Rhomberg setzt auf Bahnboom und Kreislaufwirtschaft – während der Wohnbau unter Druck bleibt
Die 1886 gegründete Rhomberg Gruppe hat ihr Geschäftsjahr zum 31. März 2026 mit einer leicht höheren Gesamtleistung abgeschlossen. Sie stieg von 1,4 auf 1,42 Milliarden Euro. Gleichzeitig wuchs die Belegschaft von rund 4.000 auf gut 4.100 Beschäftigte. Viel Bewegung also – auch wenn die Zahlen auf den ersten Blick eher nach kleinen Schritten aussehen.
Der größte Wachstumsmotor bleibt die Bahn. An der Rhomberg Sersa Rail Group (RSRG) ist der Schweizer Unternehmer Konrad Schnyder zu 50 Prozent beteiligt. Die Bahnsparte erhöhte ihre Betriebsleistung um zehn Prozent auf 898 Millionen Euro; im Geschäftsjahr 2024/25 waren es 816 Millionen Euro. Rhomberg und Konrad Schnyder halten an der RSRG jeweils die Hälfte.
Baugeschäft unter Druck, Wohnbau mit Nachfrage
Bei Rhomberg Bau ging die Betriebsleistung dagegen von 584 auf 521 Millionen Euro zurück, ein Minus von knapp elf Prozent. Hohe Baukosten, hohe Zinsen und die unsichere Weltwirtschaft setzen der Branche zu. Besonders der eigenfinanzierte Wohnbau spürt das. Schon im Geschäftsjahr bis zum 31. März 2025 stand die Baubranche unter Druck, auch wenn sich laut Unternehmen erst seit 2025 eine leichte Stabilisierung abzeichnete. Bauträgergeschäft sowie Hoch- und Tiefbau litten weiterhin unter hohen Baukosten und strengen Kreditvergaben – und zwar auch nach dem Auslaufen der KIM-Verordnung.
Ein Lichtblick bleibt das Generalunternehmergeschäft für den gemeinnützigen Wohnbau, einschließlich Sanierungen. Die Nachfrage ist vorhanden, vor allem in Vorarlberg. Dort arbeitet Rhomberg Bau mit allen fünf gemeinnützigen Wohnbauträgern zusammen: Alpenländische (AGW), Wohnbauselbsthilfe, Vogewosi, BWS-Gruppe und ÖSW Wohnbauvereinigung.
In Feldkirch begann im Juni 2026 der Bau von 53 geförderten Wohnungen für die BWS-Gruppe. Für die ÖSW Wohnbauvereinigung entsteht in Lauterach das erste Projekt in Vorarlberg. Bereits im November 2025 startete in Salzburg-Liefering das Südtiroler-Quartier der BUWOG: rund 400 Wohnungen, etwa ein Drittel davon geförderte Mietwohnungen, dazu zehn Gewerbeeinheiten. Weitere Standbeine in Vorarlberg sind Mitarbeiterwohnungen, Sanierungsprojekte und Investorenprojekte.
Dass dieser Bereich stabilisieren kann, zeigen auch die Zahlen der gemeinnützigen Bauvereinigungen (GBVs) in Österreich. Sie stellten 2025 rund 11.900 Wohnungen fertig, 13 Prozent weniger als 2024. Erste Stabilisierungstendenzen zeichnen sich dennoch ab. Während gewerbliche Bauträger Projekte öfter verschieben oder zurückstellen, halten GBVs dank langfristiger Planung an einer kontinuierlichen Wohnbauleistung fest. Ihr Anteil an den Baubewilligungen im Mehrgeschoßwohnbau stieg auf über 50 Prozent; der gewerbliche Sektor verzeichnete dort einen stärkeren Rückgang.
Vom Grundstück bis zum Gebäudebetrieb
Rhomberg Bau setzt auf eine Komplettanbieterstrategie über den gesamten Lebenszyklus von Gebäuden und Infrastrukturen. Dazu gehören Ressourcenschonung und Kreislaufwirtschaft, digitale Planung mit Building Information Modeling, digitale Simulationen und Smart-Building-Konzepte. Eigene Lösungen wie PLATO ermöglichen die Überbauung von Parkplätzen mit flexiblem Wohnraum. Hinzu kommen der Rhomberg-Holzsystembau, das Gebäudebetriebssystem CLARA zur Energieüberwachung und -optimierung sowie Sanierung, Rückbau und Umnutzung.
