Die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium ziehen Konsequenzen aus der Kritik an den bisherigen Korridorsanierungen. Ein 5-Punkte-Plan soll künftige Bauvorhaben besser ordnen und technische Fehler vermeiden. Für die bereits sanierte Strecke zwischen Berlin und Hamburg kommt dieser Kurswechsel allerdings zu spät.

Auf dem Abschnitt müssen Anfang der 2030er-Jahre erneut Bauarbeiten stattfinden. Für Reisende und Pendler bedeutet das abermals: Verspätungen, Umleitungen und Schienenersatzverkehr. Wer diese Strecke regelmäßig nutzt, dürfte bei dem Gedanken daran nicht gerade Luftsprünge machen.

ETCS fehlt noch auf voller Strecke

Der Grund liegt im europäischen Zugbeeinflussungssystem ETCS. Auf der Verbindung Berlin–Hamburg wurde die Technik zwar vorbereitet, aber nicht flächendeckend eingebaut. ETCS soll die Sicherheit und die Interoperabilität des Schienenverkehrs erhöhen, also dafür sorgen, dass Züge und technische Systeme über Ländergrenzen hinweg besser zusammenspielen.

Künftig soll ETCS bei Korridorsanierungen grundsätzlich vorbereitet und installiert werden. Ab Anfang der 2030er-Jahre ist vorgesehen, bei jeder Korridorsanierung direkt „ETCS Level 2 ohne Signale“ einzusetzen. Auf der bereits bearbeiteten Strecke Berlin–Hamburg lässt sich der neuerliche Eingriff damit offenbar nicht mehr vermeiden.

Weniger Sanierungen zwischen 2027 und 2031

Auch beim Umfang der geplanten Arbeiten wird zurückgerudert. Für den Zeitraum von 2027 bis 2031 soll die Zahl der Korridorsanierungen von ursprünglich 21 auf 13 reduziert werden. Die Vorhaben sollen nach ihrem erwarteten Nutzen für Qualität, Stabilität und Pünktlichkeit priorisiert werden.

Nach Angaben der Bahn werden keine Sanierungen gestrichen, sondern lediglich verschoben. Notwendige Ersatzinvestitionen und gegebenenfalls Verbesserungen sollen unabhängig von solchen Verschiebungen umgesetzt werden. Das klingt weniger dramatisch, ändert für betroffene Strecken aber zunächst vor allem den Kalender.

Welche Korridorsanierungen ab 2032 Vorrang bekommen, soll 2027 festgelegt werden. Bis dahin bleibt also offen, wo genau die nächsten großen Baustellen entstehen. Fest steht nur: Der Fahrplan für die Schiene wird nicht allein auf dem Papier enger getaktet, sondern auch unter den Gleisen neu sortiert.

Quelle: Nordkurier · Stand: 12.10.2026 · Ort: Bahnbau