Tschechien baut die Brücke nach Österreich
Tschechien dreht bei seinen Straßenprojekten kräftig auf. Die tschechische Straßen- und Autobahndirektion ŘSD will in diesem und im kommenden Jahr bis zu 154 Kilometer neue Autobahnen und Straßen erster Klasse auf den Weg bringen. Für 2027 sind dafür 87 Milliarden Kronen vorgesehen – nach Angaben der ŘSD das höchste Budget ihrer Geschichte.
Geplant sind der Baubeginn von 90,8 Kilometern neuer Autobahnabschnitte, der Ausbau von knapp 13 Kilometern bestehender Autobahnen sowie der Start von 50,3 Kilometern neuer Straßen erster Klasse. Derzeit baut die ŘSD bereits insgesamt 266,4 Kilometer neue Autobahnen und Straßen erster Klasse. Das zusätzliche Geld soll außerdem weitere Vorhaben vorbereiten und bestehende Strecken instand halten.
D52: Über den Stausee bis zur österreichischen Grenze
Für den grenznahen Verkehr ist vor allem die D52 Richtung Österreich wichtig. Zwei neue Abschnitte in Südmähren kommen zusammen auf 17,5 Kilometer und sollen Pohořelice über den Stausee Nové Mlýny mit der österreichischen Grenze verbinden.
Bei einem Besuch in Südmähren und im Mährisch-Schlesischen Kreis stellte Premierminister Petr Fiala am 15. September 2025 in Mikulov gemeinsam mit Verkehrsminister Martin Kupka und dem Generaldirektor der ŘSD, Radek Mátl, die Vorbereitung des Weiterbaus vor. Im Mittelpunkt stand die genehmigte Lösung für die Querung des Stausees Nové Mlýny.
Aus der Umweltverträglichkeitsprüfung EIA waren zwei Möglichkeiten hervorgegangen: eine Estakade oder ein selbstständiger Damm. Nach einer Expertenbewertung wurde der selbstständige Damm als wirtschaftlich und technisch günstigste Variante ausgewählt. Er soll der Straße I/52 folgen. Die technische Lösung genehmigte die Zentralkommission des Verkehrsministeriums.
Der Abschnitt Pohořelice–Staatsgrenze zu Österreich soll in den Jahren 2027 bis 2031 umgesetzt werden. Er ist in drei Bauwerke mit zusammen 23,1 Kilometern geteilt: 5204 Pohořelice–VN Nové Mlýny von 2027 bis 2029, 5205 Querung des VN Nové Mlýny von 2029 bis 2031 sowie 5206 VN Nové Mlýny–Staatsgrenze Tschechien/Österreich, ebenfalls von 2027 bis 2029.
Derzeit verbindet die D52 die D1 mit Pohořelice. Später soll sie über Mikulov bis zur österreichischen Grenze führen. Die geplante Gesamtlänge beträgt 44,379 Kilometer, in Betrieb ist bisher der Abschnitt Brünn–Pohořelice. Die übrigen Abschnitte sollen zwischen 2027 und 2032 realisiert werden.
Für den Abschnitt Nové Mlýny–Staatsgrenze werden 4,1 Milliarden Kronen ohne Mehrwertsteuer veranschlagt, für Pohořelice–Nové Mlýny 2,5 Milliarden Kronen ohne Mehrwertsteuer. Die Kosten für die Querung des Stausees hängen von der gewählten Technologie ab. Nach der Fertigstellung soll die D52 Teil des europäischen Korridors Ostsee–Adria werden, die Verkehrs- und Wirtschaftsbeziehungen zwischen Tschechien und Österreich stärken, Brünn besser mit Wien verbinden und die regionale Verkehrsbelastung senken.
Angeschlossen werden soll die Autobahn an die geplante österreichische A5 beim Grenzübergang Mikulov–Drasenhofen. Eine zwischenstaatliche Vereinbarung über die Verbindung wurde bereits 2009 unterzeichnet.
D6, D35, D55 und der Prager Ring
Auch auf der D6 zwischen Prag und Karlsbad stehen neue Kilometer an. Mehr als 15 Kilometer zwischen Karlovy Vary und Žalmanov über Olšová Vrata sind geplant. Damit sollen die letzten fehlenden Abschnitte dieses Streckenteils in Angriff genommen werden.
Der Ausbau der D35 geht ebenfalls weiter. Die beiden bisher noch nicht im Bau befindlichen Abschnitte zwischen Svitavy und Mohelnice sind zusammen rund 35 Kilometer lang. Langfristig soll die D35 eine Alternative zur stark belasteten D1 bilden – dort, wo sich an Freitagnachmittagen und zu Beginn oder Ende der Ferien der Verkehr gerne einmal zäh dahinwälzt.
