66,7 Milliarden Euro stehen 2026 hinter der Gesellschafterfamilie des Pharmakonzerns Boehringer Ingelheim. Damit führt sie erstmals die Liste der 500 reichsten Deutschen an – und zwar mit deutlichem Abstand. Das Manager Magazin veröffentlichte die Rangliste am 30. September 2026 digital; die Printausgabe folgt am 2. Oktober 2026. Die Liste erscheint 2026 zum 26. Mal.

Jahrelang fehlte die Familie im Ranking. Hintergrund war eine Vereinbarung aus den Anfangsjahren der Liste und die damalige rechtliche Unsicherheit. Deutsche Gerichte bestätigten inzwischen die Rechtmäßigkeit der Veröffentlichung. Die Gesellschafterfamilie akzeptiert ihre Aufnahme nun. Die Rangliste ist mittlerweile auch international etabliert.

Milliarden an der Spitze

Auf Platz zwei steht Lidl-Gründer Dieter Schwarz, 87 Jahre alt, mit 53,7 Milliarden Euro. Zu seinem Vermögen gehören neben Lidl auch Kaufland, PreZero, Schwarz Digits und Immobilien. Im Vorjahr waren es 46,5 Milliarden Euro. Rang drei belegt die Familie Merck aus Darmstadt mit 50,7 Milliarden Euro; ihr Vermögen stammt aus Pharma und Chemie. Im Vorjahr wurden 24,5 Milliarden Euro angesetzt.

Platz vier geht an die BMW-Eigentümerinnen Susanne Klatten und Stefan Quandt. Gemeinsam kommen sie auf 33,3 Milliarden Euro, nach 36,1 Milliarden Euro im Vorjahr. Ihr Vermögen umfasst unter anderem BMW, Altana, SGL Carbon, Aqton und Delton. Klatten und Quandt besitzen außerdem den Wiesbadener Unternehmenssitz des Graphit- und Faserverbundwerkstoffherstellers SGL Carbon. Der Rückgang um 2,8 Milliarden Euro ist ein deutlicher Buchverlust.

Die weiteren Plätze der Top Ten: Die Familien Albrecht und Heister folgen mit 29,8 Milliarden Euro aus Aldi Süd und Immobilien. Techinvestor Andreas von Bechtolsheim kommt mit 27,7 Milliarden Euro auf Rang sechs; zu seinen Beteiligungen zählen Arista Networks und frühere Beteiligungen an Sun Microsystems. Die Familie Reimann liegt mit 21,5 Milliarden Euro auf Rang sieben, verbunden mit JAB Holding, Keurig Dr Pepper, Coty sowie Getränken, Kosmetik und Haustierbedarf.

Auf Rang acht steht die Familie Henkel mit 19,6 Milliarden Euro aus dem Konsumgüterkonzern Henkel. Platz neun teilen sich die Familie Theo Albrecht junior und die Familie Babette Albrecht mit 17,8 Milliarden Euro; genannt werden Aldi Nord, Trader Joe’s, Immobilien und Grundbesitz. Den zehnten Rang belegt die Familie Hasso Plattner mit 15,6 Milliarden Euro aus SAP und Software. Hasso Plattner ist 82 Jahre alt. Wegen der Wirtschaftskrise verloren mehrere Großvermögen deutlich, darunter die Familien Porsche, Klatten/Quandt sowie die SAP-Großaktionäre Hasso Plattner und Dietmar Hopp, der 86 Jahre alt ist.

Wiesbaden und das Umland im Ranking

Für die Region wird es ab Rang 131 interessant: Alfred und Carl Ferdinand Oetker werden auf rund 2 Milliarden Euro geschätzt. Zum Vermögen gehören unter anderem Henkell & Co. sowie Beteiligungen in Chemie, Hotels und Kunst.

Auf Platz 200 folgt die Familie Gebauer mit 1,2 Milliarden Euro. Eine wichtige Grundlage ist der Wiesbadener Textildienstleister MEWA; ein Teil des Vermögens ist in einer Familienstiftung gebunden. Die Familie Dyckerhoff steht auf Rang 242. Sie ist unter anderem Eigentümerin des Baustoffherstellers Dyckerhoff in Wiesbaden und gehört damit noch zu den Milliardärsfamilien.

Knapp dahinter, auf Platz 304, liegt die Familie Hankammer aus Taunusstein mit rund 800 Millionen Euro. Ihr Unternehmen Brita stellt Wasserfilter her. Ab Platz 243 liegen die geschätzten Gesamtvermögen unter einer Milliarde Euro. Für ein Magazin mit Blick auf Baustoffe ist der Name Dyckerhoff dabei natürlich kein Nebensatz, der einfach so durchrutscht.

Mehr Vermögen, mehr Milliardäre

Das bereinigte Gesamtvermögen der 100 reichsten Deutschen stieg innerhalb eines Jahres um 3,4 Prozent auf knapp 784 Milliarden Euro. Im selben Zeitraum legte der Dax fast 9 Prozent zu. Zu den Vermögensgewinnern zählt neben Dieter Schwarz auch Andreas von Bechtolsheim, der mit 27,7 Milliarden Euro auf Rang sechs kletterte.

