Enbridge startet Sunrise-Ausbau: 140 Kilometer Pipeline und neue Verdichtertechnik für British Columbias Gasnetz
Enbridge hat am 13.10.2026 in British Columbia mit dem Bau der Sunrise-Erweiterung begonnen. Vier Milliarden US-Dollar kostet das Vorhaben, das das Westcoast-Gasnetz ausbauen und die Transportkapazität für Erdgas erhöhen soll. Geplant sind 87 Meilen beziehungsweise 140 Kilometer neue Pipeline.
Durch die Erweiterung sollen täglich zusätzlich 300 Millionen Kubikfuß Gas transportiert werden können. Enbridge will damit sein Gasgeschäft im Westen Kanadas vergrößern. Auf dem Papier klingt das nach einem gewaltigen Rohrprojekt; vor Ort bedeutet es allerdings viele Bauabschnitte, Verdichtertechnik und neue Stromleitungen.
Neue Leitungen entlang bestehender Trassen
Vorgesehen sind insgesamt etwa 139 Kilometer neue 42-Zoll-Pipeline-Schleifen. Die Abschnitte werden parallel zur bestehenden Leitung gebaut, an das vorhandene System angeschlossen und sollen entlang der bestehenden Trassenrechte, der sogenannten Right-of-Way-Flächen (ROW), von Westcoast verlaufen.
Zusätzliche Verdichteranlagen plant Westcoast an den bestehenden Verdichterstationen Azouzetta Lake (CS-2B), 93 Mile (CS-6B), Kingsvale (CS-8A) und Othello (CS-8B). Einige der benötigten Verdichtereinheiten sollen elektrisch betrieben werden, um die Umweltauswirkungen zu verringern. Dafür sind etwa zehn Kilometer neue elektrische Übertragungsleitungen vorgesehen. Die geplanten Freileitungen sollen weitgehend bestehenden linearen Infrastrukturen wie Straßen oder Trassenrechten folgen. Das soll Eingriffe in die Umwelt und Belastungen für lokale Gemeinden begrenzen.
Sunrise ist Teil einer größeren Investitionsphase. Laut Zacks verfügt Enbridge über einen gesicherten Kapitalbestand von 41 Milliarden CAD; für 2026 wurden Projekte im Umfang von 9 Milliarden CAD genehmigt. Für das Unternehmen geht es also nicht um einen einzelnen Spatenstich, sondern um ordentlich Bewegung im gesamten Infrastrukturgeschäft.
Zahlen, Dividende und vorsichtigere Kursziele
Am 31.07.2026 meldete Enbridge für das zweite Quartal bereinigte Erträge von 0,46 USD je Aktie. Der Umsatz lag bei 21,20 Milliarden USD. Bereits am 28.07.2026 war eine Quartalsdividende von 0,97 CAD je Aktie beschlossen worden.
Die Ergebnisse des dritten Quartals 2026 will Enbridge am 06.11.2026 vor Handelsbeginn veröffentlichen. Anschließend ist ein Webcast geplant. An den Börsen herrscht derweil etwas mehr Zurückhaltung: Barclays senkte am 07.10.2026 das Kursziel von 75 auf 73 CAD und bestätigte die Einstufung „Equal Weight“. JPMorgan reduzierte am 06.10.2026 das Ziel von 81 auf 76 CAD und behielt „Neutral“ bei.
Am 14.10.2026 kostete die Enbridge-Aktie um 09:12 Uhr bei Lang & Schwarz 42,36 Euro. Die NYSE-Heimatnotierung lag im Finanzdaten-Snapshot vom 13.10.2026 bei 47,46 USD.
| Unternehmensdaten | Angabe |
|---|---|
| Unternehmen | Enbridge Inc. |
| ISIN | CA29250N1050 |
| Ticker | ENB |
| Heimatbörse | NYSE |
| Marktkapitalisierung | 103,6 Mrd. USD, Stand 13.10.2026 |
| 52-Wochen-Spanne | 45,03 bis 58,45 USD, Stand 13.10.2026 |
| Sektor/Branche | Energie / Öl- und Gas-Midstream |
Eine alte Leitung mit bewegter Geschichte
Die Westcoast Pipeline, auch Westcoast Transmission System oder BC Pipeline genannt, transportiert Erdgas vom Western Canadian Sedimentary Basin in den dicht besiedelten Lower Mainland von British Columbia einschließlich Vancouver. Sie ist mit der Northwest Pipeline in den USA verbunden und ostwärts an die TransCanada-Pipeline angeschlossen.
Gebaut wurde die rund 650 Meilen, also etwa 1.046 Kilometer lange Leitung 1957 von Frank McMahons Westcoast Transmission Co. Ltd. Sie führt von Taylor im Nordosten British Columbias bis in die USA und war Kanadas erste Pipeline mit großem Leitungsdurchmesser. Von 2002 bis 2007 gehörte sie Duke Energy aus Charlotte, North Carolina. 2007 wurde Dukes Erdgasgeschäft als Spectra Energy ausgegliedert; Spectra Energy fusionierte 2017 mit Enbridge.
Die Vorgeschichte ist nicht nur eine aus Stahl, Gas und Milliarden. Am 9. Oktober 2018 kam es nahe Prince George in Shelley, British Columbia, zu einer Explosion an der Pipeline. Rund 100 Mitglieder der Lheidli T’enneh Band mussten ihre Häuser evakuieren. Verletzt wurde niemand, und außer der Pipeline selbst wurden keine Sachschäden gemeldet. Die Explosion führte jedoch zu Erdgasengpässen in British Columbia.
2019 reichte die betroffene First Nation eine Klage ein. Gefordert werden eine dauerhafte Untersagung des Pipelinebetriebs in ihrem Gebiet und in ihren Reservaten, der Abbau der Pipeline sowie die Wiederherstellung der betroffenen Flächen in ihrem ursprünglichen Zustand.
Enbridge schlug daraufhin ein „Reliability and Expansion Program“ vor. Es umfasst den Austausch alter Verdichterstationen, den Bau einer zusätzlichen Verdichterstation und weitere Wartungsarbeiten. Dieses Projekt soll die tägliche Kapazität um 190 Millionen Kubikfuß, etwa 5,4 Millionen Kubikmeter, erhöhen und voraussichtlich Ende 2021 abgeschlossen werden.
Nun folgt mit Sunrise die nächste große Ausbaustufe: neue Schleifen, neue Verdichtertechnik, elektrische Übertragungsleitungen – und ein Projektvolumen von 4 Milliarden USD. Die Rohre liegen dabei möglichst dort, wo Straßen und bestehende Trassen ohnehin schon den Weg vorgeben.
