitig weiterwollen.
