Naha baut neues Kreuzfahrtterminal für MSC und Royal Caribbean
Am 5. Oktober 2026 hat die Royal Caribbean Group (ISIN LR0008862868) im Hafen von Naha auf Okinawa den Bau eines neuen Kreuzfahrtterminals begonnen. Der Spatenstich wurde mit einer traditionellen japanischen Zeremonie gefeiert – mit Vertretern aus Politik, Verwaltung, Hafenbehörde und den beiden Kreuzfahrtkonzernen. Unter den Gästen waren Okinawas Gouverneur Genta Koja und Vertreter des japanischen Kabinettsbüros.
Hinter dem Vorhaben steht eine ungewöhnliche Partnerschaft: Die Naha Port Authority, Cruise Port Naha G.K., MSC Cruises und die Royal Caribbean Group ziehen bei einem eigenen Terminal an einem Strang. Cruise Port Naha G.K. ist ein Joint Venture von CTL Maritime und RCL Cruises Ltd. Das Unternehmen soll die Anlage im Interesse von MSC Cruises und Royal Caribbean entwickeln und betreiben.
Terminal für große Schiffe und mehr Gäste
Grundlage der Zusammenarbeit ist ein im August 2026 mit der Hafenbehörde geschlossenes „Cruise Hub Formation Agreement“. Fertigstellung und Inbetriebnahme sind für März 2028 vorgesehen. Geplant ist moderne, komfortable Infrastruktur für Passagiere, dazu sollen die Abläufe im Hafen effizienter werden und das Gästeerlebnis besser ausfallen. Auch große und moderne Kreuzfahrtschiffe sollen abgefertigt werden können.
Für Naha bedeutet das mehr Kapazität in einem wachsenden asiatischen Markt. Die Anlage soll die regionale Anbindung stärken und die langfristige Entwicklung des Tourismus in Okinawa fördern. Naha gilt wegen seiner strategischen Lage als einer der wichtigen Kreuzfahrthäfen Japans und als Zugang zu mehreren Zielen in Ostasien. Dass zwei konkurrierende Kreuzfahrtunternehmen dafür gemeinsam investieren, ist allerdings eher die Ausnahme als die Regel.
Das Projekt folgt auf die Einstufung des Hafens von Naha als „International Cruise Ship Hub Formation Port“ durch das japanische Ministerium für Land, Infrastruktur, Verkehr und Tourismus im Jahr 2019. Die beteiligten Unternehmen und Behörden sprechen von einer öffentlich-privaten Zusammenarbeit zur langfristigen Entwicklung des Tourismus in Okinawa. Für MSC Cruises und die Royal Caribbean Group ist das Terminal zugleich Teil ihrer langfristigen Expansionspläne in der Region.
Royal Caribbean baut auf Wachstum
Royal Caribbean betreibt 71 Schiffe und steuert laut RCCL Investors mehr als 1.000 Reiseziele auf allen sieben Kontinenten an. Das Okinawa-Terminal erweitert das bestehende Angebot aus Kreuzfahrten, privaten Destinationen und landbasierten Urlaubserlebnissen. Ein ziemlich großer Fußabdruck – und einer, der weiter wächst.
Finanziell kommt der Konzern mit Rückenwind nach Naha: Im zweiten Quartal 2026 lag der Umsatz bei 4,8 Milliarden US-Dollar, 6,0 Prozent mehr als im Vorjahresquartal. Der bereinigte Gewinn je Aktie erreichte 4,21 US-Dollar und lag damit 0,33 US-Dollar über dem Mittelwert der Unternehmensprognose. Für das Gesamtjahr 2026 stellte Royal Caribbean einen bereinigten Gewinn je Aktie von 17,73 bis 17,87 US-Dollar in Aussicht.
