Frankfurts Straßenbau im Wandel: Michaela Kraft über Baustellen, Digitalisierung und ihren Amtswechsel
Wenn Michaela C. Kraft Ende Oktober 2026 aus dem städtischen Dienst ausscheidet, endet eine zehnjährige Amtszeit an der Spitze des Frankfurter Amts für Straßenbau und Erschließung (ASE). Von 2016 bis 2026 leitete sie das Amt, seit Anfang 2026 gemeinsam mit ihrem Nachfolger Eike Rothauge. Kraft geht mit einer klaren Vorstellung davon, was sich im Straßenbau verändert hat – und was noch mühsam bleibt.
Regenwassernutzung, Starkregen, Überflutungsschutz und Recyclingmaterial im Straßenbau beschäftigen sie schon seit ihrem Bauingenieurwesen-Studium. Viele Umweltthemen, die heute selbstverständlich auf jeder Tagesordnung stehen, seien schon früher bekannt gewesen. Trotzdem wurde lange weiter versiegelt. Die Folgen spürt eine Stadt nicht erst dann, wenn nach einem Unwetter das Wasser in Keller läuft.
Mehr als Autos, Asphalt und eine freie Spur
Seit etwa 2000 hat sich die Verkehrsplanung nach Krafts Einschätzung deutlich verändert. Neben Autos müssen heute Fußgänger, Radfahrer, der öffentliche Nahverkehr, Logistik, Taxis, Kinderwagen und weitere Verkehrsteilnehmende berücksichtigt werden. Der Verkehrsraum aber bleibt begrenzt. Nicht jede Gruppe kann eine eigene Spur bekommen.
Amsterdam gehe je nach Situation einen anderen Weg und bevorzuge jeweils zwei Verkehrsteilnehmende, erzählt Kraft. Frankfurt erlebte sie in den 1980er-Jahren noch als wenig fahrradfreundlich. Damals dominierten vor allem ÖPNV, Fußverkehr und Autoverkehr. Heute fährt Kraft in Frankfurt fast ausschließlich Fahrrad – obwohl sie, wie sie sagt, leidenschaftliche Autofahrerin ist. Die Stadt sei eine attraktive Metropole und eine wichtige Arbeitgeberin.
Unter vier Mobilitätsdezernenten hat Kraft gearbeitet. Deren Schwerpunkte lagen unter anderem auf dem Radverkehr oder auf Ingenieurbauwerken. Einen Rückbau erst kürzlich fertiggestellter Maßnahmen habe ein Dezernentenwechsel nicht verlangt. Planungen seien gelegentlich überprüft, insgesamt aber weiterentwickelt worden.
Das ASE arbeitet innerhalb gesetzlicher und politischer Vorgaben, verfügt laut Kraft aber über eigenen Gestaltungsspielraum. Gerade bei Bauvorhaben komme es darauf an, wann welche Akteure eingebunden werden und ob die beteiligten Entscheidungsträger die nötigen Kompetenzen besitzen. Mehr praktische Versuche hält Kraft für sinnvoll, damit Entscheidungen nicht nur am Schreibtisch vorbereitet werden.
Baustellen, Brücken und ein rauerer Ton
Eine der zentralen Herausforderungen ihrer Amtszeit war die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern. Bei Baustellen sollten Informationen über das Vorhaben, die ausführenden Firmen und Ansprechpartner vor Ort bereitstehen. Klingt simpel, ist im Alltag aber schnell eine kleine Wissenschaft: Wo muss man hin, wen erreicht man, wie lange dauert es wirklich?
Der Abriss der Brücke in Griesheim musste innerhalb kurzer Zeit organisiert werden. Binnen 14 Tagen wurden unter anderem Firmen beauftragt, Verträge geschlossen und Sperrungen eingerichtet. Großbaumaßnahmen seien generell anspruchsvoll, sagt Kraft. Dazu sei der Ton in der Stadtgesellschaft rauer geworden. Mitarbeitende seien bei Informationsveranstaltungen auch verbal angegriffen worden.
Wie schnell eine Sanierung gelingen kann, zeigte die Straße Im Erlenbruch. Sie wurde im Juni innerhalb von 31 Stunden saniert. Voraussetzung waren ein stabiler Untergrund, eine Vollsperrung, Arbeiten rund um die Uhr, abgestimmte Abläufe, umfassende Informationen und ausgeschilderte Umleitungen. Kaum war das geschafft, klingelte im Amt trotzdem das Telefon: Warum sei eine andere Strecke noch nicht ausgebaut?
