Auf den Philippinen trägt die staatliche Green Lane inzwischen ein gewaltiges Preisschild: 244 zertifizierte Projekte stehen für rund 6,36 Billionen philippinische Pesos (PHP), umgerechnet etwa 90,5 Milliarden Euro. Doch auf Baustellen, in Kraftwerken und an anderen fertigen Anlagen ist davon bislang nur ein kleiner Teil angekommen. Gerade einmal 23 Vorhaben im Wert von 286,17 Milliarden PHP – etwa 4,1 Milliarden Euro – sind bereits in Betrieb.

Der Abstand zwischen Zertifikat und Wirklichkeit ist damit beträchtlich. 166 Projekte mit rund 5,52 Billionen PHP (78,6 Milliarden Euro) stecken noch in der Vorentwicklungsphase. Weitere 46 Vorhaben im Wert von 368,64 Milliarden PHP befinden sich im Bau, neun Projekte mit 190,21 Milliarden PHP stehen vor der Betriebsaufnahme. Rund 87 Prozent des gemeldeten Investitionsvolumens entfallen somit noch auf Projekte vor Baubeginn; lediglich etwa 4,5 Prozent sind bereits operativ.

Viele Pläne, wenige fertige Anlagen

Die Green Lane soll strategische Investitionen durch die koordinierte Bearbeitung mehrerer Behörden schneller durch das Genehmigungsverfahren bringen. Das kann Aktenwege verkürzen. Für die Umsetzung braucht es danach allerdings weiterhin Finanzierung, Grundstücke, Netzanschlüsse, Umweltgenehmigungen, Beschaffung und Bau. Genau dort wird es oft zäh – und manchmal bleibt ein Vorhaben eben liegen.

Zwischenzeitlich war die Zahl der zertifizierten Projekte sogar gesunken, obwohl neue Vorhaben hinzukamen. Der Grund: Zehn Projekte für erneuerbare Energien mit einem Gesamtwert von 137,47 Milliarden PHP, etwa 2,0 Milliarden Euro, wurden entfernt. Ihre Serviceverträge waren beim Department of Energy zurückgegeben worden. Die aktuell gelisteten 244 Projekte sind deshalb nicht identisch mit den zuvor gemeldeten 244 Projekten.

Für die Bewertung des Programms sind die Übergänge aus der Vorentwicklung in die Bauphase und die tatsächliche Betriebsaufnahme aussagekräftiger als die zertifizierte Gesamtsumme. Die aktuellen Zahlen zeigen beides: Die Green Lane kann bürokratische Verfahren verkürzen, sie ist aber keine Garantie dafür, dass ein Projekt am Ende tatsächlich realisiert wird.

Erneuerbare Energien geben den Ton an

Wie stark der Energiesektor die Pipeline prägt, zeigen die ersten fünf Monate 2026. In diesem Zeitraum erhielten 13 philippinische Projekte für erneuerbare Energien eine Green-Lane-Zertifizierung. Ihr Volumen beträgt 344,62 Milliarden PHP; damit entfielen 99,6 Prozent der insgesamt genehmigten Green-Lane-Investitionen von rund 346 Milliarden PHP auf erneuerbare Energien.

Geplant sind Solar-, Wind-, Wasser- und Geothermieprojekte. Zusammen sollen sie 38.716 direkte Arbeitsplätze schaffen. Energieministerin Sharon Garin erklärte, die Investitionen zeigten das wachsende Vertrauen in den philippinischen Erneuerbare-Energien-Sektor und sollten insbesondere Beschäftigung schaffen. Nach Angaben des Energieministeriums sollen die Vorhaben außerdem den steigenden Strombedarf decken und die Energiewende unterstützen.

Die Philippinen streben einen Anteil erneuerbarer Energien am Strommix von 35 Prozent bis 2030 und 50 Prozent bis 2040 an. Dahinter stehen nicht nur Klimaziele. Es geht auch um Energiesicherheit und darum, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen zu verringern. Saubere Energie ist deshalb in Executive Order Nr. 18 ausdrücklich als einer der vorrangigen Sektoren für das Green-Lane-Verfahren aufgeführt.