Zum Ende des zweiten Quartals verfügte das Unternehmen über eine Liquidität von 6,9 Milliarden US-Dollar. Die Verschuldungsquote blieb unter dem Faktor 3. Gleichzeitig stehen weitere Aufgaben an: Am 23. September 2026 vereinbarte Royal Caribbean den Erwerb von 50 Prozent an Sandals Resorts für 3,0 Milliarden US-Dollar. Der Abschluss dieser Transaktion ist für Anfang 2027 vorgesehen und soll durch Fremdkapital finanziert werden. Damit kommen zusätzliche Investitionen und Integrationsaufgaben im Zusammenhang mit der Expansion auf den Konzern zu.
Am 6. Oktober 2026 betrug die Marktkapitalisierung 76,8 Milliarden US-Dollar. Die Aktie bewegte sich in den vergangenen 52 Wochen zwischen 222,22 und 356,39 US-Dollar. Royal Caribbean Cruises Ltd. ist unter dem Ticker RCL an der NYSE notiert, gehört zur Branche Travel Services und zum Sektor Consumer Cyclical. Im Index ist das Unternehmen im S&P 500 vertreten.
Japan holt auf – aber nicht ohne Stolpersteine
Der Bedarf an zusätzlicher Hafeninfrastruktur kommt nicht aus dem Nichts. 2025 besuchten 1,767 Millionen ausländische Reisende Japan per Kreuzfahrtschiff. Das war ein Anstieg um den Faktor 1,2 gegenüber 2024, blieb jedoch unter dem Regierungsziel von 2,5 Millionen Gästen. Das zuständige Ministerium führte das Verfehlen auf die noch nicht vollständige Erholung der Nachfrage nach der Corona-Pandemie zurück.
Vor der Pandemie, im Jahr 2019, zählte Japan rund 2,15 Millionen Kreuzfahrtgäste. 2020 und 2021 kam der internationale Kreuzfahrtverkehr nahezu zum Erliegen; ab 2023 wurden internationale Routen schrittweise wieder aufgenommen. 2025 liefen Kreuzfahrtschiffe insgesamt 3.117-mal japanische Häfen an – gegenüber 2024 ein Anstieg um den Faktor 1,3 und zugleich ein neuer Höchstwert. 2.352 dieser Anläufe entfielen auf Schiffe ausländischer Reedereien.
Naha gehörte dabei zu den meistangelaufenen Häfen des Landes: 187 Anläufe wurden gezählt. Noch häufiger standen Nagasaki mit 194 und Hakata in Fukuoka mit 191 Anläufen im Fahrplan. Insgesamt liefen Kreuzfahrtschiffe 2025 93 japanische Häfen an, gegenüber 97 im Jahr 2024.
Ganz glatt läuft die Entwicklung trotzdem nicht. Mehrere chinesische Kreuzfahrtgesellschaften kündigten im November 2025 an, japanische Häfen wegen diplomatischer Spannungen zu meiden und stattdessen südkoreanische Häfen anzulaufen. Nach Angaben des Reiseveranstalters East Japan International Travel Service gingen dadurch rund 80 Prozent der Buchungen chinesischer Reisegruppen verloren. Betroffen waren unter anderem Fukuoka, Sasebo und Nagasaki; mehrere Schiffe verlängerten ihre Aufenthalte auf der südkoreanischen Insel Jeju, statt wie geplant Japan anzulaufen.
Japan verzeichnete 2024 insgesamt mehr als 40 Millionen ausländische Touristen, Kreuzfahrtgäste machen davon allerdings nur einen kleinen Anteil aus. Das Ministerium beobachtet zugleich einen anderen Trend: Kleinere, hochpreisige Kreuzfahrtschiffe nehmen zunehmend regionale Häfen außerhalb großer Metropolen in ihre Routen auf. Hafenstädte investieren deshalb in Terminals und Infrastruktur, damit künftig auch größere Schiffe anlegen können. In Naha wird dafür jetzt gebaut – mit Baulärm statt Meeresrauschen, zumindest vorerst.