Viele Bürgerinnen und Bürger nähmen Maßnahmen zunächst als Einschränkung wahr. Kraft kann das nachvollziehen, aber sie kann die Straßen nicht einfach sofort fertigstellen. Sie könne nur für die Maßnahmen werben – und um Verständnis. Alle Menschen erreiche die Stadt trotz Kommunikation nicht. Bei Informationsterminen säßen häufig immer wieder dieselben Personen.
Im ASE fehlt laut Kraft vor allem technisches Personal. Digitalisierung und optimierte Prozesse sollen die Arbeit unterstützen. Viele Verwaltungsprozesse wurden seit ihrem Amtsbeginn digitalisiert. Das KI-Projekt „Straße für alle“ soll das bisherige Pavement Management System ergänzen und den Zustand der Straßen sowie den notwendigen Sanierungsbedarf sichtbar machen.
Künstliche Intelligenz könne Planungen künftig erleichtern, werde Fachpersonal aber nicht ersetzen. Menschen müssten die Ergebnisse weiterhin einschätzen und bewerten. Das ist kein kleiner Unterschied – ein System kann Daten sortieren, aber nicht allein entscheiden, ob eine Straße vor Ort tatsächlich noch trägt.
Übergabe an Eike Rothauge
Der Magistrat der Stadt Frankfurt beschloss am 31. Oktober 2025, Eike Rothauge im kommenden Jahr zum Leiter des ASE zu berufen. In einem Auswahlverfahren des Personal- und Organisationsamtes setzte er sich als bester Bewerber durch. Ab 1. Januar 2026 übernahm Rothauge gemeinsam mit Kraft als Co-Amtsleiter die Leitung, um die Amtsgeschäfte vorzubereiten.
Rothauge wurde 1985 geboren. Seit Januar 2024 leitet er die Abteilung Erschließungsangelegenheiten im ASE, seit Januar 2025 ist er stellvertretender Amtsleiter. Stadt- und Regionalplanung studierte er in Kassel; er erwarb Abschlüsse als Diplom-Ingenieur und Master of Science. Zuvor arbeitete er bei Hessen Mobil als Projektingenieur sowie als Team- und Sachgebietsleiter und als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Kassel.
Er freue sich über das Vertrauen und wolle gemeinsam mit Kraft und dem Team den Übergang gestalten, erklärte Rothauge. Das Amt solle schrittweise agiler und innovationsorientierter aufgestellt werden. Zu den wichtigen Aufgaben zählen die Sanierung von Brücken und Straßen, die Digitalisierung, die Bewältigung des Fachkräftemangels und die Herausforderungen in der Baubranche.
Kraft begrüßte die Entscheidung. Sie könne im kommenden Jahr in den Ruhestand gehen und wisse das Amt bei Rothauge in guten Händen. Ihrem Nachfolger empfiehlt sie, die Digitalisierung und Projekte wie „Straße für alle“ fortzuführen, Innovationen mutig weiterzuentwickeln, mit anderen Städten und Instituten zu kooperieren und die Kommunikation nicht abreißen zu lassen.
Das ASE gehört zum Dezernat XII – Mobilität unter Leitung von Wolfgang Siefert. Zum Dezernat gehören außerdem das Straßenverkehrsamt und die Stadtentwässerung Frankfurt am Main.
Kraft selbst wurde 1960 in Rottweil geboren. Nach einer Tischlerlehre studierte sie ab 1983 Bauingenieurwesen in Berlin. Sie arbeitete unter anderem in der Berliner Senatsverwaltung, bei der Autobahnmeisterei und der Tunnelleitzentrale Berlin sowie zeitweise in der Öffentlichkeitsarbeit. Ihre zehnjährige Amtszeit in Frankfurt bilanziert sie positiv. Zahlreiche Entwicklungen habe sie angestoßen.
Digitale Stadt, digitale Straße
Frankfurt baut die Digitalisierung in Verwaltung, Stadtraum und Stadtgesellschaft aus. Dazu gehören Online-Dienste für Bürgerinnen und Bürger, Echtzeitdaten und digitale Infrastruktur, digitale Beteiligung, Umwelt- und Smart-City-Projekte sowie modernisierte interne Verwaltungsabläufe. Die Stadt setzt auf digitale Verfahren, sichere Datenverarbeitung, vernetzte Fachämter und konkrete Angebote für den Alltag.
