Am Flughafen BER könnte der geplante Regierungskomplex deutlich teurer werden als bislang veranschlagt. Statt der ursprünglich angesetzten 344 Millionen Euro stehen nach einer vorläufigen Prognose bis zu 2,5 Milliarden Euro im Raum – fast das Achtfache. Die endgültige Planung ist allerdings noch nicht abgeschlossen.

Heute, am 3.10.2026, führt der Bund der Steuerzahler das Vorhaben im Schwarzbuch 2026/27 als Beispiel für eine mögliche Verschwendung von Steuermitteln. Das sorgt auch deshalb für Stirnrunzeln, weil die Bundesregierung das repräsentative Regierungsterminal 2022 zunächst gestrichen hatte. Bereits 2020 war ein Interimsterminal für rund 70 Millionen Euro eröffnet worden. Nun soll es wieder ein größerer Regierungskomplex werden.

Mehr Fläche, größere Flugzeuge, höhere Sicherheitsauflagen

Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) begründet den Kostenanstieg mit zusätzlichem Flächenbedarf, größeren Flugzeugen und gestiegenen Sicherheitsanforderungen. Das Areal soll von 30 auf knapp 60 Hektar wachsen. Geplant sind unter anderem ein Stabsgebäude, Hangars, Betriebsgebäude, Rollwege und eine unterirdische Betankungsanlage.

Spätestens 2038 soll die Anlage fertig sein. Für das Regierungsterminal sind 26 Abstellpositionen vorgesehen. Genau daran entzündet sich ein Teil der Kritik: Der Bund der Steuerzahler weist darauf hin, dass damit mehr Stellplätze geplant wären, als Regierungsflugzeuge vorhanden sind.

Das Verteidigungsministerium rechnet anders. Vorgesehen seien 18 reguläre Abstellpositionen, drei Protokollpositionen des Auswärtigen Amtes, vier Gastpositionen sowie eine zusätzliche Position als Enteisungsfläche. Ministerien und Berater verweisen auf Protokoll-, Gast- und Enteisungsbedarf. Der Steuerzahlerbund bezweifelt jedoch, dass sämtliche Reserveflächen erforderlich sind, und kritisiert die Kostenkontrolle.

Zusätzliche Flugzeuge treiben die Rechnung weiter nach oben

Mit dem Bau allein wäre es nicht getan. Bis zur Eröffnung soll etwa die Hälfte der Kurz- und Mittelstreckenflugzeuge sowie die gesamte Hubschrauberflotte der Flugbereitschaft – drei Maschinen – ersetzt werden. Die Anschaffungskosten für diese Luftfahrzeuge kommen zu den Baukosten hinzu.

Drei bereits beschaffte A350-Langstreckenflugzeuge kosteten den Bund rund 1,2 Milliarden Euro. Die geplante Verlegung der Flugbereitschaft von Köln-Wahn nach Schönefeld soll den Betrieb an einem Standort bündeln. Im ersten Halbjahr war laut Verteidigungsministerium etwa die Hälfte der Flüge ohne Passagiere unterwegs.

Zum Vergleich: Der Neubau des BER hat Schätzungen zufolge bisher mehr als sieben Milliarden Euro gekostet. Nun wird erneut geplant, erweitert und nachgerechnet. Und während draußen Flugzeuge über das Gelände hinwegdröhnen, bleibt die entscheidende Zahl vorerst beweglich.

Weitere Kritik im Schwarzbuch

Im Schwarzbuch wird außerdem die Generalsanierung von Schloss Bellevue kritisiert. Vier Teilbaumaßnahmen summieren sich dort einschließlich Risikopuffer auf 860 Millionen Euro. Das Bundespräsidialamt hatte sich den vorliegenden Angaben zufolge bislang nicht zu dieser Kritik geäußert.

Auch beim Regierungskomplex ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die BImA will die finalen Projektunterlagen bis 2028 weiter konkretisieren. Bis dahin bleibt die Summe von bis zu 2,5 Milliarden Euro eine vorläufige Kalkulation; weitere Kosten sind möglich.