Wie das in größerem Maßstab aussehen kann, zeigt der YOND Campus in Zürich. Dort werden Industriegebäude aus den 1950er-Jahren mit Neubauten verbunden. Es entstehen 35.000 Quadratmeter modular nutzbare Gewerbe- und Produktionsflächen – Bestand und neue Nutzung unter einem Dach, statt alles plattzumachen und von vorn anzufangen.
Goldbeck Rhomberg ist seit 25 Jahren am Markt. Trotz des schwierigen Umfelds blieb die realisierte Fläche konstant. In Wolfurt wurde das IT- und Logistikzentrum von Gebrüder Weiss fertiggestellt. Für die Erweiterung des Doppelmayr-Standorts im Areal Hohe Brücke erhielt das Unternehmen den Zuschlag. In der Schweiz errichtet Goldbeck Rhomberg das Data Center CH One.
Auch beim Ressourcen Center Rheintal geht es um Weiterverwendung statt Abfall. Das Unternehmen ist am Feldkircher Stadttunnel beteiligt; bis zu eine Million Tonnen Ausbruchsgestein werden abtransportiert und für die weitere Nutzung aufbereitet. Gleichzeitig bremste der Rückgang der Industrie den Ressourcenbereich: Wenn weniger produziert wird, fällt auch weniger Material für die Aufbereitung an.
In der Schweiz bietet die Rhomberg Bau AG Immobilienplanung und -ausführung aus einer Hand an. Ein Ersatzneubau für UBS Sima in der Zürcher Anna-Heer-Straße nutzt das Schwammstadtprinzip und die integrierte Projektabwicklung „Design Build“. Das Wohnensemble erhielt das Platin-Label des Standards Nachhaltiges Bauen Schweiz (SNBS).
Im exklusiven Wohnbau ist die Nachfrage laut Unternehmen ebenfalls noch da. „Mont Rêves“ in Burgberg im Allgäu umfasst 14 Wohneinheiten und ist nahezu ausverkauft. Ein Terrassenhaus in Hybrid-Holzbauweise im Wiener Funkhaus stößt auf großes Interesse. Nicht alles ist also ins Stocken geraten.
Investitionen für die Bahn – und digitale Helfer
Die RSRG profitierte weiterhin von hohen Investitionen der Bahnbetreiber und der öffentlichen Hand. Die zentrale Herausforderung bleibt die Gewinnung qualifizierter Fachkräfte. Rund 60 Millionen Euro fließen in Standorte in Wels in Österreich, Spremberg in Deutschland und Landquart in der Schweiz. Geplant sind neue Gleishallen, zusätzliche Fertigungs- und Lagerflächen sowie Büro- und Mehrzweckgebäude.
Ende 2025 beteiligte sich die RSRG an der Emeran Braun GmbH & Co KG in Krailling bei München. Das Unternehmen ist auf Gleis-, Weichen- und Tiefbau spezialisiert. Parallel entwickelt die Bahnsparte Lösungen für mehr Effizienz, Wirtschaftlichkeit und eine längere Nutzungsdauer: kombinierte Instandhaltung des Bahn-Oberbaus, ein Bodenschild-Gründungsverfahren für schnell belastbare Fundamente und die automatisierte Erfassung des Baufortschritts.
Beim Bauabschnitt Aumühle des Hochleistungskorridors Hamburg–Berlin kommt das System „Q-tainer“ zum Einsatz. Es verarbeitet Sensordaten, GPS-Signale und Drohnenaufnahmen, wertet sie automatisiert mittels künstlicher Intelligenz aus und stellt die Ergebnisse in Echtzeit für die Projektsteuerung bereit. Beim Semmering-Basistunnel vernetzt ein digitaler Zwilling die Daten, koordiniert die Gewerke und soll Termin- und Kostensicherheit schaffen. In Sydney wiederum ermöglicht die Tunnel Concrete Placement Unit das Betonieren in beengten Arbeitsbereichen.
