Hamburgs U5 bleibt ein Projekt mit langem Atem. Trotz Verzögerungen hält Jens-Günter Lang, Vorstandssprecher der Hochbahn, die Fertigstellung bis 2040 weiterhin für realistisch. Dieses Zieljahr bezieht sich auf die geplante Strecke bis zu den Arenen. Die neue Linie soll Hamburgs Osten und Westen verbinden.

Ein wichtiger nächster Schritt liegt zwischen City Nord und Jarrestraße. Für den 2,3 Kilometer langen Abschnitt mit den künftigen Haltestellen Borgweg und Jarrestraße wird der Planfeststellungsbeschluss inzwischen im dritten Quartal 2027 erwartet. Ursprünglich war 2026 kalkuliert worden. Ohne diesen Beschluss kann der reguläre Baubeginn nicht starten.

Neue Unterlagen, neue Prüfung

Das Planfeststellungsverfahren läuft bereits. Die Hochbahn hat den Genehmigungsantrag eingereicht; nun prüft die Planfeststellungsbehörde die Unterlagen und beteiligt die Öffentlichkeit, Behörden, Träger öffentlicher Belange sowie anerkannte Naturschutzvereine. Die erste öffentliche Auslegung lief bis zum 25. März 2025.

Nach vertieften Untersuchungen und weiterentwickelten Planungen wurden die Unterlagen angepasst und ergänzt. Vom 1. bis 30. September 2026 lagen die Änderungen im Bezirksamt Hamburg-Nord, Kümmelstraße 6, sowie online aus. Schriftliche Einwendungen und Stellungnahmen konnten bis zum 14. Oktober 2026 eingereicht werden. Was bereits bei der ersten Auslegung eingegangen war, bleibt gültig und wird weiter berücksichtigt.

Die Änderungen betreffen vor allem die Baufelder, den Flächenbedarf, umweltfachliche und artenschutzrechtliche Maßnahmen sowie wasserrechtliche Anträge. Hinzu kamen vertiefte Unterlagen zum Bauwasser- und Bodenmanagement. Wegen der erneuten Auslegung und der Prüfung weiterer Einwendungen hält die Hochbahn einen Beschluss 2027 für möglich; bei optimalem Verlauf wird weiterhin mit einem Beschluss 2026 gerechnet. Entscheiden darf darüber ausschließlich die Planfeststellungsbehörde.

Im Verfahren wird geprüft, ob die gesetzlichen Vorschriften eingehalten werden. Ebenso werden private und öffentliche Belange ermittelt, gegeneinander abgewogen und bewertet. Fällt die Entscheidung zugunsten des Vorhabens aus, erlässt die Behörde den Planfeststellungsbeschluss, der den Bau ermöglicht.

Baustart offen, Zieltermine stehen

Die Strecke von Bramfeld zur City Nord befindet sich bereits im Bau. Für City Nord–Jarrestraße soll nach Abschluss des Verfahrens der Bau beginnen. Konkrete Aussagen zum Baustart sind aber erst nach dem Planfeststellungsbeschluss möglich. Zum Start ist eine Informationsveranstaltung im Stadtteil mit Fachleuten der Hochbahn vorgesehen.

Die Inbetriebnahme ist für 2033 bis zum Borgweg und für 2035 bis zur Jarrestraße vorgesehen. Zwischen Borgweg und Jarrestraße sollen der Tunnel und beide Haltestellen in offener Bauweise entstehen; eine Tunnelbohrmaschine ist dort nicht geplant. Südlich der Haltestelle Jarrestraße soll eine Tunnelbohrmaschine Richtung Innenstadt eingesetzt werden. Für City Nord–Borgweg sind zwei Tunnelröhren unterhalb des Stadtparks vorgesehen. Nach aktuellem Planungsstand soll eine Tunnelvortriebsmaschine beide Röhren nacheinander herstellen.

Rund um die Barmbeker Straße bleibt während der Arbeiten je Fahrtrichtung eine Fahrspur erhalten. Der Wiesendamm kann je nach Baufortschritt abschnittsweise beeinträchtigt oder als Sackgasse geführt werden. In anderen Bauphasen soll er vorübergehend wieder als Verkehrsweg geöffnet werden. Ein detaillierter Bauablaufplan soll zum Baustart vorliegen; die genaue Verkehrsführung hängt vom Baufortschritt und den technischen Erfordernissen ab.

Dass der Termin 2040 trotz der Verschiebung nicht vom Tisch ist, liegt auch an der Aufteilung des Projekts. Laut Lang sind die einzelnen U5-Bauabschnitte voneinander unabhängig. Die Hochbahn kann dadurch die Reihenfolge der Bauarbeiten ändern und Arbeiten vorziehen. Verzögerungen auf einzelnen Baustellen könnten so wieder aufgeholt werden. Für den Abschnitt von der Jarrestraße bis zu den Arenen wird geprüft, welche Teilstücke parallel oder vorgezogen gebaut werden können.

Die Verlängerung von den Arenen nach Lurup und Osdorf wurde in die weitere Planung aufgenommen. Ziel ist, diesen Abschnitt in die Terminplanung der U5 zu integrieren und eine Fertigstellung um etwa 2040 zu ermöglichen.

Auch die U4 soll weiter nach Süden

Neben der U5 plant die Hochbahn die Verlängerung der bestehenden U4. Von der Endhaltestelle Elbbrücken soll die Strecke über die Elbe nach Süden bis zur geplanten Haltestelle Moldauhafen führen. Das Planfeststellungsverfahren für diesen Abschnitt läuft noch; der Beschluss wird für Mitte 2027 erwartet. Nach einer Ausschreibung könnte der Bau Ende 2027 oder Anfang 2028 beginnen.

Eine weitere Verlängerung bis Hamburg-Wilhelmsburg wird diskutiert. Eine Trasse bis Wilhelmsburg-Mitte sei machbar, sagt Lang. Konkrete Entwurfsplanungen habe die Hochbahn dafür allerdings noch nicht begonnen. Das Thema liegt derzeit bei der Verkehrsbehörde.

29 Kilometer, 24 neue Haltestellen

Die Hochbahn baut mit der U5 die neue U-Bahn-Linie für Hamburg. Geplant sind 29 Kilometer Strecke und 24 neue, durchgehend barrierefreie Haltestellen. Angebunden werden sollen unter anderem die Universität mit rund 43.000 Studierenden, das UKE mit etwa 11.000 Arbeitsplätzen, die Arenen, die City Nord mit rund 30.000 Arbeitsplätzen sowie Steilshoop und Bramfeld.

Nach der Fertigstellung sollen täglich mehr als 345.000 Fahrgäste die U5 nutzen. Die Hochbahn bezeichnet sie als Deutschlands größtes U-Bahn-Projekt. Vollautomatisch soll die Linie betrieben werden und in einem 90-Sekunden-Takt fahren können. Im Betrieb fährt die U5 elektrisch.

Der Hintergrund ist nüchtern und ziemlich groß: Hamburg soll in den kommenden Jahren auf rund zwei Millionen Einwohner wachsen, zugleich wird eine steigende Verkehrsnachfrage erwartet. Die U5 soll den Straßenverkehr entlasten und die Mobilität auf der Schiene ausbauen. Auch die Treibhausgasemissionen aus Planung und Bau werden systematisch erfasst und sollen möglichst weit reduziert werden. Bis dahin bleibt an den künftigen Baustellen erst einmal vieles in Bewegung – und manches dauert eben länger, als es auf den ersten Plänen aussah.