Iowa plant Amerikas größtes Stahlwerk mit Erz aus Minnesota
Am Montag, dem 28. September 2026, hat US-Präsident Donald Trump im Oval Office ein Stahlwerk für 15 Milliarden US-Dollar in Iowa angekündigt. Es soll das größte Stahlwerk der US-Geschichte werden. Betreiber und Bauherr ist Mesabi Metallics, ein Bergbauunternehmen mit Sitz in Minnesota. Die Produktion soll 2030 beginnen.
Trump setzt damit auf ein Vorzeigeprojekt wenige Wochen vor den Zwischenwahlen 2026. Er will Investitionen und Produktion im eigenen Land ankurbeln und wirtschaftliche Erfolge zeigen. Gleichzeitig drücken Inflation und Lebenshaltungskosten vielen Wählerinnen und Wählern weiter aufs Gemüt. Iowa gilt als wichtiger Swing State: Trump gewann den Bundesstaat bei der Präsidentschaftswahl 2024 deutlich, nun stehen dort Senat und Repräsentantenhaus unter besonderer Beobachtung. Auch das Gouverneursamt, das seit 16 Jahren von Republikanern gehalten wird, wollen die Demokraten erobern.
Stahl aus Iowa, Erz aus Minnesota
Das Werk soll zunächst rund 7,5 Millionen Tonnen Stahl pro Jahr herstellen können. Später ist eine Steigerung auf 10 Millionen Tonnen vorgesehen; nach den Angaben von NBC News wird diese Jahresleistung als Zielgröße genannt. Produziert werden soll auch Stahl hoher Qualität für den Verteidigungssektor. Trump erklärte, das Material werde vollständig in den USA abgebaut, geschmolzen und produziert.
Der Rohstoff kommt aus einer neuen Mine von Mesabi Metallics in Minnesota. In deren Bau flossen 2,5 Milliarden US-Dollar. Die Mine soll in den kommenden Wochen den Betrieb aufnehmen, jährlich rund 7,5 Millionen Tonnen Eisen liefern und etwa 350 Arbeitsplätze schaffen. Sie liegt in der Mesabi Iron Range, einem 80 bis 100 Meilen langen Gebiet, aus dem nach Angaben des US Geological Survey im 20. Jahrhundert rund 60 Prozent der US-Eisenerzproduktion stammten. Trump bezeichnete das Vorhaben als erste neue Eisenerzmine in den USA seit mehr als 50 Jahren.
Für die Expansion von Mesabi Metallics will die staatliche Export-Import Bank der USA bis zu 10 Milliarden US-Dollar finanzieren. Bei der Ankündigung im Oval Office waren unter anderem Handelsminister Howard Lutnick und Mesabi-Metallics-Chef Joe Broking dabei. Zuerst hatte das „Wall Street Journal“ über das geplante Werk berichtet.
Arbeitsplätze und politische Botschaft
In Iowa sollen mindestens 1.750 dauerhafte Arbeitsplätze entstehen. Während der Bauphase rechnet das Projekt mit rund 5.000 bis 6.000 Arbeitsplätzen, die geschaffen beziehungsweise gesichert werden. Trump nannte das Vorhaben eine „gewaltige Investition“ und sagte, die US-Stahlindustrie erlebe einen Boom.
Die Regierung stellt das Werk in den Zusammenhang mit ihrer Wirtschafts- und Handelspolitik. Handelsbarrieren sollen Unternehmen dazu bringen, in den USA zu investieren und zusätzliche Stellen zu schaffen. Auf die meisten Stahlimporte erheben die Vereinigten Staaten inzwischen einen Zoll von 50 Prozent. Der Oberste Gerichtshof hob in diesem Jahr viele von Trump verhängte Zölle auf, die Abgaben auf importierten Stahl und Aluminium blieben jedoch bestehen.
Trump sagt, die Zölle hätten die US-Stahlindustrie wiederbelebt und Unternehmen dazu bewegt, Werke im Land zu bauen, um die Abgaben zu umgehen. Branchenverbände der Stahlindustrie forderten ihn in einem Schreiben in der Vorwoche auf, die Zölle nicht zu schwächen. Eine Lockerung gefährde aus ihrer Sicht Investitionen, Arbeitsplätze sowie wirtschaftliche und nationale Sicherheitsinteressen.
Ganz glatt läuft die Rechnung trotzdem nicht. Die Handelshemmnisse haben die Stahlpreise in den USA erhöht, der Bau neuer Produktionsanlagen bleibt teuer, und der globale Stahlmarkt steht wegen Überkapazitäten und schwacher Nachfrage unter Druck. Sinkende Zustimmungswerte Trumps sowie Sorgen über Inflation und Lebenshaltungskosten lassen einige Analysten zudem erwarten, dass die Republikaner bei den Zwischenwahlen die Kontrolle über beide Kongresskammern verlieren könnten. Das würde die Umsetzung von Trumps Gesetzesvorhaben erheblich erschweren.
Importe sinken, Kosten bleiben
Nach Daten des American Iron and Steel Institute sanken die Stahleinfuhren 2025 um 13 Prozent auf gut 25 Millionen Tonnen. Bei Fertigerzeugnissen betrug der Rückgang 17 Prozent, die Importquote fiel von 23 auf 18 Prozent. US-Stahlhersteller steigerten ihren Absatz dagegen um 5 Prozent auf gut 91 Millionen Tonnen.
