Österreich steht vor einer ungewöhnlich großen Bauaufgabe: Baugewerkschafter Josef Muchitsch (SPÖ) fordert eine „rot-weiß-rote“ Baustrategie, die Investitionen in Schulen, Kindergärten, Wohnraum und Verkehr zusammenführt. Anlass ist der zusätzliche Spielraum, den die EU-Kommission den Mitgliedstaaten über die Budget-Ausnahmeklausel für Investitionen in die Energiesicherheit eröffnet.

Für Muchitsch gehört dazu auch die thermische Sanierung. Nach Berechnungen des gewerkschaftsnahen Momentum Instituts könnten Österreich dafür rund 3,4 Milliarden Euro zur Verfügung stehen. Geld, das nicht irgendwo verschwinden soll, sondern auf Baustellen ankommen könnte – dort, wo Fassaden gedämmt, Fenster getauscht und Heizkosten dauerhaft gesenkt werden.

1.600 Kindergärten, 1.300 Schulen

Mit den Mitteln ließen sich laut Muchitsch rund 1.600 Kindergärten und 1.300 Schulen thermisch sanieren. Gerade bei älteren Gebäuden ist das keine Kleinigkeit: Im Winter zieht es durch und im Sommer staut sich die Hitze, während in den Klassen gelernt werden soll. Eine Sanierung würde nach seiner Einschätzung nicht nur die Energiesicherheit stärken.

Muchitsch erwartet dadurch rund vier Milliarden Euro Wertschöpfung sowie 35.000 neue oder abgesicherte Arbeitsplätze. Für die heimische Bauwirtschaft wäre das ein kräftiger Schub. Und für viele Betriebe, die zwischen Auftragslücken, steigenden Kosten und unsicheren Aussichten hängen, vermutlich mehr als bloß ein Tropfen auf den heißen Stein.

Wohnbau und Verkehr im selben Paket

Zusätzlich fordert der Baugewerkschafter geförderten und leistbaren Wohnraum. Die Mittel der Wohnbauförderung müssten vollständig im Wohnbau eingesetzt werden, lautet seine Forderung. Leistbare Wohnungen entstehen schließlich nicht durch Ankündigungen, sondern durch Projekte, Grundstücke, Planung und viele Arbeitsstunden – oft früh am Morgen, wenn auf der Baustelle noch der Kaffee aus dem Thermobecher dampft.

Auch die Verkehrsinfrastruktur müsse klimafit gemacht werden. Für Muchitsch gehört sie damit unmittelbar zur geforderten Baustrategie. Schulen und Kindergärten sanieren, Wohnungen bauen, Verkehrswege anpassen: Das sind unterschiedliche Baustellen, hängen wirtschaftlich aber eng zusammen.

Regional vergeben, nicht einfach nur billig

Bei Investitionen und Vergaben sind für Muchitsch regionale Betriebe, der Bestbieter statt des Billigstbieters und Beschäftigung in Österreich entscheidend. Der niedrigste Preis allein, so lässt sich seine Position zusammenfassen, darf nicht das Maß aller Dinge sein. Qualität, regionale Wertschöpfung und Arbeitsplätze sollen stärker zählen.

Sein „Vergabekatalog Rot-Weiß-Rot“ enthalte dafür bereits rechtskonforme Vorschläge. Damit liegt zumindest ein konkreter Ansatz auf dem Tisch, wenn öffentliche Auftraggeber die Milliarden verteilen. Zwischen einem gut gedämmten Schulgebäude und einer bloß billig vergebenen Sanierung liegen schließlich nicht nur ein paar Zahlen in einer Tabelle, sondern Jahre an Betriebskosten, Arbeitsplätze und die Frage, ob das Geld im Land Wirkung zeigt.

Die Forderungen stammen aus Österreich und wurden am 30.09.2026 vor dem Hintergrund der europäischen Budget-Ausnahmeklausel formuliert. Für die Bauwirtschaft wäre jetzt vor allem entscheidend, ob aus dem zusätzlichen finanziellen Spielraum auch tatsächlich planbare Projekte werden – mit klaren Vergaben, regionaler Beteiligung und einem Platz für den Wohnbau neben der thermischen Sanierung.