Deutschlandticket steigt 2027 auf 66,80 Euro: Neue Preisformel ersetzt politische Verhandlungen
Für viele Pendler, Auszubildende und Studierende beginnt das Jahr 2027 mit einer kleinen, aber spürbaren Mehrbelastung: Das Deutschlandticket kostet ab dem 1. Januar monatlich 66,80 Euro. Bisher sind 63 Euro fällig. Der Aufschlag beträgt damit 3,80 Euro.
Mitgeteilt hat die neue Preisstufe der Vorsitzende der Verkehrsministerkonferenz, Bayerns Verkehrsminister Bernreiter. Grundlage ist eine neue Kostenberechnung. Rund 14,5 Millionen Menschen nutzen derzeit das bundesweit gültige Ticket für den Regional- und Nahverkehr. Eingeführt wurde es 2023 zunächst als 49-Euro-Ticket; es war aus dem 9-Euro-Ticket hervorgegangen. Danach stieg der Preis auf 58 Euro, später auf 63 Euro.
Der Preis folgt künftig einer Formel
Zum ersten Mal wurde der Betrag nicht politisch ausgehandelt, sondern anhand einer festgelegten Formel berechnet. Ein Preisindex bildet mithilfe statistischer Daten die Entwicklung von Personal-, Energie- und weiteren veränderlichen Kosten der Verkehrsbetriebe ab. Steigt die Inflation, kann also auch das Ticket teurer werden.
Berücksichtigt wird außerdem, dass die jährlichen Ausgleichszahlungen von Bund und Ländern auf drei Milliarden Euro begrenzt sind und nicht automatisch mitwachsen. Bund und Länder bezuschussen das Ticket mindestens bis 2030 jeweils mit 1,5 Milliarden Euro jährlich. Verkehrsverbünde melden trotzdem eine Finanzierungslücke.
Den endgültigen Preis legt der „Koordinierungsrat Deutschlandticket“ fest. In ihm sitzen Vertreter der Verkehrsministerien von Bund und Ländern, kommunale Spitzenverbände und die Verkehrsbranche; beraten wird der Rat auch von Verkehrsunternehmen. Das Verfahren soll jährliche politische Streitereien über die Finanzierung vermeiden und den Fortbestand des Angebots sichern.
Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen hält den neuen Preis für notwendig. Für Kundeninformation und die Umstellung des Vertriebs würden laut VDV etwa drei Monate benötigt. Bundesverkehrsminister Steffen Bilger erklärte, das Ticket bleibe trotz der Erhöhung attraktiv für hochwertige und klimafreundliche Mobilität. Die Finanzierung sei bis 2030 gesichert, das Angebot solle weiterentwickelt und der Nutzerkreis ausgeweitet werden.
Zwischen Tankrabatt und Klimaversprechen
Widerspruch kommt von Umwelt- und Fahrgastverbänden. Der BUND kritisiert, dass der Bund 2,5 Milliarden Euro für einen weiteren Tankrabatt bereitstelle, das Deutschlandticket aber nicht preisstabil halte. Auch der Fahrgastverband Pro Bahn beanstandet den Anstieg. Ehrenvorsitzender Detlef Neuß sagte, ein weiterer Aufschlag werde nur widerwillig akzeptiert, und forderte für Nutzer des Deutschlandtickets ebenfalls einen Rabatt.
Nordrhein-Westfalens Verkehrsminister Oliver Krischer verwies darauf, dass die Bundesregierung im Koalitionsvertrag Preisstabilität versprochen habe. Den automatisierten Preisbildungsmechanismus bezeichnete er als nachteilig für den Erfolg des Tickets. Eine größere Nutzerzahl könne langfristig für mehr Preisstabilität und ein besseres Angebot sorgen.
Für 2027 gelten außerdem 63,46 Euro beim Jobticket und 40,08 Euro beim Semesterticket. Das reguläre Abo bleibt monatlich kündbar – ein Detail, das im Alltag durchaus zählt, wenn sich der Arbeitsweg ändert oder das Geld am Monatsende knapp wird.
Kauf, Kündigung und Gültigkeit
Erhältlich ist das Deutschlandticket über Apps, Websites und Verkaufsstellen der Verkehrsunternehmen sowie der Deutschen Bahn. Ausgegeben wird es als Smartphone-Ticket oder Chipkarte. Je nach Anbieter sind Lastschrift, Kredit- oder Debitkarte und PayPal möglich. In DB-Reisezentren kann bar bezahlt werden; für Folgezahlungen muss allerdings eine Kontoverbindung hinterlegt sein.
Das Ticket gibt es ausschließlich im Abo. Bezahlt werden kann monatlich oder per jährlicher Einmalzahlung. Wer es nur einen Monat benötigt, muss das Abo vor dem 10. eines Monats abschließen und direkt wieder zum Folgemonat kündigen. Die Kündigungsfrist lautet grundsätzlich: bis zum 10. eines Monats zum Ende des Folgemonats.