Die Rahmenstrategie Digitalisierung soll städtische Leistungen digital zugänglich machen, interne Prozesse modernisieren, Datenschutz und Informationssicherheit berücksichtigen und neue Arbeitsformen in der Verwaltung unterstützen. Zwei große Handlungsfelder stehen dahinter: die digitale Unterstützung von Stadtgesellschaft und Stadtraum – etwa in Mobilität, Bildung, Umwelt, Gesundheit und Bürgerbeteiligung – sowie die Modernisierung städtischer Organisationen durch sichere IT, moderne Arbeitsmittel, Datenmanagement und effizientere Abläufe.
Die Stadtverordneten beschlossen die Smart-City-Strategie im März 2021 als dynamischen Orientierungsrahmen. Koordiniert wird die Umsetzung vom Team Smart City der Stabsstelle Digitalisierung. Beteiligt werden Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung, Verbände sowie Bürgerinnen und Bürger. Smart City meint in Frankfurt deshalb nicht bloß Technik, sondern auch bessere Datennutzung, mehr Transparenz, Bürgerbeteiligung und konkrete digitale Dienste.
Auf dem offiziellen Stadtportal gibt es eine Übersicht online erledigbarer Verwaltungsleistungen. Dazu zählen unter anderem die Anmeldung einer Hauptwohnung, die Abmeldung ins Ausland, Meldebescheinigungen, Melderegisterauskünfte, Übermittlungssperren, Statusabfragen zu Reisepässen und Ausweisen, Verlustmeldungen für Ausweisdokumente, die Online-Adressänderung für den Fahrzeugschein, der Führerschein-Erstantrag, das Führungszeugnis und ein Auszug aus dem Gewerbezentralregister.
Die Stadt empfiehlt, ausschließlich offizielle städtische oder staatliche Portale zu nutzen. Vor privaten Drittanbieter-Seiten wird bei Meldebescheinigungen, Führungszeugnissen und Kirchenaustritten gewarnt, weil zusätzliche Kosten und Verzögerungen entstehen können. Für bestimmte Leistungen ist eine sichere Identifikation nötig, etwa über die eID-Funktion. Unionsbürgerinnen und Unionsbürger benötigen bei einigen Diensten eine eID-Karte oder ein geeignetes Ausweisdokument.
Vor einem digitalen Antrag sollten Nutzer die offizielle Zuständigkeit prüfen, die nötigen Unterlagen bereitlegen und die Anforderungen an eID oder andere Identifikationsverfahren klären. Auch Gebühren und Fristen gehören kontrolliert. Bestätigungen, Aktenzeichen und Statusmeldungen sollten gespeichert, Nachweise vollständig hochgeladen oder digital nachgereicht werden. Frankfurt betreibt nach eigenen Angaben mehr als 700 große und kleine IT-Verfahren für Anträge, Sachbearbeitung, Bescheide sowie die Verwaltung von Einwohner-, Kfz- und Führerscheindaten.
Seit Oktober 2022 ist die Urbane Datenplattform online. Sie sammelt, verarbeitet und visualisiert Daten aus Frankfurt, darunter Echtzeitdaten, und kann kommunale wie nicht-kommunale Quellen einbinden. Ein Dashboard stellt ausgewählte Informationen öffentlich dar – etwa Verkehrs- und Passantenaufkommen, Luftqualität oder den Belegungsstatus von E-Ladesäulen. Diagramme und Karten sollen den Austausch zwischen Fachämtern erleichtern, Planung und Mobilitätssteuerung unterstützen, die Umweltbeobachtung verbessern und Informationen verständlicher machen.
Beim Weihnachtsmarkt 2025 am Römer wurden Besucherströme in Echtzeit erfasst. Die Besucherinnen und Besucher konnten die Auslastung verfolgen und ihren Besuch entsprechend planen. Für die Messung kamen LiDAR-Sensoren zum Einsatz. Außerdem ermöglicht die Plattform Feedback der Öffentlichkeit zur Weiterentwicklung.
