In Erfurt wird am Montag, dem 5. Oktober 2026, der Grundstein für eine neue Chipfabrik gelegt. Der Halbleiterhersteller X-Fab will seine Produktion damit deutlich ausweiten. Für das Projekt sind nach Angaben von Geschäftsführer Gabriel Kittler zwischen 300 und 400 Millionen Euro vorgesehen.

Auf dem Firmengelände sollen neue Reinräume entstehen. Die ersten Halbleiter sollen dort Ende 2028 unter Reinraumbedingungen gefertigt werden. Geplant sind rund 100 zusätzliche qualifizierte Arbeitsplätze – für Erfurt, wo die bestehende X-Fab-Fabrik wegen der hohen Nachfrage bereits weitgehend ausgelastet ist, ein kräftiger Schub.

Geld aus Berlin, Thüringen und Brüssel

Das Vorhaben „Fab4Micro“ wird von Bund und Thüringen mit insgesamt 127,4 Millionen Euro unterstützt. Der Bund steuert 80,3 Millionen Euro beziehungsweise rund 80,3 Millionen Euro bei, Thüringen 47,1 Millionen Euro. Ende 2025 hatte die Europäische Union staatliche Finanzhilfen für neue Chipfabriken in Erfurt und Dresden genehmigt. Die Förderung soll Europas Abhängigkeit von Halbleiterimporten, insbesondere aus Asien, verringern und zur technologischen Souveränität Deutschlands und Europas beitragen.

Förderempfänger ist die X-FAB MEMS Foundry GmbH in Erfurt. Thüringens Wirtschaftsministerin Colette Boos-John bezeichnete das Vorhaben als eine der bedeutendsten Industrieinvestitionen der vergangenen Jahre im Freistaat. In Thüringen sind derzeit mehr als 70 Unternehmen im Bereich Mikroelektronik tätig.

Gefertigt werden sollen unter anderem Mikrosysteme, die elektronische und optische Funktionen in einem Bauteil verbinden. Solche Bauteile kommen bei Anwendungen der Künstlichen Intelligenz, in neuen Rechenzentren und anderer Rechenzentrumsinfrastruktur, in optischen Systemen sowie in der Medizintechnik zum Einsatz. Der Umsatz der X-Fab-Gruppe im Bereich Mikrosysteme und Photonik stieg im zweiten Quartal um 14 Prozent. Nach Unternehmensangaben ist das der am schnellsten wachsende Geschäftsbereich.

Kein Massenhersteller

Anders als GlobalFoundries in Dresden produziert X-Fab keine Massenware. Die Gruppe fertigt kundenspezifische, spezialisierte Halbleiter für besondere Anwendungen – weniger Fließband, mehr Maßarbeit. X-Fab ist international tätig, an der Pariser Börse gelistet und hat seinen Ursprung in Erfurt.

Die börsennotierte X-FAB-Gruppe betreibt Werke in Deutschland, Malaysia, Frankreich und den USA. Weltweit beschäftigt sie rund 4.300 Menschen; etwa 800 arbeiten in Erfurt. Eine andere Unternehmensangabe nennt rund 4.000 Beschäftigte weltweit, ebenfalls etwa 800 davon am Erfurter Standort. Erfurt gilt als operative Zentrale, der juristische Sitz der Holding liegt im belgischen Tessenderlo.

Für Vorstandschef Damien Macq ist die Investition ein Bekenntnis zu jenem Standort, an dem die Unternehmensgeschichte vor mehr als 30 Jahren begann. Die Stadt selbst blickt noch weiter zurück: Erfurt verfügt über eine lange Tradition der Halbleiterfertigung, die in der DDR mit dem Sitz des Kombinats Mikroelektronik begann.

Chips als Standortfrage

Deutschland hat sich in rund 60 Jahren von den ersten Halbleiterwerken in München-Perlach und der DDR bis zu neuen Chipfabriken in Dresden zu einem wichtigen europäischen Mikroelektronikstandort entwickelt. Nach Angaben des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt verfügt Deutschland über rund 30 Prozent der Wafer-Kapazitäten in der Europäischen Union.

Die Bundesregierung will das nationale Mikroelektronik-Ökosystem weiter stärken. Forschungsministerin Dorothee Bär betonte, Zukunftsbranchen wie künstliche Intelligenz und Medizintechnik seien auf leistungsfähige Chips angewiesen. Mikroelektronik sei ein zentraler Wirtschaftsfaktor und für die technologische Souveränität Deutschlands relevant.

Mit der „Hightech Agenda Deutschland“ (HTAD) setzt die Bundesregierung einen Schwerpunkt auf Halbleiterforschung, Innovation und industrielle Skalierung. Mikroelektronik ist eine von sechs zentralen Schlüsseltechnologien der HTAD. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt plant bis 2029 mindestens 18 Milliarden Euro für die Hightech Agenda ein.

Eine gemeinsam mit dem Bundeswirtschaftsministerium verabschiedete Mikroelektronik-Strategie bildet erstmals eine übergreifende strategische Grundlage. Sie verbindet Forschung, Fachkräfte und Fertigung; Mikroelektronik wird darin als politische Top-Priorität der Bundesregierung bezeichnet.

Vom Labor in die Fabrik

Ein nationales Chipdesign-Kompetenzzentrum und ein geplantes Innovationsfreiheitsgesetz sollen dabei helfen, Neuerungen schneller aus der Forschung in die industrielle Produktion zu bringen. Zum vernetzten Forschungs- und Innovationsökosystem gehören unter anderem die Forschungsfabrik Mikroelektronik Deutschland und europäische Förderprojekte wie IPCEI. Ziel ist eine raschere Überführung von Forschungsergebnissen in industrielle Anwendungen.

Deutschland und Europa setzen dabei auf sichere und vertrauenswürdige Elektronik – vor allem für kritische Infrastruktur, Medizintechnik und Verteidigung –, auf internationale und europäische Partnerschaften sowie auf den EU Chips Act. Er soll widerstandsfähige Lieferketten stärken und internationale Investitionen fördern.

Deutschland verfüge über Wissen, Fachkräfte und internationale Partner, um weltweit eine führende Rolle in der Mikroelektronik einzunehmen, erklärte Bär. HTAD und die Mikroelektronik-Strategie sollen dafür als zentrale Treiber dienen. In Erfurt bekommt diese große industriepolitische Linie nun ein sehr konkretes Gesicht: neue Reinräume, neue Arbeitsplätze und der Grundstein am 5. Oktober – gleich neben einer Fabrik, in der die Nachfrage schon jetzt kaum nachlässt.