Stefan Knittel übernimmt Wiens U2-U5-Ausbau im dicht bebauten Stadtgebiet
Stefan Knittel wechselt von Salzburg nach Wien: Der 57-Jährige, der fünf Jahre lang für die Planung des Salzburger S-Link-Nahverkehrssystems verantwortlich war, begann Ende September 2026 eine neue Tätigkeit bei den Wiener Linien. Dort leitet er den Bereich B7.
Seine Aufgabe ist kein kleines Paket. Knittel ist für den laufenden Neubau der Wiener U-Bahn-Linien U2 und U5 zuständig – ein Milliardenprojekt mitten in einer dicht bebauten Stadt. Am Mittwoch, dem 7. Oktober 2026, bestätigte er den Wechsel auf Anfrage der „Salzburger Nachrichten“.
Die U2 wächst nach Süden
Nach der Verlängerung bis zur Seestadt wird die U2 ab dem Rathaus in Richtung Süden geführt. Vorgesehen sind die Stationen Neubaugasse mit Umstieg zur U3, Pilgramgasse mit Anschluss an die U4, Reinprechtsdorfer Straße sowie Matzleinsdorfer Platz mit Umstieg zur S-Bahn. In einer zweiten Baustufe soll die Linie über die Gußriegelstraße bis zum Wienerberg weiterlaufen.
Die Station Rathaus wird dabei zum gemeinsamen Knoten von U2 und neuer U5. Von hier aus sollen alle weiteren U-Bahn-Linien mit höchstens einem Umstieg erreichbar sein. Rund 15.000 Menschen leben oder arbeiten im Einzugsgebiet. Die direkte U2-Verbindung nach Süden bis zum Matzleinsdorfer Platz ist für 2030 vorgesehen, später soll es weiter bis zum Wienerberg gehen.
Neben der Straßenbahnlinie 2 soll künftig auch der Bus 48A bei der Station Rathaus halten. Der bestehende Bau stammt aus den 1960er-Jahren und war ursprünglich als unterirdische Straßenbahnstation gedacht. Für die darunterliegende U2-Station wurde er umfangreich verstärkt und mit einem neuen Fundament versehen. Der Umbau zum U-Bahn-Knoten konnte nur teilweise während des laufenden Betriebs erfolgen – mitten im Stadtverkehr, mit all dem Lärm und Gedränge, das dazugehört.
Unter Geschäftsstraßen und dem Wienfluss
An der Neubaugasse entsteht ein Umsteigeknoten mit der U3. Der Abschnitt zwischen Neubaugasse und Rathaus soll voraussichtlich der meistgenutzte Abschnitt der U2 werden. Rund 30.000 Menschen leben oder arbeiten hier. Die Linie verbindet künftig die Bezirke 1, 2, 5, 6, 10 und 22 und soll dabei die U3 sowie die Buslinie 13A in ihren zentralen Abschnitten entlasten.
Ganz ohne Belastungen geht das freilich nicht. Während der Bauarbeiten sind Sperren und Beeinträchtigungen in der Kirchengasse, der Lindengasse und der Mariahilfer Straße vorgesehen. Die U3-Station liegt unter der bestehenden U3-Station, die während der Bauzeit durchgehend betrieben werden soll. Die Mariahilfer Straße, nach der Wiener City das zweitgrößte Geschäftszentrum der Stadt, bekommt also ihre neue U-Bahn praktisch unter dem laufenden Einkaufsbetrieb.
Bei der Pilgramgasse quert die U2 unter dem Wienfluss die U4. Damit entsteht ein Umsteigeknoten zwischen Margareten und Mariahilf. Künftig führen direkte Verbindungen von Hütteldorf zum Wienerberg und in die Seestadt; auch das Rathaus ist dann ohne Umstieg in etwa drei Minuten erreichbar. Rund 30.000 Menschen leben oder arbeiten im Einzugsgebiet.
Mit Ausnahme des Otto-Wagner-Aufgangs wird die Station vollständig neu errichtet. Deshalb war sie ab Februar 2019 etwa ein Jahr gesperrt, weitere Arbeiten können während des laufenden Betriebs stattfinden. Das denkmalgeschützte Otto-Wagner-Gebäude auf der Pilgrambrücke bleibt erhalten. Zusätzliche Rolltreppen und ein Zwischengeschoss sollen den Zugang zur U2 ermöglichen, der Zugang zur U4 bleibt bestehen.
