Flamingo-Proteste gegen Trump-nahes Luxusresort in Albaniens Naturschutzgebiet
In Albanien soll in einem Naturschutzgebiet ein Luxusresort entstehen. Das Projekt steht mit der Familie des US-Präsidenten Donald Trump in Verbindung – und hat eine Protestbewegung ausgelöst, die längst über den Schutz eines Küstengebiets hinausweist. Es geht um die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes, um Macht, Geld und die Frage, wem Albanien eigentlich gehört.
Auch in Frankfurt ist der Streit angekommen. An der Konstablerwache demonstrieren etwa 30 Menschen unter dem Namen „Flamingos of Frankfurt“. Auf ihren Schildern steht „Protect Albania“ oder „Investitionen für die Bürger, nicht für Oligarchen!“. Die meisten Teilnehmenden gehören zur albanischen Diaspora. In Hessen leben mehr als 11.000 Albanerinnen und Albaner.
Protest mit Verbindung nach Tirana
Seit etwa vier Monaten treffen sich die „Flamingos of Frankfurt“ wöchentlich. Bei der Kundgebung sind per Videocall auch Gruppen aus anderen Städten zugeschaltet. Ähnliche Proteste gibt es unter anderem in London, Berlin und Wien. Gemeinsam organisieren die Beteiligten außerdem Fahrten nach Albanien, um die Demonstrationen dort zu unterstützen.
Eine der Organisatorinnen ist die 25-jährige Laura Pohumi. Sie lebt seit sechs Jahren in Deutschland und sagt, die Bewegung wolle, dass die Stimmen der Albanerinnen und Albaner weltweit gehört werden. Das klingt nach einem großen Anspruch – auf dem Platz in Frankfurt wirkt es zugleich sehr konkret: Menschen halten Plakate hoch, telefonieren mit Aktivisten in Albanien und sprechen über ein Land, zu dem sie trotz Entfernung eng verbunden bleiben.
Zentrum der Proteste ist Tirana. Dort demonstrieren Menschen seit etwa vier Monaten täglich gegen die Regierung, zeitweise beteiligen sich Zehntausende. Die Bewegung gilt inzwischen als eine der größten regierungskritischen Protestbewegungen in Albanien. Ein Ende ist derzeit nicht absehbar.
Vier Milliarden Euro für Resorts
Auslöser war im Mai ein geplantes Bauprojekt an einem Strandabschnitt in Zvërnec im Südwesten Albaniens sowie auf der gegenüberliegenden Insel Sazan. Dort sollen Luxusresorts mit geschätzten Kosten von rund vier Milliarden Euro entstehen. Ein Teil der Anlagen liegt in einem Naturschutzgebiet, in dem unter anderem Flamingos leben.
Daher kommt die Bezeichnung „Flamingo-Proteste“, teilweise ist auch von einer „Flamingo-Revolution“ die Rede. Für die Kritiker geht es dabei nicht nur um Gebäude, Hotelanlagen oder den Zugang zu einem Strand. Laut dem ARD-Studio Südosteuropa steht die grundsätzliche Frage im Raum, ob Albanien den Bürgerinnen und Bürgern gehört – oder Investoren mit Verbindungen zur politischen Elite.
Als prominenter Investor gilt Jared Kushner, der Schwiegersohn von Donald Trump. Seine Frau Ivanka Trump hat sich öffentlich für das Vorhaben ausgesprochen. Laut AFP erhielt eine mit Kushner verbundene Investmentfirma von albanischen Behörden den Status eines „strategischen Investors“. Damit sind unter anderem beschleunigte Genehmigungsverfahren für Bauprojekte verbunden.
„Albania is not for sale“
Viele Albanerinnen und Albaner werfen der Regierung vor, nicht im Interesse der Bevölkerung zu handeln und persönliche Bereicherung zu fördern. Die Kritik richtet sich insbesondere gegen Premierminister Edi Rama und die politische Führung. Demonstrierende sprechen von einem „Ausverkauf“ des Landes. Eine zentrale Parole lautet: „Albania is not for sale“ („Albanien ist nicht zu verkaufen“).
Laut ARD-Korrespondent Andreas Bachmann will die Regierung das Resortprojekt und perspektivisch weitere Großprojekte umsetzen. Rama sehe internationale Investitionen als Teil seines Modernisierungsprogramms. Albanien solle als offen für große Investoren präsentiert werden; Projekte will die Regierung trotz der Proteste nicht grundsätzlich stoppen.
Für die Demonstrierenden ist das keine bloße Standortfrage. Sie sehen in den Plänen ein Zeichen dafür, wie politische Entscheidungen getroffen werden und wer am Ende davon profitiert. Die Wut richtet sich gegen ein Entwicklungsmodell, bei dem große Summen und prominente Namen auftreten, während viele Bürgerinnen und Bürger den Eindruck haben, nur zuschauen zu dürfen.
Laura Pohumi formuliert die Forderung der Frankfurter Gruppe unmissverständlich: Die Proteste würden erst enden, wenn Edi Rama als Premierminister zurücktritt. Bis dahin bleiben die Flamingos auf den Plakaten, an der Konstablerwache und in den Gesprächen der albanischen Diaspora präsent.