Laut Unternehmen ist die RSRG an allen Allianzprojekten der Deutschen Bahn beteiligt. Beim Pfaffensteigtunnel übernimmt sie Oberbau und Stromversorgung gemeinsam mit Swietelsky Bau. Bei der Residenzbahn geht es gemeinsam mit Reif Bauunternehmung um Erd- und Tiefbau, Kabeltiefbau, Gleisbau und bahntechnische Ausrüstung. Bei der Festen Fehmarnbeltquerung ist die RSRG für die bahntechnische Ausrüstung einer Zulaufstrecke zuständig.
Das „Neue Werk Cottbus“, das erste Projekt der Deutschen Bahn im Partnerschaftsmodell Schiene, steht kurz vor der Fertigstellung. Im Februar 2027 soll der erste Revisionszug in die zweite Halle des neuen ICE-Instandhaltungswerks einfahren. In Irland wurde die Zusammenarbeit von Rhomberg Sersa Ireland mit der Staatsbahn Irish Rail zur Betreuung gleisgebundener Baumaschinen um zehn Jahre verlängert.
Leistbarer Wohnraum bleibt eine knappe Sache
Für 2026 werden bei den GBVs etwa 11.000 bis 11.600 Fertigstellungen erwartet, ab 2027 ein moderater Aufwärtstrend. 2025 investierten die gemeinnützigen Bauvereinigungen rund 2,7 Milliarden Euro in den Neubau sowie rund 1,7 Milliarden Euro in Sanierung und Instandhaltung.
Die Schwierigkeiten sind allerdings handfest: hohe Baukosten, ein Mangel an geeigneten und leistbaren Grundstücken, höhere Zinsen sowie mögliche Auswirkungen des Nahostkonflikts und steigende Energiekosten. Der Verband fordert deshalb, Grundstücke im Eigentum von Bund, Ländern und Gemeinden stärker für leistbaren Wohnraum bereitzustellen. Außerdem geht es um die Wiedereinführung der Zweckbindung der Wohnbauförderung für den Wohnbau, ausreichende Fördermittel für die Dekarbonisierung, zusätzliche Finanzierungsmodelle und flächendeckende Widmungskategorien für gemeinnützigen Wohnbau in allen Bundesländern.
Bei der Sanierung gibt es zugleich Bewegung. 2025 wurden rund 7.900 Wohnungen thermisch saniert, nach 6.800 im Jahr 2024 – ein Anstieg von 17 Prozent. Auf klimafreundliche Heizsysteme wurden 2025 rund 6.900 Wohnungen umgestellt, sechs Prozent mehr als 2024 mit 6.600 Wohnungen. Der Verband sieht GBVs deshalb als wichtigen Akteur bei Sanierung, Heizungsumstellung und der Verringerung fossiler Energieabhängigkeit.
| Bundesland | Fertigstellungen 2025 | Fertigstellungen 2024 | Veränderung |
|---|---|---|---|
| Burgenland | 940 | 570 | +65 % |
| Kärnten | 220 | 180 | +22 % |
| Niederösterreich | 1.560 | 2.760 | −44 % |
| Oberösterreich | 2.020 | 1.890 | +7 % |
| Salzburg | 1.300 | 1.080 | +20 % |
| Steiermark | 820 | 1.360 | −40 % |
| Tirol | 1.200 | 1.700 | −29 % |
| Vorarlberg | 270 | 290 | −7 % |
| Wien | 3.580 | 3.860 | −7 % |
In vier von neun Bundesländern stiegen die Fertigstellungen: im Burgenland, in Kärnten, in Salzburg und in Oberösterreich. Die Angaben beziehen sich auf den Sitz der jeweiligen Bauvereinigung. GBVs errichten teilweise auch außerhalb ihres Sitzbundeslandes; im mehrjährigen Durchschnitt entstehen 94 Prozent ihrer Wohnungen im Bundesland des Sitzes.
Die Rhomberg Gruppe will ihre Position in den Bereichen Bahn, Energie, Wohnen und Kreislaufwirtschaft durch Investitionen in Standorte, Technologien und Kompetenzen ausbauen. Auf den Baustellen wird das nicht leiser werden: irgendwo ein Bohrer, irgendwo ein Zug, irgendwo Material, das nicht auf der Halde landet, sondern noch gebraucht wird.