Deutschland zählt laut Manager Magazin aktuell 257 Milliardärinnen und Milliardäre – ein neuer Rekord. In dieser Zahl stecken Einzelpersonen ebenso wie Großfamilien, die Vermögen gemeinsam kontrollieren. Mehr als die Hälfte der 500 Reichsten verfügt über mindestens eine Milliarde Euro. Zugleich tauchen zunehmend jüngere Unternehmer aus der Start-up-Szene auf, darunter Jan Oberhauser, 43, Gründer der Berliner KI-Firma N8n, und David Reger, 38, Gründer von Neura Robotics aus Metzingen.

Alle Angaben sind Schätzungen des Manager Magazins. Grundlage sind Recherchen in Archiven und Registern sowie Informationen von Vermögensverwaltern, Anwälten, Bankern und Vertretern der gelisteten Familien. Die Redaktion bewertet konservativ: Börsennotierte Beteiligungen wurden anhand der Schlusskurse zum Redaktionsschluss beziehungsweise anhand der Schlusskurse vom 15. September 2026 berechnet. Nicht börsennotierte Unternehmen fließen nach Umsatz, Profitabilität und Marktstellung ein.

Berücksichtigt werden unter anderem Unternehmensbeteiligungen, Grundstücke und Grundbesitz, Immobilien, Aktien, Kunstobjekte sowie Stiftungsvermögen von Familien. Was genau in einem einzelnen Familienvermögen steckt, lässt sich deshalb nicht einfach mit einem Kontostand vergleichen. Da geht es um Firmen, Gebäude, Beteiligungen – und oft um Werte, die nicht täglich an einer Börse aufleuchten.

Der Blick auf die Vermögensverteilung

Die Rangliste zeigt Spitzenvermögen. Die Vermögensverteilung in Deutschland beschreibt dagegen das Netto-Gesamtvermögen deutscher Staatsbürger, Haushalte oder Personengruppen. Dazu zählen Geldvermögen, Grundvermögen, Anlagevermögen und Gebrauchsvermögen. Einkommen und Vermögen sind nicht dasselbe, hängen aber über Vermögensrenditen zusammen.

Deutschland gehört innerhalb des Euroraums zu den Ländern mit der höchsten Vermögensungleichheit. Je nach Datenquelle werden unterschiedliche Gini-Koeffizienten ausgewiesen: 0,772 für 2022 im Global Wealth Report der Credit Suisse und 0,81 im Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung von 2021. Der Global Wealth Report 2023 weist für Deutschland ebenfalls 0,772 aus; international lag das Land auf Rang 66 von 164 Ländern. Das reichste 1 Prozent besaß dort etwa 30 Prozent des Vermögens, verglichen mit 24 Prozent in Großbritannien, 22 Prozent in Italien und 22 Prozent in Frankreich. Die Slowakei kam beim niedrigsten genannten Gini-Wert auf 0,508, Lesotho beim höchsten auf 0,911.

Historisch nahm die Ungleichheit in Westdeutschland bis etwa zur Mitte des 20. Jahrhunderts ab. Im wiedervereinigten Deutschland stieg sie anschließend deutlich und blieb auf hohem Niveau, vor allem wegen wachsender Geldvermögen und privater Versicherungen. Langfristig sank der Anteil des reichsten 1 Prozent dennoch von fast 50 Prozent im Jahr 1895 auf weniger als 25 Prozent im Jahr 2020. Die Vermögensspreizung ging besonders in der Zwischenkriegszeit und während des Wirtschaftswunders zurück.

Die Entwicklung war allerdings nie geradlinig. 1893 wurde in Preußen mit dem Ergänzungssteuergesetz erstmals eine moderne Vermögensteuer eingeführt. Der Anteil des reichsten 1 Prozent lag zunächst bei etwa 47 Prozent, stieg auf rund 49 Prozent und sank ab 1909 auf knapp 46 Prozent. Erster Weltkrieg und Hyperinflation drückten die Ungleichheit; nach der Inflation besaß das reichste 1 Prozent noch knapp 42 Prozent des Vermögens. Sachwerte blieben durch die Inflation grundsätzlich wertbeständig, doch Steuermaßnahmen wie die Hauszinssteuer schöpften einen Teil der Gewinne von Sachwerteigentümern ab.

Während der Weltwirtschaftskrise fielen Aktienkurse und Preise von Sachvermögen. Der Anteil des reichsten 1 Prozent sank von 1930 bis 1934 von etwa 42 auf 35 Prozent. Die nationalsozialistische Ermordung und Enteignung jüdischer Menschen veränderte die statistische Vermögensverteilung; die Enteignungen verringerten rechnerisch die Vermögenskonzentration. Zweiter Weltkrieg, der Verlust der Ostgebiete und der Lastenausgleich veränderten die Verhältnisse