Auf der D55 sind zwei neue Abschnitte mit insgesamt rund 13 Kilometern vorgesehen: Kokory–Přerov sowie Napajedla–Babice.
Am Autobahnkreuz Třebonice, an dem D0 und D5 zusammentreffen, laufen vorbereitende Arbeiten. Die eigentlichen Bauarbeiten am Ausbau des Prager Autobahnrings sollen 2027 beginnen. Mehr als 75.000 Fahrzeuge nutzen das Kreuz täglich. Zusätzlich sind der Ausbau eines knapp drei Kilometer langen D0-Abschnitts zwischen Satalice und Běchovice, die Erweiterung der Brücken am Počernický-Teich und der Ausbau eines rund sieben Kilometer langen Abschnitts zwischen Slivenec und Třebonice geplant.
Umfahrungen, Unterhalt und ein großes Straßenbudget
Für dieses und das kommende Jahr stehen fast 51 Kilometer neuer Strecken erster Klasse zum Baustart bereit. Im November soll die 6,5 Kilometer lange Umfahrung von Pelhřimov beginnen. Auf der Liste stehen außerdem die westliche Umfahrung von Krnov sowie Umfahrungen von Bučovice, Znojmo und Břeclav.
Für Betrieb, Wartung und Reparatur bestehender Autobahnen und Straßen erster Klasse erhält die ŘSD zusätzlich knapp 22 Milliarden Kronen. Eine interaktive Karte der Behörde zeigt sämtliche geplanten und laufenden Bauprojekte.
Am selben Besuchstag in Dětmarovice nahm Fiala gemeinsam mit Finanzminister Zbyněk Stanjura außerdem eine neue Produktionslinie des Unternehmens Trestles in Betrieb. Trestles ist seit mehr als 30 Jahren auf dem internationalen Markt tätig und stellt Regalsysteme, Metallmöbel sowie Förder- und Handhabungstechnik her. Mehr als 90 Prozent der Produktion gehen in über 30 Länder.
Die vollautomatisierte Linie verarbeitet Bleche und fertigt Komponenten für Blechmöbel und Regalsysteme. Die Investition überschritt 50 Millionen Kronen beziehungsweise zwei Millionen Euro. Nach Angaben des Unternehmens wurde sie aus eigenen Mitteln und ohne Förderungen finanziert. Trestles entwickelt eigene Produkte und Produktionslinien; 2024 erweiterte die Firma durch die Übernahme von FEROPLAST ihre Aktivitäten im Bereich Drahtprodukte.
Maut, freie Abschnitte und die Fahrt über die Grenze
Tschechien verfügt über ein weitgehend modernes Straßennetz mit ausgebauten Autobahnen. Autobahnen und bestimmte Schnellstraßen sind mautpflichtig, das Netz wird erweitert, bestehende Abschnitte werden saniert. Auch die Raststätten nähern sich zunehmend westeuropäischen Standards – eine Entwicklung, die man nach einer langen Fahrt durchaus zu schätzen weiß.
Für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen gilt die elektronische Vignette. Fahrzeuge ab 3,501 Tonnen unterliegen der Lkw-Maut. Die Vignettenmaut gilt nur auf Autobahnen, nicht mehr auf Schnellstraßen. 2016 wurden Teile der früher mautpflichtigen Schnellstraßen des Typs R in Autobahnen des Typs D umgewandelt; andere R-Straßen wurden als Schnellstraßen für Kraftfahrzeuge mit einer Höchstgeschwindigkeit von 110 km/h neu klassifiziert. Für die Lkw-Maut gelten andere Streckenabschnitte, insbesondere auf Schnellstraßen erster Ordnung.
Ab 2026 sind für Fahrzeuge bis 3,5 Tonnen folgende Autobahnabschnitte mautfrei: D3 Veselí nad Lužnicí Nord–Bošilec, Exit 104–109; D6 Cheb–Karlovy Vary, Exit 162–131; D7 Chomutov–Louny, Exit 18–78; D11 Sedlice–Kukleny, Exit 84–90; D35 Sedlice–Opatovice, Exit 126–129; D46 Hněvotín–Olomouc, Slavonín, Exit 37–39; D48 Frýdek-Místek–Dobrá, Exit 47–54; D52 Pohořelice, Exit 23–26; sowie D55 Otrokovice, Exit 30–32. Diese Abschnitte werden regelmäßig neu bewertet, Änderungen sind möglich.
Teilweise mautfrei ist auch der Prager Stadtring D0. Hinzu kommen auf der D1 Prag–Brünn der Abschnitt Exit 182–210, auf der D1 Brünn–Ostrava Exit 354 bis zur polnischen Grenze, auf der D5 Pilsen–Prag Exit 89–67 sowie auf der
