Zukunft der Deutschen Bahn: Sanierungsplan und Pünktlichkeit im Fokus bis 2029
Heute ist der 22.10.2026, und wenn wir einen Blick auf die aktuelle Situation im deutschen Fernverkehr werfen, wird schnell klar: Es gibt noch viel zu tun. Die Pünktlichkeit der Züge ist nicht gerade ein Grund zur Freude. DB-InfraGo-Chef Philipp Nagl hat optimistische Töne angeschlagen und verspricht ab 2029 eine spürbare Verbesserung. Doch bis dahin müssen wir uns durch eine Zeit voller Baustellen und Verzögerungen kämpfen.
Die Modernisierung besonders stark belasteter Strecken ist im vollen Gange. So läuft die Sanierung der Verbindung Hannover–Berlin voraussichtlich bis Ende 2027, während die Strecke Hamburg–Hannover für 2029 vorgesehen ist. Aber die Fernverkehrspünktlichkeit ist trotz aller Anstrengungen weiter gesunken. Lag sie 2023 noch bei 64 Prozent, wird für 2026 ein Rückgang auf etwa 60 Prozent prognostiziert. Nagl nennt veraltete technische Anlagen wie Weichen, Oberleitungen und Stellwerke als Hauptursache für die Verspätungen. Diese Anlagen fallen schneller aus, als sie repariert werden können, und die Zahl der Verspätungsfälle durch Infrastrukturstörungen ist 2026 um 40 Prozent gestiegen.
Die Generalsanierung des Hochleistungsnetzes
Ein Lichtblick könnte die Generalsanierung des Hochleistungsnetzes sein, auch als „Korridorsanierung“ bekannt. Dieses Infrastrukturprogramm der Bundesregierung und der DB InfraGO sieht vor, zwischen 2024 und 2035 mehr als 4.000 Streckenkilometer während mehrmonatiger Voll- oder Teilsperrungen grundlegend zu erneuern. Das Konzept bündelt zahlreiche Arbeiten in konzentrierten Bauphasen und ersetzt die frühere Praxis, viele kleine Maßnahmen unter laufendem Betrieb durchzuführen. Hintergrund sind die stark gesunkenen Pünktlichkeitswerte: Im Januar 2022 lag die Pünktlichkeit bei 80,9 Prozent, sank aber bis Juni 2022 auf unter 60 Prozent.
Besonders die Strecke Hamburg–Berlin hat es in sich. Ursprünglich für einen Fernzug pro Richtung und Stunde ausgelegt, wird sie heute von Zügen im 30-Minuten-Takt frequentiert. Die Deutsche Bahn kann mit dieser Auslastung nicht mehr mithalten. Und dann sind da noch die extremen Wetterbedingungen: Ein sehr kalter Winter und ein heißer Sommer haben die Infrastruktur zusätzlich belastet. Die Schäden sind enorm, und schnelle Reparaturen oft nicht möglich.
Ein 5-Punkte-Plan für die Zukunft
Am 9. Oktober 2026 haben das Bundesverkehrsministerium und DB InfraGO einen Fünf-Punkte-Plan vorgestellt, um die Situation zu verbessern. Von 2027 bis 2031 sollen nun 13 statt 21 Korridore saniert werden. Das klingt erstmal nach einer Entlastung. Aber die Vorhaben werden nicht gestrichen, nur verschoben. Es ist wichtig, dass diese Anpassungen nicht auf Kosten der Qualität gehen. Der Plan berücksichtigt die begrenzten Kapazitäten im Schienennetz und die verfügbaren Ressourcen der Bauindustrie.
Die Digitalisierung spielt ebenfalls eine entscheidende Rolle. Ab Anfang der 2030er-Jahre soll ETCS Level 2 ohne Signale eingebaut werden. Zudem soll die Wiederaufnahme des Zugverkehrs schrittweise erfolgen, damit es nicht zu weiteren Engpässen kommt. Der Zugverkehr wird also nicht über Nacht wieder in den Normalbetrieb gehen – das wäre auch zu schön, um wahr zu sein.
Ein Blick in die Zukunft
Die Sanierungen sind ein gutes Zeichen, aber auch mit Herausforderungen verbunden. Kritiker fragen sich, ob die kurzfristige Bündelung der Arbeiten wirklich die beste Lösung ist oder ob langfristige Planungen nicht sinnvoller wären. Die Kosten je Kilometer sind bei der Riedbahn vor Baubeginn sprunghaft angestiegen. Zudem bleibt die Sorge, dass Strecken außerhalb der gewählten Korridore weiterhin in einem schlechten Zustand bleiben. Das Eisenbahnverkehrsunternehmen Agilis hat bereits Bedenken geäußert und die Wirtschaftlichkeit der Generalsanierung in Frage gestellt.
Die nächsten Jahre werden entscheidend sein. Ob die versprochenen Verbesserungen tatsächlich eintreten und ob die Züge ab 2029 pünktlicher fahren, bleibt abzuwarten. Aber wenn alles gutgeht, könnte die Bahn bald wieder eine Option sein, bei der man nicht ständig auf die Uhr schauen muss. Und das wäre am Ende wohl das schönste Geschenk für alle Bahnfahrer!