Neue Wege durch Margareten und Favoriten
Die Station Reinprechtsdorfer Straße wird die erste U-Bahn-Station im Zentrum des 5. Bezirks. Bislang wird Margareten vor allem durch die Buslinien 12A, 13A, 14A und 59A erschlossen; die U-Bahn ist derzeit nur an der nördlichen Bezirksgrenze über die U4 erreichbar. Mit der U2 wird der gesamte Bezirk besser an das Zentrum angebunden. Rund 23.000 Menschen leben oder arbeiten im Einzugsgebiet.
Die Reinprechtsdorfer Straße zwischen Wienzeile und Matzleinsdorfer Platz könnte durch die neue Verbindung als überregionale Einkaufsstraße an Bedeutung gewinnen. Am Matzleinsdorfer Platz erhält die U2 Anschluss an die S-Bahn-Stammstrecke. Rund 50.000 Menschen leben oder arbeiten dort. Pendler aus dem Süden können künftig zusätzlich zu Meidling und Hauptbahnhof direkt in die U-Bahn umsteigen. Das soll U6, U3 und U1 entlasten.
Bis zur Verlängerung zum Wienerberg wenden die U2-Züge am Matzleinsdorfer Platz und fahren anschließend wieder Richtung Seestadt. Südlich der künftigen Station, am Beginn der Triester Straße, soll die Tunnelbohrmaschine gestartet werden. Mit etwa 0,5 Metern pro Stunde arbeitet sie sich bis zum Augustinplatz im 7. Bezirk vor.
Der Aushub verschwindet dabei über einen großen Schacht: Rund 140.000 Kubikmeter sollen so abtransportiert werden, Baumaterial gelangt ebenfalls auf diesem Weg in den Tunnel. Etwa 20.000 Lkw-Fahrten durch die dicht bebaute Innenstadt sollen dadurch entfallen. Weniger Lastwagen, weniger Stop-and-go – auf dem Papier klingt das fast zu schön, um wahr zu sein.
Die Station Gußriegelstraße soll den bevölkerungsreichsten Bezirk Wiens besser mit der Innenstadt verbinden. Das Gebiet südlich des Matzleinsdorfer Platzes wird dadurch zusätzlich zur Verlängerung der U1 nach Oberlaa erschlossen. Die U2 soll Favoriten besser anbinden und die U6 entlasten.
Rund um die Gußriegelstraße liegt das dicht besiedelte Triesterviertel mit zahlreichen Wohnhausanlagen. Rund 30.000 Einwohner sollen dadurch besser mit dem Zentrum sowie mit Ausbildungs- und Arbeitsplätzen verbunden werden.
Endstation am Wienerberg
Am Wienerberg soll die U2 ihre südliche Endstation bekommen. Das Erholungsgebiet wird dann direkt vom Zentrum aus erreichbar sein. Die neue Verbindung soll den Umstieg vom Auto auf den öffentlichen Verkehr erleichtern und die Fahrzeiten für Bewohner im Süden Wiens verkürzen. Der Wienerberg soll dadurch besser öffentlich angebunden und stärker belebt werden.
Mit der Station Wienerberg ist der Ausbau der U2 nach Süden vorläufig abgeschlossen; technisch bleibt eine weitere Verlängerung möglich. Das Erholungsgebiet wurde in den 1980er-Jahren geschaffen. Es umfasst 123 Hektar, darunter 16,1 Hektar Wasserflächen, und dient dem Naturschutz ebenso wie der Erholung.
Dort ergänzt die U2 künftig die Straßenbahn- und Buslinien 11, 15A, 7A, 65A, 16A und 7B. Für Stefan Knittel bedeutet der Wechsel von der Salzburger S-Link-Planung in den Wiener Bereich B7 damit vor allem eines: sehr viele Baustellen, viele Schnittstellen und ein Projekt, bei dem jeder Meter Tunnel irgendwann oben in der Stadt spürbar wird.
