Im Düsseldorfer Ständehaus, heute Museum K21, ist am 14. Oktober 2026 der Bundespreis für Handwerk in der Denkmalpflege 2026 verliehen worden. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst überreichte die Auszeichnungen an private Denkmaleigentümer und qualifizierte Handwerksbetriebe. Unter den Gästen waren auch ZDH-Präsident Jörg Dittrich und DSD-Vorständin Juliane Parys.

Der Preis würdigt Menschen, die historische Gebäude nicht einfach nur besitzen, sondern sie gemeinsam mit Fachleuten vor dem Verfall bewahren. Erfahrung, Materialkenntnis und handwerkliche Präzision sind dafür nötig. Alte Dachstühle, Fassaden und andere Bauteile verlangen eben mehr als einen schnellen Austausch gegen Standardware.

Zwölf Projekte aus Rheinland und Westfalen

Der Bundespreis wird seit 1994 jährlich in jeweils zwei Bundesländern von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz und dem Zentralverband des Deutschen Handwerks vergeben. 2026 sind Nordrhein-Westfalen und Bremen an der Reihe; in Nordrhein-Westfalen wurde der Preis zuletzt 2017 verliehen. Zwölf Projekte aus Rheinland und Westfalen erhielten diesmal eine Würdigung: Herrenhäuser, Fachwerkhöfe, Villen und ein Mausoleum.

Die privaten Denkmaleigentümer bekommen zusammen 30.000 Euro Preisgeld. Die beteiligten Handwerksbetriebe erhalten Ehrenurkunden. Mehr als zwölf Gewerke waren an den ausgezeichneten Arbeiten beteiligt, darunter Zimmerer, Dachdecker, Stuckateure, Glockengießer und Uhrmacher. Gerade dieses Zusammenspiel verschiedener Fachrichtungen macht bei alten Gebäuden oft den Unterschied.

  • Erster Preis, 8.000 Euro: Herrenhaus Harkotten in Sassenberg
    Ferdinand und Maximilian Freiherr von Korff ließen das 1806 als Sommerhaus errichtete Herrenhaus zwischen 2016 und 2021 instand setzen. Grundlage waren Bauforschung, eine historische Baubeschreibung aus dem Archiv und restauratorische Voruntersuchungen. Denkmalpflege, Architekten, Restauratoren und spezialisierte Handwerksbetriebe stimmten sich eng ab. Im Einsatz waren unter anderem Maler, Restauratoren, Stuckateure, Tischler, Zimmerer und Steinmetze.
  • Erster Preis, 8.000 Euro: Alte Rentei auf Gut Holzhausen in Nieheim
    Das Gut befindet sich seit mehr als 550 Jahren im Besitz der Familie von der Borch. Eigentümer Johann-Friedrich Freiherr von der Borch ließ die Alte Rentei Schritt für Schritt mit traditionellen Baumaterialien und historischen Techniken instand setzen. Zimmerer, Dachdecker, Stuckateure, Tischler und Elektrotechniker waren beteiligt.
  • Zweiter Preis, 5.000 Euro: Mausoleum Schuchard in Warburg-Calenberg
    Hans-Hugo Schuchard ließ das schwer beschädigte Mausoleum von 1892 restaurieren. Die Arbeiten in der schwierigen Hanglage verbanden historische und moderne Techniken. Stuckateure, Klempner, Steinmetze und Metallbauer wirkten mit.
  • Zweiter Preis, 5.000 Euro: Villa Monheim in Aachen
    Jenna und Robert Prahl retteten das nach langem Leerstand stark geschädigte Gebäude. Jenna Prahl war dabei Eigentümerin und Architektin zugleich. Die Sanierung bewahrte die historische Substanz und ergänzte eine neue Nutzungsschicht. Beteiligt waren unter anderem Maurer, Steinmetze, Dachdecker, Tischler, Holzgestalter, Maler, Fliesenleger, Elektrotechniker und Glaser.
  • Dritter Preis, 4.000 Euro: Wohnhaus Gerberstraße 6 in Menden
    Monika Otten sanierte ein stark geschädigtes Fachwerkwohnhaus mit ungewöhnlicher Fassadengestaltung. Historische Techniken und Arbeitsweisen kamen dabei erneut zum Zug. Zimmerer und Tischler übernahmen die Arbeiten.
  • Förderpreis, 500 Euro: Mauerhaus, Münstermauer 27, Rheine
    Der Verein Historische Altstadt Rheine erhielt den Wolfgang-und-Ursula-Engelbarts-Preis. Das Mauerhaus wurde freigelegt und als Zeugnis früherer Lebens- und Arbeitsverhältnisse erhalten. Ehrenamtliches historisches Fachwissen, ein Architekt und spezialisierte Handwerker bildeten das Team.
  • Sonderpreis: Villa Vogelsang in Essen-Horst
    Der Stuckateur Helder Horta wurde für die Kooperation mit Restauratoren bei der Fassadensanierung ausgezeichnet. Gemeinsam entwickelte das Team ein Restaurierungskonzept und untersuchte Materialien, um beschädigte Fassadenteile ergänzen zu können. Eigentümerin ist die Linuxhotel GmbH.

