26. September 2026 – der Ausbau künstlicher Intelligenz bekommt in Deutschland immer größere Gebäude. Die Bundesregierung plant, die deutschen Rechenkapazitäten bis 2030 zu verdoppeln und die KI-spezifischen Kapazitäten sogar zu vervierfachen. Hinter den nüchternen Zahlen stehen Hallen voller Server, Leitungen, Kühlsysteme, Batterien und Dieselaggregate. Und die Frage, woher all der Strom und das Wasser kommen sollen.

Rechenzentren sind zentrale Infrastruktur der Digitalisierung. Weil der Bedarf an Rechenleistung steigt, entstehen mehr und größere Anlagen. Damit wachsen allerdings auch Stromverbrauch und Bedarf an natürlichen Ressourcen – ein Trend, der nach Einschätzung des Umweltbundesamts auch in den kommenden Jahren anhält.

In Frankfurt am Main sind die Stromleitungen bereits vollständig ausgelastet. Wer dort einen neuen Großanschluss braucht, muss laut dem zugrunde liegenden Bericht mit bis zu 13 Jahren Wartezeit rechnen. Projektentwickler weichen deshalb zunehmend in ländliche Regionen aus, vor allem nach Brandenburg und ins Rheinische Revier.

Neue Standorte, alte Kraftwerksnetze

Im Rheinischen Revier baut Microsoft Rechenzentren in Bergheim, Bedburg, Elsdorf und Grevenbroich. Die Gesamtinvestition beträgt 3,2 Milliarden Euro. Frei gewordene Netzkapazitäten ehemaliger Braunkohlekraftwerke machen die Vorhaben dort möglich – die Leitungen sind also noch da, auch wenn sich der Abnehmer ändert.

Berlin-Brandenburg entwickelt sich ebenfalls zu einem wichtigen Expansionsgebiet. Die Schwarz-Gruppe investiert über STACKIT mehr als 11 Milliarden Euro in einen Campus bei Lübbenau. Amazon Web Services errichtet in Baruth/Mark und Massen Standorte für seine European Sovereign Cloud. Das Projekt „Heiße Luft“ dokumentiert Rechenzentrumsvorhaben und Standorte auf einer interaktiven Karte.

Das Bundeswirtschaftsministerium erwartet, dass neue Anlagen mittelfristig so viel zusätzliche Energie verbrauchen könnten wie mehrere Großstädte. Rechenzentren brauchen dauerhaft Strom, nicht nur dann, wenn gerade jemand eine Datei abruft oder ein KI-Modell trainiert wird. Server laufen, Speicher laufen, Kühlung läuft.

Wie groß der weltweite Verbrauch tatsächlich ist, lässt sich allerdings nicht belastbar sagen. Eine Bitkom-Studie verglich Schätzungen für 2020 und kam beim weltweiten Energiebedarf auf etwa 200 bis 1.000 Terawattstunden. Daraus wurden etwa 100 bis 500 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente abgeleitet. Die Spanne ist riesig. Wegen dieser Unsicherheit sind weder der globale Energieverbrauch noch die jährlichen Treibhausgasemissionen eindeutig bestimmbar – und eine gezielte Umweltpolitik wird dadurch schwieriger.

Gesetzliche Anforderungen an Energie- und Ressourceneffizienz von Rechenzentren bestanden zum Veröffentlichungszeitpunkt der UBA-Informationen nicht. Betreiber sollen ihren Strom- und Ressourcenverbrauch trotzdem senken, schon wegen der Energiekosten. Dass einzelne Elektronikgeräte durch rechtliche Vorgaben effizienter geworden sind, bedeutet nämlich nicht automatisch, dass ein gesamtes Rechenzentrum sparsamer arbeitet.

Wenn der Notstrom zum Streitfall wird

In Maintal plante der US-Investor Edgeconnex wegen fehlender Netzeinspeisung ein eigenes fossiles Gaskraftwerk. Bürgerberechnungen zufolge hätte die Anlage auf kleiner Fläche ähnlich viele CO₂-Emissionen verursacht wie der gesamte Frankfurter Flughafen. Nach starkem Widerstand zog sich der Investor zurück.

In Birstein scheiterte ein vergleichbares Vorhaben: Dort sollte ein Gaskraftwerk neben einem Schulkomplex entstehen. In mehreren Kommunen formierten sich Bürgerinitiativen. In Wittstock gründete sich „Stoppt das Rechenzentrum“, in Birstein bildeten Anwohner eine eigene Wählervereinigung.

Auch im Betrieb bleibt es nicht lautlos. Rechenzentren benötigen Batterien und Dieselaggregate zur Notstromversorgung; ihre Kapazität kann sich zu der eines mittelgroßen Kraftwerks summieren. In Frankfurt-Seckbach klagt der BUND Hessen gegen entsprechende Anlagen. In Bad Vilbel wenden sich Bürgerinitiativen gegen geplante Dieselgeneratoren nahe Kitas und Wohngebieten.