Ein Schnellverfahren mit langer Strecke

Eingerichtet wurde die Green-Lane-Initiative 2023 durch Executive Order Nr. 18. Beim Board of Investments entstand dafür ein One-Stop Action Center for Strategic Investments. Nationale Behörden und lokale Verwaltungseinheiten sollten eigene „Green Lanes“ für beschleunigte Genehmigungen einrichten – weniger Zuständigkeits-Pingpong, mehr gebündelte Verfahren.

Seit Beginn des Programms im Februar 2023 wurden laut Energieministerium 237 strategische Investitionsprojekte im Wert von insgesamt 6,32 Billionen PHP zertifiziert. Sie sollen mehr als 420.000 Arbeitsplätze schaffen. Auf erneuerbare Energien entfallen davon 182 Projekte mit einem Gesamtwert von 5,41 Billionen PHP. Das Ministerium führt den stetigen Zufluss an Investitionen auf vereinfachte Regulierungsverfahren und politische Reformen zur Förderung privater Beteiligung zurück.

Die Behörde will weiter mit Regierungsstellen, lokalen Verwaltungseinheiten und Branchenvertretern zusammenarbeiten, damit die zertifizierten Projekte von der Entwicklungsphase bis zum kommerziellen Betrieb vorankommen. Klingt nach viel Koordination – und genau die ist nötig, wenn aus einer großen Zahl auf Papier irgendwann Strom, Wasserleitungen, digitale Netze oder Arbeitsplätze werden sollen.

Eine Zwischenbilanz des Handels- und Industrieministeriums (DTI) über das Board of Investments fiel im März 2026 etwas anders aus: Bis dahin waren 244 Projekte mit einem Gesamtwert von 6,43 Billionen PHP zertifiziert. Die Pipeline konzentrierte sich vor allem auf erneuerbare Energien, Infrastruktur im Rahmen öffentlich-privater Partnerschaften, Wasserwirtschaft, digitale Infrastruktur und Ernährungssicherheit.

171 Projekte im Wert von 5,79 Billionen PHP befanden sich damals noch in der Vorentwicklungsphase. Als Gründe wurden unter anderem umfangreiche Genehmigungsverfahren und die notwendige Abstimmung mehrerer Behörden genannt. 46 Projekte mit 359,64 Milliarden PHP waren im Bau, acht Vorhaben im Wert von 6,99 Milliarden PHP hatten die Vorbetriebsphase erreicht. 19 Projekte mit insgesamt 266,85 Milliarden PHP liefen bereits – insbesondere in den Bereichen erneuerbare Energien, digitale Infrastruktur und Ernährungssicherheit.

Wo es schon schneller geht

Handelsministerin und BOI-Vorsitzende Cristina Roque betonte, dass die Dynamik vor allem im Energiesektor erhalten bleiben müsse, um den steigenden Energiebedarf zu decken, Kosten zu stabilisieren und die wirtschaftliche Aktivität zu unterstützen. Die Green Lane wurde durch Executive Order Nr. 18 institutionalisiert und soll Investitionen mit hoher Wirkung schneller durch die Genehmigungen bringen, indem nationale Behörden und lokale Verwaltungseinheiten enger zusammenarbeiten.

Ein Beispiel liefert das 100-Megawatt-Solarprojekt Pasuquin Solar Power Project der Nanchao Renewable Energy Corp. Die Energieaufsichtsbehörde erließ innerhalb von vier Monaten eine wichtige Entscheidung. Üblicherweise dauert die Bearbeitung neun Monate. Vier statt neun Monate – auf dem Papier ist das ein kleiner Unterschied, auf einer Baustelle kann es eine ganze Saison bedeuten.

Ob aus den übrigen Zertifizierungen ebenfalls Anlagen werden, entscheidet sich nun an den weniger glänzenden Dingen: Finanzierungsgesprächen, Grundstücken, Leitungen, Ausschreibungen, Umweltauflagen und Beton. Die Milliarden stehen bereits in den Tabellen. Der eigentliche Lärm – Bagger, Generatoren, Schweißgeräte – muss vielerorts erst noch beginnen.