Die Kündigung läuft über die App oder Website des jeweiligen Verkehrsunternehmens. Nach dem Einloggen geht es im persönlichen Profil über „Ticket kündigen“ oder „Deutschland-Ticket kündigen“. Bei vielen Verkehrsverbünden funktioniert das auch telefonisch oder per Kontaktformular.
Gültig ist das Ticket deutschlandweit in Nah- und Regionalzügen, Bussen, Straßenbahnen und U-Bahnen. ICE, IC, EC, FlixTrain, Fernbusse und Fähren zu den schleswig-holsteinischen Nordsee-Inseln sind ausgeschlossen. Ausnahmen im Fernverkehr gibt es unter anderem beim IC Bremen–Norddeich sowie bei IC und ICE zwischen Rostock und Stralsund.
Einige Fähren sind eingeschlossen: die Hamburger Hafenfähren, Fähren der Kieler Fördeschifffahrt, die Priwallfähre in Travemünde und die Fähre Schaprode–Hiddensee. Teilweise reicht die Fahrt sogar über die Grenze, etwa nach Tondern, Schaffhausen, Enschede, Hengelo, Salzburg, Vils, Zgorzelec, Hrádek nad Nisou und Luxemburg.
Rabatte im Norden – noch gelten die alten Preise
In Niedersachsen zahlen Ehrenamtliche und Inhaber von Sozialtickets in der Region Hannover derzeit 35,40 Euro. Jobticket-Nutzer kommen je nach Arbeitgeberzuschuss auf höchstens 44,10 Euro. Für Auszubildende und Freiwilligendienstleistende werden 50,40 Euro fällig; mit Zuschuss des Ausbildungsbetriebs kann der Preis auf 31,50 Euro sinken. Regionale Schülerangebote gibt es ebenfalls, etwa das Deutschlandticket Hannover Jugend für 35,40 Euro. Wegen der allgemeinen Erhöhung sollen diese Preise voraussichtlich zum 1. Januar 2027 steigen.
Hamburger Schüler zahlen ab dem 1. Januar 2027 eine jährliche Pauschale von 19 Euro. Bisher war das Ticket kostenlos, Voraussetzung bleibt ein Schulnachweis. Menschen mit niedrigem Einkommen zahlen derzeit 27,50 Euro, Senioren ab 67 Jahren 49 Euro. Jobticket-Nutzer zahlen bisher höchstens 44,10 Euro. Auch in Hamburg sollen die vergünstigten Preise voraussichtlich zum 1. Januar 2027 steigen.
In Schleswig-Holstein wird das Deutschland-Schulticket von kreisfreien Städten und Kreisen finanziert. Der Rabatt beträgt derzeit mindestens 20 Euro, dadurch kostet das Ticket höchstens 43 Euro. Jobticket-Nutzer zahlen höchstens 44,10 Euro. Die Preise sollen voraussichtlich ebenfalls zum 1. Januar 2027 angehoben werden.
Mecklenburg-Vorpommern bietet Auszubildenden, Berufsschülern, Freiwilligendienstleistenden, Beamtenanwärtern und Senioren derzeit ein Ticket für 43 Euro. Ein landesweit einheitliches vergünstigtes Schülerticket gibt es nicht. Der Landkreis Ludwigslust-Parchim bezuschusst das Schülerticket mit 30 Euro monatlich, der Landkreis Rostock mit 20 Euro. Auch dort wird mit höheren Preisen zum 1. Januar 2027 gerechnet.
Bei Studierenden hängt der Rabatt von Hochschule und Bundesland ab. Derzeit kostet das vergünstigte Ticket 34,80 Euro monatlich; ab dem Wintersemester 2026/27 steigt der Preis um drei Euro. Im Norden gibt es das Angebot in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein. In Mecklenburg-Vorpommern gilt es nur für Studierende der Universität Rostock. Hochschulen in Greifswald, Stralsund und Neubrandenburg haben sich gegen die Einführung entschieden.
Personengebunden, ohne Gratis-Mitfahrer
Das Ticket ist personengebunden und nicht übertragbar. Bei einer Kontrolle muss ein Lichtbildausweis vorgezeigt werden. Weitere Personen dürfen kostenlos nicht mitgenommen werden, Kinder unter sechs Jahren fahren aber gratis. In Hamburg gibt es für Nutzer des „Jobticket Premium“ eine Mitnahmeregelung.
Für Fahrräder und Hunde gelten die Regeln des jeweiligen Verkehrsverbunds. In den meisten Verbünden und Regionalbahnen ist für Fahrräder eine zusätzliche Fahrradkarte nötig – wer das übersieht, erlebt die Kontrolle womöglich schneller als gedacht.
Finanziert wird das Deutschlandticket durch Fahrgeldeinnahmen sowie Zuschüsse von Bund und Ländern. Während auf den Bahnsteigen weiter Millionen Menschen mit Smartphone-Ticket oder Chipkarte unterwegs sind, wird im Hintergrund an Personal-, Energie- und allgemeinen Kosten gerechnet. Der neue Betrag von 66,80 Euro steht seit dem 30. September 2026 fest.
