In bayerischen BayWa Bau & Garten-Märkten und bei HELLWEG beginnt der Räumungsverkauf. Heute, am 25.09.2026, läuft die Aktion bereits in zahlreichen Filialen. Das Sortiment ist deutlich kleiner als gewohnt: Werkzeuge, Baustoffe, Farben, Malerzubehör, Gartengeräte, Pflanzen und Produkte für den Außenbereich werden verkauft – nur solange der Vorrat reicht.

BayWa Bau & Garten und der Mutterkonzern HELLWEG haben Insolvenz angemeldet und befinden sich in einem Sanierungsverfahren in Eigenverwaltung. Der Räumungsverkauf startete am 7. September 2026. Die BayWa-Märkte rechnen mit hoher Nachfrage und empfehlen, früh einzukaufen. Beide Unternehmen bleiben während des Verkaufs geöffnet.

30 BayWa-Standorte betroffen

Der Ausverkauf betrifft 30 BayWa Bau & Garten-Filialen in Bayern. Dazu gehören Nürnberg, Fürth, Würzburg, Passau, Regensburg, Poing, Wolfratshausen, Murnau, Bad Tölz, Bad Windsheim, Bindlach, Burghausen, Diespeck, Dillingen, Grafenau, Gunzenhausen, Illertissen, Nördlingen, Pfarrkirchen, Rothenburg, Simbach, Traunreut, Schwabmünchen, Waldkraiburg, Dinkelsbühl, Karlstadt, Mering, Neuburg, Schrobenhausen, Viechtach und Waldkirchen.

Bei HELLWEG ist der Standort Bad Kissingen betroffen. HELLWEG hatte die Bau- und Gartenmärkte bereits 2012 vom BayWa-Konzern übernommen, sie aber unter dem Markennamen BayWa Bau & Garten weitergeführt. Nun steht die Zukunft mehrerer Häuser auf der Kippe. Einige Standorte könnten von Wettbewerbern übernommen werden, andere müssen schließen.

Der Investorenprozess ist noch nicht abgeschlossen. Ohne Investoren müssten die betroffenen Standorte Ende November 2026 schließen. Bis dahin läuft der Betrieb weiter. Insgesamt geht es um 46 Standorte in Bayern und Baden-Württemberg sowie rund 1300 Angestellte; voraussichtlich können nicht alle Filialen weitergeführt werden.

Warum die Märkte in Schieflage geraten sind

Als Ursachen gelten anhaltende Kaufzurückhaltung, die schwache Baukonjunktur, gestiegene Energie-, Miet- und Betriebskosten, inflationsbedingte Kostensteigerungen sowie Belastungen und Probleme entlang der Lieferketten. Das spüren auch Kunden, die Projekte verschieben: Die neue Terrasse, der Anstrich, der Geräteschuppen – manches bleibt erst einmal liegen.

Das Sanierungsverfahren wurde Mitte Juni 2026 beim Amtsgericht Essen beantragt. Wichtig ist die Abgrenzung zur BayWa AG: Die Insolvenz der BayWa-Baumärkte ist nicht gleichzusetzen mit der Finanzkrise der BayWa AG, die gerettet wurde.

Insolvenzen deutschlandweit weiter ein großes Thema

Die aktuellen Zahlen des Insolvenzindex zeigen, dass die Entwicklung nicht auf den Baustoff- und Gartenhandel beschränkt ist. Die Statistik für Deutschland wird stündlich aus offiziellen Insolvenzbekanntmachungen aktualisiert. Erfasst sind 72.082 Insolvenzen; die Datenbank umfasst 19.840 Unternehmen. Für die letzten zwölf Monate werden 30.176 Insolvenzen ausgewiesen, in diesem Monat kamen 567 neue Meldungen hinzu.

Im Branchenvergleich entfallen 1.174 Insolvenzen auf die Arbeitnehmerüberlassung, ein Rückgang von 47 Prozent. Im Einzelhandel wurden 737 Fälle registriert, im Baugewerbe 545. Beide Werte liegen jeweils 41 Prozent niedriger. Auf das Grundstücks- und Wohnungswesen entfallen 295 Insolvenzen (-38 Prozent), auf das Gesundheitswesen 154 (-24 Prozent), auf das Gastgewerbe 124 (-53 Prozent), auf nicht klassifizierte Unternehmen 120 (-60 Prozent) und auf freiberufliche Dienstleistungen 109 (-62 Prozent).

Bei den Städten führt Berlin mit 254 Unternehmensinsolvenzen (100%), gefolgt von Hamburg mit 160 (63%), Köln mit 84 (33%), München mit 82 (32%), Frankfurt am Main mit 72 (28%), Düsseldorf mit 56 (22%) und Hannover mit 39 (15%). Nürnberg kommt auf 35 Insolvenzen (14%), Bremen und Leipzig jeweils auf 29 (11%).

Für die letzten 365 Tage weist die Statistik 30.811 Insolvenzen aus. Im Vorjahr waren es 17.296 – ein Anstieg von 78 Prozent im Jahresvergleich. Am häufigsten betroffen sind GmbHs mit 2.567 Insolvenzen (12,9%), danach folgen UGs mit 288 (1,5%), GmbH & Co. KGs mit 232 (1,2%) und sonstige Rechtsformen mit ebenfalls 232 (1,2%). Auf Aktiengesellschaften entfallen 420 Fälle (0,2%), auf KGs 310 (0,2%), auf GbRs 260 (0,1%) und auf eingetragene Genossenschaften 30 (0,0%).

Grundlage der Statistik sind die Insolvenzbekanntmachungen der deutschen Amtsgerichte gemäß Paragraph 9 InsO. Die Branchen werden nach WZ 2008 klassifiziert. In den Märkten selbst geht derweil das Hämmern, Schleppen und Kassenpiepsen weiter – solange noch etwas in den Regalen liegt.

Quelle: Augsburger Allgemeine
Quelle: Merkur
Quelle: Insolvenzindex