Cyberangriff legt IT des Fehmarnbelttunnel-Konsortiums lahm
Beim Bau des Fehmarnbelttunnels ist das Konsortium Femern Link Contractors (FLC) von einem Cyberangriff betroffen. FLC informierte die staatliche dänische Projektgesellschaft Femern A/S über den Vorfall; beide Seiten stehen dazu im Austausch. Eine Sprecherin von Femern kündigte an, möglicherweise am Mittwoch weitere Informationen zu veröffentlichen.
Zuvor hatte die „Bild“ über den Hackerangriff berichtet. Demnach legten unbekannte Hacker am Montag die komplette IT des Konsortiums lahm. Betroffen waren unter anderem elektronische Zugangskarten, die Computer- und WLAN-Nutzung der Mitarbeiter sowie mehrere Arbeitsschiffe. Einige Abläufe mussten teilweise von Hand erledigt werden – auf einer Baustelle dieser Größe kein kleiner Stolperstein.
Baustelle zwischen Fehmarn und Lolland
FLC steht für „Femern Link Contractors“ und ist ein europäisches Konsortium. Dazu gehören unter anderem die deutschen Unternehmen Wayss & Freytag Ingenieurbau und Max Bögl. FLC baut den rund 18 Kilometer langen Tunnel gemeinsam mit einem weiteren Konsortium.
Das Bauwerk soll Rødbyhavn auf der dänischen Insel Lolland mit Puttgarden auf Fehmarn in Schleswig-Holstein verbinden. Vorgesehen sind eine vierspurige Straßenverbindung und eine zweigleisige Bahnstrecke. Der Tunnel soll der längste Absenktunnel der Welt werden.
Für Autos ist eine Fahrt durch die Verbindung mit etwa zehn Minuten kalkuliert, für Züge mit sieben Minuten. Zwischen Hamburg und Kopenhagen soll sich die Zugfahrzeit dadurch auf etwa zweieinhalb Stunden verkürzen. Das Milliardenprojekt soll den Verkehrsengpass zwischen Skandinavien und Mitteleuropa verringern und den Personen- sowie Güterverkehr beschleunigen.
Viele offene Fragen zum Angriff
Noch ist unklar, wie weit die Hacker in die Systeme eingedrungen sind. Bestätigte Angaben dazu, ob Daten gestohlen wurden, Lösegeld gefordert wird oder Bau- und Sicherheitsunterlagen betroffen sind, gibt es nicht. Ebenso offen bleibt, ob sich der Angriff auf die Kosten oder den Zeitplan auswirkt. Die Identität der Angreifer ist unbekannt.
Ein dänisches Fachmedium spekulierte über russische Hacker. Belege dafür liegen nicht vor. Mehr lässt sich derzeit seriös nicht sagen – auch wenn bei einem Projekt dieser Dimension natürlich schnell Gerüchte die Runde machen.
Eröffnung ursprünglich bis 2029 vorgesehen
Die Eröffnung war ursprünglich schrittweise bis 2029 geplant: zunächst für den Straßenverkehr, später für Züge. Die Fertigstellung war ursprünglich für 2029 vorgesehen, inzwischen liegt das Projekt jedoch hinter dem Zeitplan zurück.
Der Tunnel soll Fehmarn mit der dänischen Insel Lolland verbinden. Über die betroffenen IT-Systeme laufen auf der Baustelle offenbar wichtige Zugänge, Kommunikationswege und Arbeitsabläufe. Wie lange einzelne Funktionen eingeschränkt bleiben und ob daraus weitere Verzögerungen entstehen, soll sich möglicherweise am Mittwoch klären, wenn Femern weitere Informationen veröffentlicht.
