Trassenpreisreform in Deutschland: Gefahr für den Nahverkehr durch steigende Kosten
Heute ist der 18.10.2026. In der Welt des Schienenverkehrs tut sich einiges, und die neuesten Entwicklungen rund um die Trassenpreise sind wirklich bemerkenswert. Schleswig-Holstein hat einen Vorschlag zur Reform der Trassenentgelte gemacht, der die Finanzierung des Regionalverkehrs in ganz Deutschland auf den Prüfstand stellt. Verkehrsminister Claus Ruhe Madsen (CDU) hat deutlich gemacht, dass die Länder momentan die Defizite ausgleichen müssen, die durch steigende Trassenpreise entstehen. Und das ist ein echtes Problem. Denn Bayern beispielsweise sieht sich mit einer Trassenpreissteigerung von rund acht Prozent im Jahr 2027 konfrontiert, und das Geld dafür ist schlichtweg nicht vorhanden.
Diese Situation hat bereits vor zwei Jahren dazu geführt, dass Schleswig-Holstein auf fast allen Linien Fahrten gestrichen hat, was das Angebot um 1,5 Prozent reduzierte. Die Abbestellungen wurden damals auf verkehrsschwache Nachtzeiten und Wochenenden begrenzt. Doch Madsen warnt: Weitere Preiserhöhungen könnten zu noch umfangreicheren Zugstreichungen führen. Die Angst vor einem gefährdeten Nahverkehr ist allgegenwärtig. Und das ist nicht nur ein Problem für Schleswig-Holstein oder Bayern, sondern für ganz Deutschland.
Europäisches Urteil und dessen Folgen
Das alles hängt eng mit einem Urteil des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) vom März zusammen. Der EuGH hat entschieden, dass die deutsche Preisbremse für die Nutzung der Bahnschienen im Nahverkehr nicht mit EU-Recht vereinbar ist. Das bedeutet, dass die Trassenpreise, die bisher den Regionalverkehr weitgehend vor starken Erhöhungen geschützt haben, nun in Gefahr sind. Die Berechnung dieser Preise wurde als zu unflexibel kritisiert. Alle Unternehmen, die die Infrastruktur der Deutschen Bahn nutzen, müssen diese Gebühren zahlen, und das wird nicht billig.
DB InfraGo plant für 2027 eine Erhöhung der Trassenpreise um 7,7 Prozent, und weitere Steigerungen sind für 2028 angekündigt. Das wird nicht nur die Kosten für die Verkehrsunternehmen deutlich erhöhen, sondern könnte auch zu ausgedünnten Takten und längeren Wartezeiten im Regionalverkehr führen. Die Bundesnetzagentur hat bereits genehmigte Entgelte in geänderter Höhe für 2025 und sieht sich nun mit der Herausforderung konfrontiert, die neuen Rahmenbedingungen zu schaffen.
Finanzierung des Schienenpersonennahverkehrs
Wie finanziert sich denn der Schienenpersonennahverkehr (SPNV) eigentlich? Nun, die Antwort ist nicht ganz einfach. Die Finanzierung erfolgt hauptsächlich über Fahrgeldeinnahmen und Zuschüsse der öffentlichen Hand. Das Deutschlandticket, das seit Mai 2023 gilt, hat mittlerweile mehr als die Hälfte der Fahrgeldeinnahmen ausgemacht. Allerdings – und das ist wichtig zu betonen – können die Tarife nicht unbegrenzt steigen, da sie als Teil der Daseinsvorsorge angesehen werden.
Die Regionalisierungsmittel, die seit 1996 an die Länder verteilt werden, sind ein weiterer wichtiger Bestandteil der Finanzierung. Diese Mittel werden jährlich dynamisiert und sollen die Länder unterstützen, die in den letzten Jahren zunehmend unter Druck geraten sind. Besonders in den östlichen Bundesländern gab es immer wieder Diskussionen über die Verteilung dieser Gelder. Die Mittel beliefen sich 2023 auf knapp 10,9 Milliarden Euro und werden unter anderem verwendet, um die Nutzung der Schieneninfrastruktur zu finanzieren.
Die Zukunft des Nahverkehrs
Die Verkehrsministerkonferenz hat das Thema Trassenpreise ganz oben auf die Agenda gesetzt und wird in der kommenden Woche in Lindau darüber diskutieren. Die Warnungen vor umfangreichen Abbestellungen von Regionalverkehrsleistungen sind laut und deutlich. Verkehrsminister Christian Bernreiter aus Bayern hat bereits davor gewarnt, dass ohne zusätzliche Mittel vom Bund die Probleme nur zunehmen werden. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) drängt ebenfalls darauf, dass die Mehrkosten vollständig ausgeglichen werden müssen.
Die kommenden Monate werden entscheidend sein für die Zukunft des Nahverkehrs in Deutschland. Die Reform der Trassenpreise könnte weitreichende Folgen haben, und es bleibt abzuwarten, wie schnell und effektiv die Verantwortlichen reagieren werden. Die Unsicherheit ist spürbar, und die Menschen sind mehr denn je auf eine zuverlässige und bezahlbare Mobilität angewiesen.