Für das Jahr 2025 weist die Branche 198 Unternehmen und 71.530 Beschäftigte aus. Der Umsatz lag bei 109,3 Milliarden US-Dollar, der Gewinn bei 4,4 Milliarden. Ausgeliefert wurden 91,2 Millionen Tonnen Stahl, importiert 25,2 Millionen Tonnen, darunter 18,7 Millionen Tonnen Fertigprodukte. Die Ausfuhren beliefen sich auf 7,1 Millionen Tonnen. Der Importwert lag bei 33,7 Milliarden US-Dollar, der Exportwert bei 15,5 Milliarden.
Der wertmäßige Import von Eisen und Stahl sank laut US International Trade Commission um 17 Prozent auf knapp 34 Milliarden US-Dollar. Kanada und Mexiko verzeichneten die größten Lieferverluste: Kanada kam auf 5,1 Milliarden US-Dollar, ein Minus von 34,2 Prozent, Mexiko auf 2,6 Milliarden, ein Rückgang von 33,6 Prozent. US-Autobauer im Großraum Detroit – Ford, General Motors und Stellantis – beziehen traditionell große Mengen Stahl aus Kanada. Deutsche und japanische Hersteller sitzen überwiegend im Süden der USA und kauften mehr Metall aus Mexiko. Nach Einführung der Zölle mussten sich Autobauer teilweise nach US-Lieferanten umsehen.
Deutschland lag mit Stahl- und Eisenlieferungen im Wert von 2,0 Milliarden US-Dollar auf Rang fünf der Lieferländer. Das waren 5,4 Prozent weniger als zuvor. Geliefert wird vor allem Spezialstahl, für den häufig keine US-Ersatzlieferanten existieren. Weitere Importwerte: Brasilien 4,0 Milliarden US-Dollar, minus 16,5 Prozent; Südkorea 2,8 Milliarden, minus 16,6 Prozent; Indien 1,8 Milliarden, plus 48,9 Prozent; Japan 1,6 Milliarden, minus 13,3 Prozent; Taiwan 1,5 Milliarden, minus 0,5 Prozent; Italien 0,9 Milliarden, minus 21,1 Prozent.
Der AISI gehört zu den wenigen Industrieverbänden, die die Stahlzölle unterstützen. Für andere verarbeitende Branchen sind sie eine ziemlich teure Angelegenheit: US-Anbieter verlangen höhere Preise, für bestimmte Sorten gibt es keine heimische Alternative, und ausländische Lieferanten geben einen großen Teil der Zollkosten an US-Kunden weiter, wenn Konkurrenz aus den USA fehlt. Gerade bei Spezialstählen bleibt die Importabhängigkeit hoch.
Der volle Effekt kommt wohl erst 2026
Ab dem 12. März 2025 galten 25 Prozent Zusatzzoll auf Stahl, ab dem 4. Juni stieg der Satz auf 50 Prozent, teilweise auch für Stahlderivate. Die Änderungen des US-Zollregimes vom 24. Februar 2026 beeinflussten diese sektoralen Zölle nicht. Für 2026 wird ein weiterer deutlicher Rückgang der Stahleinfuhren erwartet, weil die Zölle 2025 erst ab dem Frühsommer vollständig wirkten und viele Unternehmen ihre Lager zuvor aufgefüllt hatten.
Für Stahlabnehmer wird die Lage dadurch nicht gemütlicher. Der Hochbau befindet sich seit 2025 in einer leichten Rezession. Im Tiefbau verlangsamt sich der Ausbau der Verkehrsinfrastruktur, weil die Impulse früherer Konjunkturprogramme nachlassen. Cox Automotive prognostiziert für 2026 außerdem einen Rückgang der US-Neuzulassungen um knapp 3 Prozent. Diese Prognose entstand vor dem Irankrieg und dem Anstieg der Kraftstoffpreise; höhere Spritpreise könnten die Autonachfrage zusätzlich schwächen.
Eine wesentliche Ausweitung der US-Stahlkapazitäten lässt sich aus der Handelspolitik allein nicht ableiten. Neue Stahlwerke brauchen mehrere Jahre und rechnen sich erst später. Unternehmen wissen zudem nicht, ob die Zölle nach einem Regierungswechsel Anfang 2029 noch bestehen bleiben. Hohe Ankündigungen sind da schnell gemacht, die Bagger rollen langsamer.
Als mögliche Großinvestition gilt die geplante Übernahme von U.S. Steel durch Nippon Steel. Joe Biden und Donald Trump hatten sie zeitweise untersagt, Trump genehmigte sie im Sommer 2025 per Exekutivanordnung. Nippon Steel soll Investitionszusagen von 11 Milliarden US-Dollar gemacht haben; wie viel davon tatsächlich umgesetzt wird, ist noch offen. Auch andere Unternehmen kündigen laut der Branchenanalyse teils hohe Investitionen an, deren Realisierung nicht gesichert ist.
Für Mesabi Metallics bleibt der Zeitplan jedenfalls ambitioniert: Mine in Minnesota, Stahlwerk in Iowa, erste Produktion 2030. Dazu der politische Druck vor den