Weitere Handwerkerpreise

Neben den Hauptpreisen wurden weitere Kooperationen ausgezeichnet. Bei der Fachwerkhofanlage Windfoche 1 in Leichlingen, deren Eigentümer Sabine und Siegfried Sonnenberg sind, ging die Anerkennung an die Lehmkonzepte GbR.

Für die Kapelle der Doppelschlossanlage Harkotten in Sassenberg, im Eigentum von Ferdinand Freiherr von Korff und Friedrich-Carl Freiherr von Ketteler, wurden Dachdecker sowie das Metall- und Glockengießer- und Uhrmacherhandwerk gewürdigt.

Auf Burg Muldenau in Nideggen, deren Eigentümerin Dr. Regine Weber ist, galt die Auszeichnung der Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Paul Höhl. Gemeinsam gelang die Rettung des ältesten vollständig erhaltenen Burgendachstuhls im Rheinland.

In der gründerzeitlichen Villa an der Weyerstraße 26 in Solingen, Eigentümerin Monika Tiefenthal, wurde die Tischlerei Daniel Otterbein ausgezeichnet. Beim Handwerkerhaus Königstraße 37 in Telgte, das Fara und Christian Steinmeier gehört, ging die Würdigung an den Zimmerer Marius Pohlmann.

Die Fabrikanten-Villa Breuhaus de Groot in Krefeld-Uerdingen gehört Nina Schirmer-Hannig und Peer Hannig. Anerkannt wurden dort ein Parkettlegerbetrieb sowie ein Maler- und Lackiererbetrieb.

Ausgeschrieben wurde der Wettbewerb in Zusammenarbeit mit den Denkmalpflegeämtern von LVR und LWL, dem NRW-Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung, der Staatskanzlei, der Architektenkammer NRW, dem Handwerkskammertag NRW und den sieben Handwerkskammern des Landes.

Alte Techniken, neue Perspektiven

Der ZDH verweist auf den wachsenden Bedarf an qualifizierten Fachkräften, auf Bürokratieabbau und verlässliche Förderbedingungen. Mehr als 80 Gewerke erwirtschaften in der handwerklichen Restaurierung und Denkmalpflege zusammen jährlich rund 7,5 Milliarden Euro Umsatz. Der Weg kann dabei von der Ausbildung bis zur spezialisierten Fortbildung zum „Master Professional für Restaurierung im Handwerk“ führen.

Wer einen geeigneten Betrieb sucht, kann die Datenbank „Handwerksbetriebe für Restaurierung und Denkmalpflege“ nutzen. Dort lassen sich Fachbetriebe nach Region und Gewerk finden. Das ist weniger romantisch als der Blick auf eine frisch restaurierte Fassade, aber im Alltag ziemlich hilfreich.

Der historische Baubestand in Deutschland gilt als kulturelles Erbe und zugleich als wirtschaftliches Kapital. Seine Pflege verlangt Fertigkeiten, die im modernen Bauwesen nicht immer weitergegeben werden: Nach Angaben der Deutschen Stiftung Denkmalschutz werden Kenntnisse zu historischen Materialien und Techniken teilweise weder in der Berufsausbildung noch in Meisterlehrgängen vermittelt. Sie drohen damit verloren zu gehen.

Ein bundesweites Stipendienprogramm der Deutschen Stiftung Denkmalschutz unterstützt deshalb die Weiterbildung zum beziehungsweise zur „Geprüften Restaurator/in – Master Professional für Restaurierung im Handwerk“. Berufsbegleitend geht es um den Umgang mit historischen Materialien und Techniken ebenso wie um moderne, denkmalgerechte Methoden. Die Bewerbungsphase beginnt in der Regel im April und endet gegen Ende September oder Anfang Oktober; in Ausnahmefällen kann die Frist verlängert werden.

Jedes Stipendium ist mit 6.000 Euro dotiert und ermöglicht die Teilnahme an entsprechenden Lehrgängen an anerkannten denkmalpflegerischen Bildungszentren in Deutschland. Ausgezahlt wird in zwei Raten, jeweils auf Grundlage von Teilnahme- und Prüfungsnachweisen. Fehlen die erforderlichen Nachweise, kann die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Fördermittel zurückfordern. Im Jahr 2025 wurden 15 Stipendien vergeben.