Friedrichsdorfer Bahnhof nach vier Jahren barrierefrei – doch die Toilette fehlt
Nach rund vier Jahren Bauzeit ist der Friedrichsdorfer Bahnhof offiziell eingeweiht worden. Seit Anfang März 2026 ist die Verkehrsstation vollständig barrierefrei – ein wichtiger Schritt für ein Verkehrsdrehkreuz, an dem täglich etwa 7.000 Menschen ein- und aussteigen.
Hier endet die S5 aus Richtung Frankfurt, außerdem bestehen Anschlüsse an die RB 15 ins Usinger Land und an die RB 16 nach Friedberg in der Wetterau. Für viele Pendlerinnen und Pendler gehört der Bahnhof zum täglichen Rhythmus. Umso länger zog sich der Umbau hin.
Vier Jahre Bauzeit, viele Verzögerungen
Begonnen hatten die Arbeiten nach jahrzehntelanger Planung im April 2022. Die ursprünglich für 2023 geplante Fertigstellung wurde verfehlt; die Jahreszahl „2023“ ist am Ausgang Römerhof in die Personenunterführung eingelassen. Auch frühere Termine im zweiten beziehungsweise dritten Quartal 2024 konnten nicht gehalten werden.
Probleme bereitete unter anderem der Baugrund. Der Untergrund erwies sich als nicht ausreichend tragfähig für die Betonteile der Personenunterführung. Elemente konnten zunächst nicht eingesetzt werden, eine neue Planung wurde nötig. Bauabläufe mussten angepasst, zusätzliche Planungen erstellt und neue Sperrpausen im Bahnverkehr organisiert werden.
Währenddessen mussten Fahrgäste etwa drei Jahre lang eine rund zehn Meter hohe Behelfsbrücke für den Gleiswechsel nutzen. Die provisorische Personenüberführung diente als Ersatz, bis die erneuerte Unterführung am 23. September 2025 wieder geöffnet wurde und erneut beide Stadtteile verband. Danach stand die Behelfsbrücke nicht mehr zur Verfügung.
Die Deutsche Bahn hatte die barrierefreie Nutzung der Unterführung zunächst ab Ende 2025 vorgesehen. Ursprünglich sollten die Personenunterführung im Oktober 2025, die Aufzüge Anfang Dezember 2025 sowie Rampe und Unterführung bis Ende 2025 fertig werden. Am 21. Juli 2025 wurden die Arbeiten an der neuen Unterführung mit dem Einheben von Fertigteilen durch einen Großkran fortgesetzt.
Aufzüge kamen erst im März
Zum Umbau gehören Aufzüge am Haus- und Mittelbahnsteig, eine neue Personenunterführung und eine Rampe am Ausgang Römerhof zur Park-and-Ride-Anlage. Die Bahnsteige wurden auf 96 Zentimeter erhöht, damit der Ein- und Ausstieg barrierefrei möglich ist. Hinzu kommen ein taktiles Leitsystem für blinde und sehbehinderte Menschen, neue Bahnsteigdächer sowie erneuerte Bahnsteigausstattung, Beleuchtung und Bahnsteigbelag. Die provisorische Personenüberführung wurde zurückgebaut.
Die beiden Aufzugsanlagen sollten ursprünglich im Dezember 2025 in Betrieb gehen. Am 5. Dezember teilte die Deutsche Bahn mit, dass sich der Termin über das Jahresende hinaus verschiebt. Beim Auftragnehmer fehlten personelle Kapazitäten; vorbereitende Arbeiten für die Endmontage konnten deshalb nicht fristgerecht abgeschlossen werden. Die Fertigstellung der Barrierefreiheit wurde zunächst für das 1. Quartal 2026 angekündigt.
