Vier weitere MEKO-Fregatten: Milliardenauftrag soll TKMS-Werft bis 2035 auslasten
Berlin/Kiel, 7. Oktober 2026 – Am Donnerstag entscheidet der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages über vier weitere Fregatten des Typs MEKO A-200 DEU. Vier Schiffe sind bereits bestellt und werden bei TKMS in Kiel gebaut. Das erste davon soll 2029 einsatzbereit sein.
Für die zusätzlichen Einheiten stehen laut einer Vorlage des Bundesfinanzministeriums rund 5,6 Milliarden Euro im Raum. Der reine Bauvertrag umfasst nach Reuters rund 5,3 Milliarden Euro; die verbleibenden Mittel sind für Projektunterstützung und eine Reserve vorgesehen. Die Entscheidung kommt dabei nicht aus heiterem Himmel: Am 8. Juli hatte der Haushaltsausschuss bereits vier Schiffe genehmigt und eine Kaufoption für vier weitere Einheiten ermöglicht.
Option würde Marineprogramm verdoppeln
Wird die Option gezogen, wächst das Programm auf insgesamt acht Fregatten. Das Gesamtvolumen läge dann bei rund 11,6 Milliarden Euro. Der Bau der vier zusätzlichen Schiffe soll den Unterlagen zufolge bis 2035 abgeschlossen werden. Für ihren Betrieb und ihre Instandhaltung sind bis 2045 rund 1,55 Milliarden Euro eingeplant.
Die Beschaffung gilt laut Vorlage als zeitlich dringend. Die Frist für die Kaufoption läuft Ende 2026 aus. Für TKMS würde der Auftrag die Werft über mehrere Jahre auslasten – in Kiel dürfte das entsprechend für volle Hallen, laufende Schweißarbeiten und eine ziemlich straffe Taktung sorgen.
Die geplante Beschaffung folgt auf das Ende des Fregattenprojekts F126. Verteidigungsminister Boris Pistorius hatte das Vorhaben mit der niederländischen Werft Damen wegen Verzögerungen und gestiegener Kosten gestoppt. Die vier bereits bestellten MEKO-Fregatten sollen nun eine wichtige Lücke in der Planung der Marine schließen.
Rechtsstreit mit Damen bleibt Unsicherheitsfaktor
Ganz glatt läuft die Sache allerdings nicht. Damen Naval klagt gegen die Bundesregierung und fordert rund 4,7 Milliarden Euro Schadensersatz. Die Werft kritisiert die Direktvergabe an TKMS ohne reguläres europaweites Ausschreibungsverfahren, wirft Berlin Vertragsbruch vor und macht die Bundesregierung für die Verzögerungen beim gestoppten F126-Projekt verantwortlich.
Der Ausgang des Rechtsstreits könnte Auflagen, Vergleichszahlungen oder Verzögerungen bei der Mittelfreigabe nach sich ziehen. Damit hängt über dem Milliardenprojekt nicht nur die Frage, wann gebaut wird, sondern auch, zu welchen rechtlichen und finanziellen Bedingungen.
Auch wirtschaftlich bleibt das Vorhaben anspruchsvoll. Kostensteigerungen, Probleme in den Lieferketten, technische Nachbesserungen und Verzögerungen bis zum geplanten Abschluss 2035 zählen zu den Risiken. Bei Festpreisvereinbarungen oder engen Margen könnten unerwartete Mehrkosten direkt auf die Ertragskraft von TKMS drücken.
TKMS-Aktie unter Druck
An der Börse zeigte sich die Nervosität bereits: Die TKMS-Aktie fiel um 3,2 Prozent auf 75,10 Euro und liegt damit unter ihrem bisherigen Jahreshöchststand. Das derzeit skeptische Marktumfeld für zyklische Aktien und Rüstungswerte könnte eine schnelle Neubewertung begrenzen, selbst wenn der Auftrag langfristig für Auslastung sorgt.
Das Analysehaus mwb Research bleibt dennoch bei seiner Einschätzung „Kaufen“ und nennt ein Kursziel von 140 Euro. Zwischen diesem Ziel und dem aktuellen Kurs liegt viel Erwartung – und eben auch einiges an Risiko. Ein Großprojekt bis 2035 ist kein kurzer Sprint, eher ein langer Werfttag mit vielen offenen To-do-Listen.
Für die Marine steht derweil eine Entscheidung mit langer Wirkung an. Vier weitere Fregatten würden den bereits bestellten Bestand verdoppeln, die ersten Schiffe ab 2029 verfügbar machen und das Programm bis 2035 auf die Werften binden. Am Donnerstag geht es deshalb nicht bloß um einen weiteren Beschluss im Haushaltsausschuss, sondern um Milliarden, Kapazitäten und einen Zeitplan, der kaum Luft für Umwege lässt.
