Seit Anfang September fahren wegen der Bauarbeiten am Kreuz Kaiserberg keine Züge zwischen Duisburg, Mülheim und Essen. In Mülheim war damit sechs Wochen lang kein Personenzug unterwegs – für Pendlerinnen und Pendler eine zähe Zeit, jeden Morgen mit Bus, Umstieg und zusätzlicher Geduld.

Am Freitagabend, 9. Oktober 2026, beginnt nun der zweite Bauabschnitt. Der Zugverkehr kommt teilweise zurück: Die S3 zwischen Oberhausen und Hattingen hält wieder an allen drei Mülheimer Bahnhöfen. Auch der RE49 zwischen Wesel und Wuppertal fährt wieder. Die S1 nach Dortmund startet und endet in Mülheim-Styrum. In Richtung Duisburg bleiben dagegen ausschließlich Ersatzbusse im Einsatz. Der reguläre Zugbetrieb soll am 31. Oktober wieder aufgenommen werden.

Viele Linien fahren Umwege oder fallen abschnittsweise aus

In der zweiten Bauphase sind RE 1 (RRX), RE 2, RE 3, RE 5 (RRX), RE 6 (RRX), RE 11 (RRX), RE 19, RE 42, RE 44, RB 32, RB 33, RB 35 und S 1 betroffen. Es kommt zu Umleitungen, Haltausfällen und Teilausfällen. Wer heute, am 7. Oktober 2026, unterwegs ist, sollte also nicht erst am Bahnsteig rätseln.

Für RE 1 (RRX), RE 2, RE 6 (RRX) und RE 11 (RRX) fahren Busse zwischen Duisburg Hbf und Essen Hbf. Sie halten in Mülheim (Ruhr) Hbf und verkehren tagsüber im 5-Minuten-Takt. Beim RE 1 Richtung Aachen entfällt zusätzlich der Halt in Düsseldorf-Benrath; dafür gibt es Busse zwischen Düsseldorf Hbf, Düsseldorf-Benrath und Leverkusen Mitte.

RE 5 (RRX) und RE 19 werden zwischen Oberhausen-Sterkrade beziehungsweise Oberhausen Hbf und Duisburg Hbf durch Busse ersetzt, tagsüber im 10-Minuten-Takt. Auch beim RE 5 (RRX) fällt Düsseldorf-Benrath zusätzlich aus; die Busse verbinden Düsseldorf Hbf, Düsseldorf-Benrath und Leverkusen Mitte. Für die S 1 fahren Ersatzbusse zwischen Mülheim (Ruhr)-Styrum und Duisburg Hbf.

Vom 10. bis 30. Oktober 2026 werden RE 1 (RRX) und RE 11 (RRX) zwischen 7:45 Uhr und 16 Uhr außerdem über eine Umleitungsstrecke geführt: ab Dortmund Hbf über Herne, Gelsenkirchen und Essen-Altenessen nach Oberhausen. Zwischen Dortmund und Mülheim Hbf beziehungsweise Oberhausen Hbf können Fahrgäste auf RE 6 (RRX) und S 1 ausweichen.

Die Empfehlung klingt banal, spart aber Nerven: Verbindung vor der Abfahrt in der Fahrplanauskunft und auf zuginfo.nrw prüfen und zusätzliche Reisezeit einplanen. Die Änderungen stehen in den Auskunftsmedien und auf Aushängen an den Bahnsteigen.

Was auf den Strecken gebaut wird

DB InfraGO hatte am 21. August 2026 um 11:00 Uhr in Düsseldorf angekündigt, die Arbeiten an der Hauptstrecke durch das Ruhrgebiet in zwei Phasen zu bündeln: vom 4. September bis 9. Oktober 2026 sowie vom 9. Oktober bis 30. Oktober 2026. Betroffen sind Strecken zwischen Duisburg, Essen, Oberhausen und Düsseldorf. Die DB nutzt dabei unter anderem Gleissperrungen, die wegen der Arbeiten der Autobahn GmbH am Kreuz Kaiserberg ohnehin notwendig sind.

In der ersten Phase erneuerte die DB zwischen Mülheim Hauptbahnhof und Mülheim West auf rund 2,5 Kilometern die Oberleitungsanlage. Rund zwölf Kilometer neuer Fahrdraht werden installiert. Ein Teil der neuen Anlage geht anschließend in Betrieb, der zweite Teil folgt 2027. Kostenpunkt für die Oberleitungsarbeiten: rund 12,5 Millionen Euro.

In Mülheim-Heißen liefen außerdem Vorarbeiten für eine neue Weichenverbindung, darunter Kampfmittelsondierungen für neue Oberleitungsmasten und Signale. Die Hauptarbeiten sollen 2027 erfolgen. Die zusätzlichen Weichen schaffen neue Möglichkeiten, Züge durch das Netz zu steuern. Dafür sind rund 11 Millionen Euro vorgesehen. Parallel arbeitet die Autobahn GmbH während der Sperrung an der Hardenbergbrücke an der A 40 zwischen Mülheim und Essen.