Auch beim Wasser treffen Straßenbau, Stadtklima und Digitalisierung aufeinander. Das Projekt „Smartes Wassermanagement“ verbindet Stadtentwässerung, Gewässerschutz, Grünflächenmanagement und digitale Messverfahren. Erfasst werden sollen unter anderem Pegelstände, Wasserqualität und lokale Wasserhaushalte. Digitale Messstellen und standardisierte Datenprozesse sollen Entscheidungen bei Starkregen, Gewässerbelastung und Bewässerung verbessern.
Zu den Teilprojekten gehören die Digitalisierung von Grundwassermessstellen, die Messung des Einflusses von Niederschlag und Vegetation, die digitale Erfassung der Wasserqualität von Fließgewässern und die Verringerung von Gifteinträgen bei der Schädlingsbekämpfung. Beteiligt sind Umweltamt, Grünflächenamt, Stadtentwässerung und die Stabsstelle Digitalisierung. Wissenschaftlich begleitet wird das Vorhaben von der Hochschule Fresenius und dem Institut für sozial-ökologische Forschung; das Land Hessen fördert es. Die technische Grundlage bilden Messgeräte, Funknetz, Datenauswertung und daraus abgeleitete kommunale Maßnahmen.
Im Juni 2026 wurde der bundesweite Digitaltag in Frankfurt erstmals zu einer Digitalwoche erweitert. Sie fand vom 22. bis 26. Juni 2026 statt, mit Workshops, Vorträgen, Ausstellungen und Tagen der offenen Tür. Ziel war der Austausch zwischen Stadtgesellschaft, Wirtschaft und Verwaltung.
Ein neuer Ort dafür ist „display“ in der Berliner Straße 60. Die Stabsstelle Smart City der Stadt Frankfurt und der NODE Verein eröffneten den Raum am 18. Februar 2026. „display“ ist Schaufenster, Anlaufstelle, Community-Space und Experimentierraum für digitale Praxis. Auf dem Programm stehen Workshops, Vorträge, Informationsveranstaltungen und praktische Zugänge zu Technologie – von kreativem Programmieren und Elektronikexperimenten über digitale Kultur bis zu Angeboten für Kinder und Jugendliche sowie digitalpolitischen Themen.
Für Unternehmen gehören Rechenzentren, Internetinfrastruktur, Datenplattformen, digitale Arbeitsformen und IT-Dienstleistungen zur wichtigen Grundlage. Digitale Anwendungen unterstützen mobiles Arbeiten, Coworking, moderne Arbeitsplätze, Start-ups, Logistik, Vertrieb und eine vernetzte Wirtschaft. Unternehmen müssen Daten sicher verarbeiten, Prozesse automatisieren, Mitarbeitende weiterbilden und Schnittstellen zu Verwaltung, Kunden und Partnern organisieren. Dafür brauchen sie verlässliche Online-Informationen, digitale Genehmigungswege, aktuelle Standortdaten und digital bearbeitete Verwaltungsprozesse. Der Bedarf an digitalen Kompetenzen betrifft kleine wie große Unternehmen, besonders in Verwaltung, Finanzen, Kommunikation, Sicherheit und Datenmanagement.
Ganz ohne Stolperstellen geht das nicht. Digitale Dienste können Wege verkürzen und Informationen leichter zugänglich machen, zugleich aber Menschen ausschließen, wenn Bedienung, Sprache, Zugang oder Kenntnisse nicht ausreichen. Analoge Hilfen sollen deshalb nicht vollständig ersetzt werden. Die Stadt verbindet den Ausbau digitaler Infrastruktur mit Angeboten für Wissen, Vertrauen und Beteiligung.
Wer einen digitalen Dienst nutzt, sollte prüfen, ob er von einer offiziellen städtischen, hessischen oder bundesweiten Stelle stammt, ob Unterlagen klar aufgeführt sind, eine sichere Identifikation wie die eID möglich ist und Kosten, Fristen sowie Zuständigkeiten transparent bleiben. Wichtig sind außerdem eine Bestätigung nach dem Absenden und die Möglichkeit, den Bearbeitungsstatus online einzusehen.
Für das Straßenbauamt bedeutet diese Entwicklung: Daten, Prozesse und künstliche Intelligenz können helfen, die richtigen Stellen früher zu erkennen und Bauabläufe besser zu planen. Die Entscheidung bleibt trotzdem menschlich. Und draußen vor der Absperrung bleiben Menschen, die zur Arbeit müssen, mit dem Kinderwagen durchwollen oder einfach wissen möchten, wann es endlich weitergeht.