Oben auf den Dächern brummen die Kühlanlagen dauerhaft. Manche Anwohner fühlen sich von dem Geräusch rund um die Uhr belastet. Es ist kein spektakulärer Lärm, eher dieses gleichmäßige Summen, das sich irgendwann in den Alltag schiebt und dort nicht mehr verschwinden will.

Beim Wasser wird die Datenlage noch dünner. Große US-Rechenzentren verbrauchen laut dem Bericht bis zu 19 Millionen Liter Trinkwasser pro Tag. Für Deutschland fehlen verlässliche Angaben: Im Sommer 2026 lagen nur etwa halb so viele Verbrauchsmeldungen vor wie erwartet. Die Bundesregierung erklärte, keinen zuverlässigen Überblick über den Wasserverbrauch zu haben. Das zuständige Bundesrechenzentrum verweigerte Angaben unter Hinweis auf Sicherheitsrisiken.

Umweltverbände fordern in Brandenburg wegen des bestehenden Grundwasserstresses ein Moratorium für neue Großverbraucher. Gerade dort, wo Flächen günstig und Netzanschlüsse verfügbar sind, kann das Wasser also zum entscheidenden Bremsklotz werden.

Viel Fläche, wenige Arbeitsplätze

Mit Rechenzentren werben Betreiber und Landesregierungen als Wirtschaftsfaktor für strukturschwache Regionen. Die Richtwerte klingen zunächst gewaltig: Ein Hyperscale-Rechenzentrum mit 50 MW IT-Leistung benötigt 15 bis 30 Hektar, kostet 0,8 bis 1,5 Milliarden Euro und schafft etwa 50 bis 80 dauerhafte Arbeitsplätze.

Projektart Fläche Investition Dauerhafte Beschäftigung
Hyperscale-Rechenzentrum mit 50 MW IT-Leistung 15–30 Hektar 0,8–1,5 Milliarden Euro etwa 50–80 Arbeitsplätze
Großes Logistikzentrum 15–25 Hektar 60–120 Millionen Euro etwa 300–800 Beschäftigte
Industrieller Mittelständler 5–15 Hektar 100–300 Millionen Euro etwa 400 bis über 1.200 Facharbeitsplätze

Wissenschaftliche Erhebungen kommen zu dem Ergebnis, dass pro Standort dauerhaft meist nur einige Dutzend Arbeitsplätze entstehen, vor allem im Facility-Management und bei Sicherheitsdiensten. Hochqualifizierte KI-Entwickler und Softwarearchitekten arbeiten überwiegend an Konzernstandorten in Metropolen oder im Ausland. Das Versprechen vom großen Jobmotor passt deshalb nicht immer zur Realität vor Ort.

Auch steuerlich kann die Rechnung für Gemeinden ernüchternd ausfallen. Die Gewerbesteuer wird teilweise nach dem Ort der Lohnzahlungen verteilt. In Rechenzentren gibt es vor Ort nur wenige solche Zahlungen. Die Kommune trägt Flächenverbrauch, Lärm und Netzkosten, während die Steuereinnahmen überwiegend an Konzernzentralen fließen.

In Groß-Gerau scheiterte aus diesem Grund ein 2,5 Milliarden Euro schweres Projekt. Anders läuft es im US-Bundesstaat Virginia: Loudoun County besteuert Serverhardware direkt vor Ort und erzielt damit jährlich mehr als eine Milliarde US-Dollar. Das Geld wird unter anderem für Schulen, Straßen und Steuersenkungen verwendet. Einen vergleichbaren Steuermechanismus gibt es in Deutschland bislang nicht, die Bundesregierung prüft Reformen.

Effizienz beginnt nicht beim Etikett

Eine häufig verwendete Kennzahl ist die Power Usage Effectiveness, kurz PUE. Sie setzt den Gesamtenergieverbrauch eines Rechenzentrums ins Verhältnis zum Energieverbrauch der Informationstechnik. Bewertet wird damit im Wesentlichen die Effizienz der Gebäudetechnik, etwa der Klimatisierung. Die eigentliche Energieeffizienz des gesamten Rechenzentrums bleibt außen vor.

Das ist ein wichtiger Haken: Wer nur auf den PUE schaut, lässt die größten Energieverbräuche – insbesondere die Informationstechnik – unberücksichtigt. Untersuchungen von drei Rechenzentren zeigten, dass Server in allen betrachteten Umweltkategorien den größten Anteil der Umweltbelastungen verursachten. Die Gebäudetechnik trug etwa 15 bis 30 Prozent bei.

Ein leistungsstarker Multi-Core-Server mit dauerhaft niedriger Auslastung kann mehr Energie verbrauchen als ein schwächerer, besser ausgelasteter Server. Schlechte Auslastung, kurze Erneuerungszyklen und überdimensionierte IT führen zu Energie- und Rohstoffverschwendung. Bei Messungen in drei Rechenzentren waren Server, Speichersysteme und Datenn