Die zweite Sperrphase nutzt die DB für weitere Infrastrukturprojekte. An der dritten Eisenbahnbrücke zwischen Mülheim-Styrum und Duisburg wird die Modernisierung fortgesetzt. Die Stahlbrücke über den Ruhrkanal soll auf rund 130 Meter verbreitert werden. Im Herbst 2026 werden 24 neue Bohrpfähle gesetzt und erste Brückenteile neben dem bestehenden Bauwerk hergestellt. Der Rückbau der alten Brücke und der Einschub der modernisierten Brücke sind für Herbst 2027 geplant. Die Investitionssumme beträgt rund 23 Millionen Euro.

An der Brücke „Ruhr“ in Mülheim werden Rollenlager ausgetauscht. Im Düsseldorfer Flughafenbahnhof stehen sieben Weichen zur Erneuerung an. Am Duisburger Hauptbahnhof gehen die Arbeiten am Hallendach und an der Bahnsteigüberdachung von Bahnsteig 5, also Gleise 10/11, weiter. Der gesamte Bahnsteig 5 wird dafür gesperrt; zusätzlich wird die Oberleitung im Bahnhofsvorfeld angepasst. Auch die Modernisierung von Bahnsteig 2 mit den Gleisen 3/4 läuft weiter.

In Düsseldorf-Lichtenbroich steht bereits eine rund 900 Meter lange Schallschutzwand. Sie besteht aus hochschallabsorbierenden Leichtmetallelementen und ist bis zu sechs Meter hoch. Während der Sperrung werden noch offene Arbeiten im Gleisbereich abgeschlossen. In Duisburg-Duissern kommen an der Eisenbahnüberführung über die Schweizer Straße fehlende Aluminiumelemente an die Wand, außerdem werden Restarbeiten erledigt. Dafür ist die Schweizer Straße vom 10. bis 15. Oktober gesperrt; Umleitungen werden vor Ort ausgeschildert.

Zwischen Mülheim und Essen-West bereitet die DB den Bau neuer Schallschutzwände vor. Dazu gehören unter anderem Vegetationsarbeiten in Mülheim-Styrum – Motorsägen statt Zuggeräusch, zumindest vorübergehend.

Fernverkehr bleibt erreichbar, aber nicht überall

Die zwei Sperrzeiträume sind kein Zufall. Die DB hatte geprüft, ob sich alle Arbeiten in einer einzigen Sperrung erledigen lassen. Wegen der baulogistischen Abläufe war das nicht möglich. Die kürzeren betroffenen Strecken erlauben jeweils einen begrenzteren Schienenersatzverkehr. Während der ersten Bauphase konnten Reisende zwischen Dortmund und Düsseldorf beispielsweise über Oberhausen ausweichen.

Im Fernverkehr bestehen vom 4. September, 21 Uhr, bis 9. Oktober, 21 Uhr, zwischen Köln beziehungsweise Düsseldorf und Berlin mindestens zweistündliche Direktverbindungen. Essen, Bochum und Dortmund behalten stündliche Fernverkehrsverbindungen nach Berlin. Zwischen Düsseldorf Flughafen und Duisburg gibt es in Richtung Berlin nur Umsteigeverbindungen. Züge in Richtung Nord-, Ost- und Süddeutschland werden überwiegend umgeleitet oder entfallen teilweise. In Duisburg Hauptbahnhof halten nur einzelne Fernverkehrszüge in Tagesrandlagen.

Vom 9. Oktober, 21 Uhr, bis 30. Oktober, 21 Uhr, fahren ICE-Züge von und nach Berlin weiterhin stündlich von beziehungsweise bis Essen. Düsseldorf bleibt mit zweistündlichen Direktverbindungen an Berlin angebunden. Diese Züge fahren über Wuppertal und Hagen nach Düsseldorf statt über Köln; Köln bleibt mindestens zweistündlich direkt mit Berlin verbunden. Essen und Bochum behalten Direktverbindungen nach Berlin. In andere Richtungen sind Umstiege über Dortmund oder Gelsenkirchen erforderlich. In Duisburg und Oberhausen entfallen – außer einzelnen Nacht- und Tagesrandverbindungen – die Fernverkehrshalte.

Schon während der ersten Bautage steht Personal in den Hauptbahnhöfen Essen, Mülheim, Oberhausen und Duisburg als Ansprechpartner bereit. Weitere Hinweise gibt es im DB Navigator, auf bahn.de und bei zuginfo.nrw. Am besten schaut man kurz vor dem Losgehen noch einmal nach – die Anzeige kann schneller wechseln, als man den Kaffee austrinken kann.