Asunción, 16. Oktober 2026. Auf Baustellen kann man vieles messen: Beton, Stahl, Baufortschritt. Schwieriger wird es beim Warten auf Geld. Genau das belastet derzeit die öffentliche Hand und die Unternehmen, die bereits fertiggestellte Infrastrukturprojekte abgewickelt haben.

Die jüngste Zahlungstranche des Ministeriums für öffentliche Bauten und Kommunikation (MOPC) lag im September bei 277 Milliarden Guaraníes. Fällig gewesen wären zu diesem Zeitpunkt mehr als 500 Milliarden Guaraníes. Als Grund für die unvollständige Auszahlung wurden fehlende Haushaltsmittel genannt.

Verzögerte Zahlungen, doppelte Zinslast

Für den Staat wird die Sache dadurch teurer. Einerseits fallen vertraglich vereinbarte Verzugszinsen für private Bauunternehmen an. Andererseits muss die öffentliche Hand Staatsanleihen verzinsen, mit denen aufgelaufene Schulden beglichen werden. Zwei Zinsströme für dieselbe verspätete Zahlung – das läppert sich.

In Finanzkreisen wird deshalb diskutiert, ob der Staat seine Altschulden durch eine direkte Anleiheemission vollständig begleichen sollte. Damit könnten parallele Zinszahlungen reduziert und ein weiteres Anwachsen des Haushaltsdefizits verhindert werden. Die wiederholte Mittelknappheit gilt zugleich als Hinweis auf Probleme bei der Aufstellung des Staatshaushalts und auf eine anhaltende Überforderung staatlicher Institutionen.

Wie stark der Geldfluss ins Stocken geraten ist, zeigte sich bereits im Juni. Nach einem Bericht der Direktion für Wirtschaftsplanung des MOPC gingen die Investitionen in physische Infrastruktur deutlich zurück. Für die Begleichung von Bauzertifikaten zahlte das Ministerium im Mai 400 Milliarden Guaraníes, im Juni waren es noch 300,22 Milliarden. Das entspricht einem Minus von 99,78 Milliarden Guaraníes oder 24,95 Prozent gegenüber dem Vormonat.

Bauwirtschaft wartet auf Liquidität

Für Bauunternehmen und Zulieferer bedeutet das: Rechnungen bleiben liegen, laufende Kosten laufen weiter. Nach Angaben des Berichts führen die verzögerten Zahlungen zu Liquiditätsproblemen. Die staatlichen Verbindlichkeiten gegenüber Auftragnehmern belaufen sich demnach auf rund 340 Millionen US-Dollar. Davon entfallen 190 Millionen US-Dollar auf unbezahlte Bauzertifikate und 150 Millionen US-Dollar auf aufgelaufene Zinsen.

Im MOPC-Finanzplan sind für 2026 insgesamt 4,88 Billionen Guaraníes für physische Infrastruktur vorgesehen. Bis Ende Juni wurden davon 2,04 Billionen Guaraníes ausgezahlt – 42 Prozent des Jahresbudgets. Zusätzlich weist das Ministerium eine „operative Ausführung“ von 46 Prozent beziehungsweise 2,24 Billionen Guaraníes aus.

Genau an dieser Kennzahl entzündet sich Kritik aus der Bauwirtschaft. Sie umfasse auch Verpflichtungen, die noch nicht verbindlich eingegangen seien, sagen Vertreter der Branche. Die tatsächlichen Auszahlungen würden durch die Haushaltskontrolle des Finanzministeriums (MEF) begrenzt. Für das zweite Halbjahr verbleiben im Infrastrukturhaushalt 2,84 Billionen Guaraníes.

Früher setzte das MOPC regelmäßig mehr als 80 Prozent seines Jahresbudgets bis Jahresende um. Für 2026 erscheint dieses Niveau laut Bericht schwer erreichbar. Die Bauwirtschaft fordert Maßnahmen zur Aufhebung der Zahlungsblockaden und zur Sicherung der Liquidität der Unternehmen.

Mehr Investitionen, aber auch mehr Defizit

Das Bild ist nicht ganz geradlinig. Laut Finanzbericht der Zentralverwaltung, Situfin, nahm der staatliche Mittelabfluss zu. Haupttreiber war das MOPC. Bis Juli 2026 belief sich die öffentliche Investition auf 3,8 Billionen Guaraníes, umgerechnet 612,8 Millionen US-Dollar. Das MOPC steuerte davon 2,7 Billionen Guaraníes bei.

Gegenüber dem Vorjahreszeitraum stieg die MOPC-Investition damit um 38,9 Prozent. Im entsprechenden Zeitraum des Vorjahres waren es 1,9 Billionen Guaraníes. Die kumulierten Staatsausgaben entsprachen 1,0 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP), nach 0,9 Prozent im Jahr 2025.

Parallel dazu erhöhte sich das Haushaltsdefizit auf 1,2 Prozent des BIP, gegenüber 0,5 Prozent im Vorjahreszeitraum. Für den Jahresabschluss 2026 wird ein Defizit von 3,2 Prozent erwartet, für 2027 eine Quote von 3,9 Prozent. Die Obergrenze von 1,5 Prozent gemäß dem Gesetz zur fiskalischen Verantwortung soll 2028 eingehalten werden.

Die Gesamteinnahmen stiegen um 1,2 Prozent. Die Steuereinnahmen legten um 2,3 Prozent zu, während die nichtsteuerlichen Einnahmen um 2,7 Prozent zurückgingen. Als Gründe für diesen Rückgang werden vor allem geringere Einnahmen aus den binationalen Unternehmen sowie die Aufwertung des Guaraní gegenüber dem US-Dollar genannt.

Verkehrsreform trotz engem Finanzrahmen

Für den gesamten MOPC-Haushalt sind 2026 insgesamt 7,06 Billionen Guaraníes vorgesehen – einschließlich Personal, Schuldendienst und laufender Kosten. In den ersten sechs Monaten wurden 2,97 Billionen Guaraníes ausgegeben, entsprechend 42 Prozent. Einschließlich der „operativen Ausführung“ lag die Quote bei 45 Prozent.

Das Ministerium plant außerdem die Ausschreibung der ersten funktionalen Einheit zur Reform des öffentlichen Nahverkehrs. Minister Juan Manuel Centurión zufolge soll das Projekt prioritär behandelt werden. Auf dem Papier stehen also neue Vorhaben neben alten Rechnungen; praktisch müssen beide aus demselben engen Finanzrahmen bezahlt werden.

Während draußen neue Infrastruktur geplant wird, warten Auftragnehmer auf Überweisungen für bereits erledigte Arbeit. Auf den Baustellen läuft der Betrieb vielleicht weiter, in den Buchhaltungen aber tickt die Uhr – und mit ihr der Zähler für die Verzugszinsen.