Am 3. März 2026 gingen die Aufzüge schließlich in Betrieb. Damit ist der Bahnhof seit Anfang März vollständig barrierefrei. Ein bisschen Geduld bleibt trotzdem nötig: Bis Ende April 2026 waren noch kleinere Restarbeiten vorgesehen – Fahrradabstellanlagen, Fliesen in der Personenunterführung und an der Rampe, Arbeiten an der Beleuchtung sowie die Montage von Geländern und Handläufen. Am Bahnhof stehen laut Projektleiter Torsten Rohde außerdem kleinere Restarbeiten und Mängelbeseitigungen aus.
Für die Bauarbeiten im Jahr 2025 waren mehrere Gleissperrungen vorgesehen: Der Mittelbahnsteig sollte vom 4. Juli bis 7. August gesperrt werden, der Hausbahnsteig vom 7. August bis 17. Oktober und der Mittelbahnsteig nochmals vom 17. bis 20. Oktober. Bei der RB 15 und RB 16 waren deshalb teilweise Zugausfälle und Gleisänderungen angekündigt. Die S5 sollte weiter verkehren, vom 7. August bis 17. Oktober allerdings über geänderte Gleise. Aktuelle Verbindungen wurden über DB Navigator, bahn.de und Aushänge am Bahnhof bekanntgegeben.
32,1 Millionen Euro – und keine Toilette
Das Gesamtprojekt kostet rund 32,1 Millionen Euro. Der bislang veranschlagte Eigenanteil der Stadt Friedrichsdorf beträgt 1,85 Millionen Euro. Belastbare endgültige Zahlen liegen nach Angaben von Bürgermeister Lars Keitel noch nicht vor. Der Bund beteiligt sich mit 17,9 Millionen Euro, das Land Hessen mit 10 Millionen Euro und der Rhein-Main-Verkehrsverbund mit 1 Million Euro. Weitere Beiträge kommen vom Verkehrsverband Hochtaunus und von der Deutschen Bahn.
Nach Angaben des Hessischen Verkehrsministeriums sind etwas mehr als 300 der über 500 Bahnhöfe in Hessen barrierefrei. Friedrichsdorf ist nun dabei – doch der VdK sieht weiterhin Verbesserungsbedarf. Genannt werden fehlende Sitzgelegenheiten am Mittelbahnsteig, Hitzeschutz und die Überdachung. Nur etwa ein Drittel der Bahnsteige ist überdacht. Und dann ist da noch die Toilette.
Eine Toilettenanlage war im Bauprojekt nicht vorgesehen. Das sorgt bei einem Bahnhof dieser Größe naturgemäß für Stirnrunzeln. Am Vorabend der Eröffnung wurde die Personenunterführung außerdem mit Farbe beschmiert. Ein Reinigungstrupp der Deutschen Bahn entfernte die Schmierereien noch am Tag der Feier.
Das Bahnhofsgebäude ist privatisiert. Eigentümerin ist die Taunus Real GmbH, der auch ein großer Teil des Bahnhofsvorplatzes gehört. Als nächstes Projekt ist die Umgestaltung des Gebäudes und des Vorplatzes geplant. Die Stadt führt dazu Gespräche, muss dabei aber unterschiedliche Eigentumsverhältnisse berücksichtigen. Bürgermeister Keitel möchte bei einer künftigen Neugestaltung auch eine Toilette am Bahnhof ermöglichen.
Seulberg wartet ebenfalls
Die Friedrichsdorfer Wählergemeinschaft kündigte eine Anfrage zu den tatsächlichen Kostenanteilen der Stadt an. Die Stadtverordnetenversammlung tagt dazu am 5. November um 19:30 Uhr im Forum.
Und in Seulberg steht bereits das nächste Bahnhofsprojekt an. Der dortige S-Bahnhof ist bislang nicht barrierefrei und verfügt über keine Aufzüge. In Friedrichsdorf fährt derweil der Aufzug – nach vier Jahren Bauzeit, vielen Sperrpausen und einer Behelfsbrücke, die man so schnell nicht vergessen dürfte.
